MiGFlug:
Von der Schnapsidee zum Takeoff

Simon Wüthrich, 17. Juli 2009 06:45 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Seit Herbst 2004 bietet MiGFlug Flüge mit russischen Kampfflugzeugen an. Ab 2007 haben die Gründer Flavio Kaufmann und Philipp Schär das Angebot ausgebaut und bieten nun Flüge auf vier Kontinenten an. Als grosse Hürde haben sich die interkulturellen Differenzen erwiesen.

Alles begann damit, dass Flavio und Philipp in Moskau an einer feucht-fröhlichen Party einen ehemaligen Piloten der russischen Luftwaffen kennen lernten. Dieser verhalf den beiden Kampfflug-Begeisterten zu einem Flug mit einem Ausbildungsflugzeug des Typs L-39 – und zu einer Geschäftsidee.

Erster Testflug

Den ersten Pilotversuch unternahmen Flavio und Philipp nach ihrer Rückkehr in die Schweiz. Sie boten auf Ebay einen Flug mit einem russischen Kampfjet an und konnten diesen innert Kürze für 1500€ verkaufen. Der schnelle Erfolg ermutigte die beiden, im Oktober 2004 die MiGFlug & Adventure GmbH zu gründen.

Kulturelle Gegensätze

In Russland Geschäfte zu tätigen, sei nicht einfach. Zwar funktioniere das Geschäft mit den russischen Partnern ganz gut, doch hätten mittlerweile die Partner die Möglichkeit entdeckt, Flüge direkt zu vermarkten. In Russland sehe man Zusammenarbeit noch immer zu häufig als Nullsummenspiel und verkenne die Möglichkeit, durch Kooperation ein besseres Gesamtergebnis zu erzielen. Diese kulturellen Gegensätze zu überwinden, macht für Philipp und Flavio aber auch den Reiz des Geschäfts aus.

Flavio betont, es sei von fundamentaler Wichtigkeit, eine russische Vertrauensperson im Team zu haben. Ohne diese würden junge westliche Geschäftspartner von den Russen, besonders in Militärkreisen, schlicht nicht genug ernst genommen. Entsprechend zufrieden stellt er fest, MiGFlug habe in den vergangenen Jahren ein zuverlässiges Beziehungsnetzwerk vor Ort aufbauen können.

Geographische Diversifikation

Mittlerweile bietet MiGFlug nicht mehr nur Flüge in Russland an, sondern auch in den USA, in Tschechien, Südafrika, Deutschland und der Schweiz. Letzteres erhitzt derzeit die Gemüter des SAC, wenn man einem Beitrag auf 20min.ch glauben kann.

Flavio nennt zwei Gründe, die hinter der geographischen Diversifikation stecken. Einerseits hätten viele potenzielle Kunden nicht die Zeit gehabt, vier Tage frei zu nehmen, um nach Russland zu reisen; anders verhalte es sich da, wenn sich quasi vor der Haustür die Möglichkeit biete, sich mit einem Kampfflugzeug in die Lüfte zu erheben – will ein Kunde einen wirklich leistungsfähigen Jet fliegen, kommt er nicht umhin, nach Russland zu reisen. Dort kann er mit dem Hochgeschwindigkeits-Abfangjäger MiG-31E bis an die Grenze der Erdatmosphäre fliegen. Andererseits sei es auch darum gegangen, Angebote ausserhalb des relativ schwierigen russischen Marktes im Portfolio zu haben.

Grüne Kampfflieger

Für grünliche Flugfans bietet MiGFlug seit 2007 in Zusammenarbeit mit offset the rest klimaneutrale Flüge an. Es sei recht schwierig gewesen, einen Partner für diese Kooperation zu finden, weil die meisten Anbieter in diesem Sektor negative Publicity befürchtet hätten – da sei Imageschutz wohl wichtiger gewesen als Klimaschutz, grinst Flavio.

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6 Kommentare

  1. bugsierer
    schrieb am 18. Juli 2009 um 09:30 Uhr (#)

    klimaneutrale privatflüge mit militärjets? das ist doch hochgradig zynisch.

  2. Simon Wüthrich
    schrieb am 18. Juli 2009 um 17:34 Uhr (#)

    Ich bin mir nicht sicher, ob die CO2-Kompensation wirklich zynisch ist. Wenn ein solcher Flug kompensiert wird, fliesst relativ viel Geld in die Programme von Offset The Rest (z.B. eine Windfarm in Neuseeland). Inwiefern dabei tatsächlich Gefühle oder Wertbilder anderer in verletzender Absicht herabgesetzt oder missachtet werden, ist mir nicht klar.

  3. bugsierer
    schrieb am 18. Juli 2009 um 18:11 Uhr (#)

    privatflüge mit militärjets sind ökologisch so bedenklich, dass die kompensation wirklich nur noch ein scheinheiliges feigenblatt vor dem eigenen schlechten gewissen ist. kein wunder, haben die jungs lange niemand gefunden, der dieses mandat übernehmen wollte. weil es eben zynisch ist, ein solches dreckschleudervergnügen sog. zu neutralisieren – dafür wurden diese institutionen ja wohl kaum erfunden.

    die ökologische situation gebietet es, solche exzesse schlicht und einfach zu verbieten. erst recht in dichtbesiedelten gebieten wie der schweiz, deutschland u.a. den lärm einfach den russen zuzumuten, ist auch daneben.

    ich bin etwas erstaunt, dass eine solches unternehmen hier so unkritisch abgefeiert wird.

