Labseed:
Ein Startup trickst die Immunabwehr aus

Mit einem neuartigen Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Implantaten will Labseed ungünstige Immunreaktionen künftig verhindern.

Labseed trickst gezielt das Immunsystem aus.

Dass Innovationen oft aus dem Zusammenbringen von Spezialisten und ihren berufsalltäglichen Bedürfnissen und Problemstellungen entstehen, dafür ist Labseed ein gutes Beispiel. Giorgio Pietramaggiori und Hicham Majd lernten sich während ihres Doktorats an der ETH Lausanne kennen. Ihre Fachgebiete, Biotechnologie und plastische Chirurgie, lagen weit auseinander. Trotzdem überschnitt sich ihr Interesse in einem Bereich, der insbesondere für Giorgios Berufspraxis wichtig ist: der Körperverträglichkeit von Implantaten.

Markteintritt 2010 geplant

Labseed erlebte seine Firmengründung im August 2009 und hat zuletzt die dritte Stufe von Venture Kick gewonnen (Startwerk.ch berichtete). Mittels dessen und weiterer Fördergelder von CTI wird der noch laufenden R&D-Prozess zurzeit finanziert. Gestartet war Labseed 2007 als Projekt basierend auf zwei Patenten der beiden Gründer. Ziel ist die Lizensierung ihres Oberflächenhandlungsverfahrens an Hersteller von Implantaten. Labseed steht momentan mit zwei Interessenten in engem Kontakt, die auch an der gerade laufenden, präklinischen Versuchsphase beteiligt sind. Es handelt sich um einen Hersteller orthopädischer Produkte und einen Brustimplantate-Fabrikanten. Erste Produkte wollen die Gründer im Verlauf des kommenden Jahres am Markt haben.

Unerwünschte Immunreaktion…

Körperverträglichkeit von Implantaten ist nach wie vor ein substanzielles Problem in der Medizin. Nach dem Einsetzen von Herzschrittmachern, künstlichen Gelenken, Insulinpumpen und insbesondere Silikonimplantaten verursacht das Immunsystem des Empfängers oft schmerzhafte Komplikationen. Die normale Immunantwort auf einen Fremdkörper besteht darin, ihn mit körpereigenem Narbengewebe einzuschliessen. Bei einem ungünstigen Verlauf wird daraus eine Kapselfibrose, es bildet sich eine harte Hülle des Implantats. Im Komplikationsfall muss diese durch einen chirurgischen Eingriff beseitigt werden, was oft aber nur zu einer kurzfristigen Besserung führt.

… mit Mycoat verhindern

Hier setzt das Produkt von Labseed ein, dass auf den etwas unglücklichen Namen Mycoat hört. Versuche zeigen, dass die Oberflächenstruktur für die Immunantwort einen grosse Rolle spielt. Deshalb haben Giorgio und Hicham eine Oberflächenbehandlung für Implantate entwickelt, die deren Einkapselung verhindern kann. Die Wirkung der Fibroblasten, die angeregt von Immunzellen ins das Wundgebiet einwandern und kollagenreiches Bindegewebe bilden, steht dabei im Zentrum. Proteinstrukturen auf der Oberfläche sorgen dafür, dass die Bildung von Myofibroblasten inhibiert wird und nur die Bildung weichen, flexiblen Gewebes möglich ist. Der Körper erfährt quasi nicht mehr, dass er es mit einem Fremdkörper zu tun hat.

 

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