Durch dick und dünn:
Freundschaft und Gründung – gute Idee oder tickende Zeitbombe?

Startup-Gründung mit Freunden: Gute Kombination oder garantierter Ärger? Unsere Gastautoren haben es gewagt und wissen, wo die Risiken liegen.

Gastbeitrag von Garry Spanz und Benjamin Bremmer, Linksert

Freundschaften verbinden: Kulturen, Unternehmen, Gründer, Arbeitskollegen. Viele Unternehmen entstehen durch Freundschaften und umgekehrt. Die gemeinsam bewältigten Herausforderungen schweissen zusammen, die Erfolge lassen sich gemeinsam feiern, Verluste stellen die Stärke der Beziehung auf die Probe.

Die Vorteile einer gemeinsamen Unternehmensgründung mit Freunden liegen auf der Hand: Man kennt sich bereits untereinander, die einzelnen Stärken und Schwächen sind (vermeintlich) bekannt und die Suche nach einem «externen» Mitgründer entfällt, so dass man direkt loslegen kann. Häufig hat man bereits im Voraus gemeinsam eine gewisse Zeit über Möglichkeiten, Ideen und Potentiale nachgedacht, bevor es zur Gründung kommt – und ist zu Beginn entsprechend entschlossen und enthusiastisch.

Emotionen im Spiel 

Damit hat man jedoch bereits die erste Chance, seine Geschäftsidee auf den Prüfstand zu stellen, verpasst: Potentielle Investoren und Mitarbeiter haben in ihrer Funktion als «Gatekeeper» die eigenen Gedanken nicht herausfordern können, man musste sie nicht überzeugen – schliesslich war man ja von sich selbst und der gemeinsamen Vision genug überzeugt. Schnell können dadurch langjährige Freundschaften in eine ernste Krise geraten, denn unabhängig von Konzepten, Plänen und Ideen: Emotionen sind auch hier im Spiel und können durch mangelnde professionelle Distanz zwischen Freunden eine Situation eskalieren lassen.

Vor allem die Kommunikation im Gründerteam bestehend aus Freunden verdient deshalb besondere Beachtung. Oft wird ein entspanntes Feierabendbier spontan zur stundenlangen Brainstorming-Session oder einem grundlegenden Strategieworkshop. Das fördert die kontinuierliche Reflektion und Innovation im Gründerteam, macht aber die Trennung von Privat- und Berufsleben umso schwerer. Wenn beste Freunde zu Mitgründern werden, verändert dieser Umstand auf einen Schlag nicht nur die Menge an Zeit, die man zusammen verbringt, sondern auch die Themen und Kommunikation.

Basierend auf meinen Erfahrungen mit dem Startup-Inkubator ventureworks und Linksert haben sich fünf Aspekte als sehr nützlich erwiesen, um mit Freunden erfolgreich in einem Unternehmen zusammenzuarbeiten:

  1. Früh wasserdichte Verträge abschliessen. Solange das Geschäft gut läuft, schaut niemand in die Verträge. Dass man heute gut befreundet ist und sich vertraut, heisst aber nicht, dass das morgen noch so ist. Aussergewöhnliche Ereignisse wie der Austritt eines Gründers aus dem Team oder der Einstieg eines Investors können die vermeintliche Harmonie schnell gefährden. Es empfiehlt sich deshalb, offen Erwartungen auszutauschen und Vereinbarungen schriftlich festzuhalten, bevor Geld geflossen ist. Dafür braucht man nicht gleich einen Anwalt. In der Regel lassen sich Rahmenbedingungen und Vereinbarungen – beispielsweise die Verteilung von Anteilen, die Ausschüttung von Gewinnen oder der Höhe von Löhnen – auf wenigen Seiten zusammenfassen. Sobald die finanzielle Lage des Startups dann einen Notar erlaubt, sollte man die Verträge wasserdicht überarbeiten lassen.
  2. Freundschaften pflegen. Es gibt auch weiterhin Freundschaft ausserhalb des Unternehmens! Gesprächsthemen müssen nicht immer die aktuellen Probleme und Erfolge des Startups sein – abschalten und gemeinsam Spass haben wie vor der Gründung: das sollte nicht zu kurz kommen. Sonst kreist die Beziehung nur noch um das eigene Unternehmen und wenn‘s da mal nicht gut läuft, färbt das direkt auf die Freundschaft ab.
  3. Unterschiede kennen. Häufig haben Freunde vor der Gründung noch nicht professionell zusammengearbeitet. Daher ist es besonders wichtig, Differenzen in der Arbeitsweise früh anzusprechen, bevor sie sich in tickende Zeitbomben verwandeln, die das Arbeitsklima torpedieren. Bleibt Kritik aus Rücksicht auf die «gute Freundschaft» zu lange unausgesprochen, tut das dem Teamgeist selten gut.
  4. Kenntnis über Kreditwürdigkeit. Gerade, weil dies unter Freunden ein heikles Thema ist, sollte man es ansprechen: Musste in den letzten Jahren persönlich oder geschäftlich Insolvenz angemeldet werden? Gibt es negative Kredit-Bewertungen? Beides hat einen signifikanten Einfluss auf die Bereitstellung von Finanzierung und Krediten durch Investoren und Banken. Sollten diese aufgrund negativer Kredithistorie Finanzierungen nicht genehmigen, ist ein grosser Teil der vorherigen Arbeit umsonst. Deswegen ist der Austausch über die persönliche Finanzlage in einem frühen Stadium des Startups empfehlenswert.
  5. Ehrlichkeit. Auch wenn man die Freundschaft vor schlechten Nachrichten schützen möchte: Ehrlich währt am längsten und früher oder später liegt sowieso alles auf dem Tisch. Macht man sich bewusst, dass nie alles perfekt laufen kann und Fehler und Scheitern dazugehören, profitiert die Beziehung zwischen Freunden langfristig davon.

In der Rubrik Startup-Diary schildern Jungunternehmer regelmässig, mit welchen praktischen Problemen sie in ihrem Gründeralltag konfrontiert werden und welche Lösungsansätze sie gefunden haben.
Trotz potentieller Stolpersteine sollten gute Freunde jederzeit darauf achten, dass man die Freundschaft erhält und diese das Unternehmensgeschehen dominiert – und nicht umgekehrt. Denn eines hat meine Erfahrung auch gezeigt: Erfolge und Niederlagen lassen sich am besten mit guten Freunden teilen.

Und wenn eine Freundschaft nicht nur privat sondern auch im Startup Höhen und Tiefen durchlebt hat, kann man zu Recht behaupten, bereits gemeinsam durch dick und dünn gegangen zu sein.

(Bild: Aidan Jones auf flickr.com, CC BY SA)

 

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