  4. Pragmatiker
    schrieb am 19. Juli 2009 um 15:32 Uhr (#)

    ich denke, es geht der Firma MiGFlug hauptsächlich darum, Klimakompensation für Flüge, die ohnehin durchgeführt werden, anzubieten. In diesem Sinne also klar eher Schadensbegrenzung als aktiver Klimaschutz, anders wird dies aber auch nicht behauptet.

    Es stellt sich auch die normative Frage, wieso Umweltverschmutzung durch einen L-39 Jet nicht akzeptabel, diejenige durch einen kurzen Shopping-Trip nach New York allerdings in Ordnung (und auch offiziell via swiss/myClimate kompensierbar) sein soll. Dazu kommt, dass diese Flüge in Jets wohl nur einen sehr geringen Personenkreis ansprechen und die Problematik dadurch schon grundsätzlich limitiert ist.

    Wenn sich jemand einen solchen Flug leistet, erfüllt er sich damit wohl einen Traum (anders lässt sich kaum erklären, dass jemand so viel für eine so kurze Freude ausgibt…). Auch dies rechtfertigt meiner Meinung nach die Belastung, zumindest teilweise.

    Was ich hingegen heuchlerisch finde ist die Weigerung der CO2-Kompensationsagenturen, diese Flüge zu kompensieren. Würde das Interesse der Umwelt im Zentrum stehen, müssten diese Flüge vorbehaltslos kompensiert werden. Schliesslich finden die wohl eh statt, egal ob mit oder ohne Kompensation. Insofern wird durch die plakative Weigerung, diese Flüge CO2-Neutral zu gestalten, der Umwelt ein Bärendienst erwiesen.

    Es ist klar, dass man das Ganze verbieten könnte; es ist auch klar, dass viele Leute am liebsten alles verbieten würden, was ihnen persönlich nicht gefällt. Meiner Meinung nach ist diese Einstellung allerdings gefährlich und für das Leben hier weit schlimmer als das Bisschen Jet-lärm und die CO2-Ausstösse, durch einzelne solcher Flüge.

  5. Ralf
    schrieb am 22. Juli 2009 um 04:27 Uhr (#)

    Ich stehe der ganzen “Klimakompensationsdiskussion” etwas kritisch gebenüber. Aber dass die Jungs klimaneutrales Kampfjet-fliegen anbieten, haut mich schon fast vom Hocker. Es bestätigt aber auch den Fact, dass jeder der mit Flugreisen zu tun hat, heute glaubt, er müsse Klimakompensation anbieten. Vieles davon ist geheuchelt und hat mehr mit Marketing- als mit Klimaschutz zu tun. Wir wissen doch alle: Echter Klimaschutz ensteht nicht durch Konsum und “Kompensationszahlungen”, sondern durch Verzicht. Also lieber zweimal im Jahr fliegen und keine Klimakompensation bezahlen, als dreimal fliegen und bezahlen.

  6. Möbius
    schrieb am 22. Januar 2010 um 17:31 Uhr (#)

    Ich habe die Klima-Website von MiGFlug.com gerade eben besucht und finde das eigentlich gut. Immerhin gibt man sich die Mühe und sucht einen topseriösen Partner zur Neutralisierung. Und diese Co2-Agenturen haben ja selber auch einen Ruf zu verlieren, werden sich also schon überlegt haben ob MiGFlug.com seriös ist. Ich stimme dem Pragmatiker zu: Gemacht wird das Kampfjet fliegen sowieso solange irgendwo ein Angebot für solche Jetflüge besteht. ABER man versucht Schadensbegrenzung zu machen, die Folgen des Düsenjäger-Fluges zu begrenzen. Und mal ehrlich, was ist daran falsch wenn man einem Kohlekraftwerk in Butan einen neuen Filter spendiert und dadurch die durch das Fliegen des Kampfflugzeugs verursachten Verunreinigungen kompensiert? Das Konzept geht doch auf. Lasst mal den Mahnfinger unten: Ätzend wird es doch erst wenn man sein Engagement sehr in den Vordergrund stellt, wie das z.B. die grossen Ölkonzerne machen. “Wir sind ein nachhaltiger, integrierter Energiekonzern, da wir neben der Förderung von Rohöl, der Raffinerie und Distribution auch noch 10 Windräder betreiben.” DAS ist ätzend. Wenn zwei Jungs ein paar Flüge anbieten bringt das nicht gerade ein Klimakollaps. Zumal die kleinen Jets relativ sparsam unterwegs sind. Und wie gesagt: Immerhin wird das Produkt, Kampfjet fliegen, in den Vordergrund gestellt. Die Klimaneutralisierung der Jetflüge findet man nur wenn es einen interessiert.

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