Minimum viable product:
Wie wenig darf es sein?

Wer ein Lean Startup lancieren will, muss darauf achten, zu Beginn nicht zu viele Features in sein Produkt zu packen. Unser Gastautor geht der Frage nach, «wie viel Produkt» denn nun gefragt ist.

Gastbeitrag von Reto Lämmler, RememberTheName

Reto Lämmler (Bild: zvg)

Reto Lämmler (Bild: zvg)

Ein wichtiges Stichwort im Konzept des Lean Startup ist das «minimum viable product». Laut Wikipedia geht es beim MVP um «eine Strategie für schnelle und quantitative Markttests eines Produkts oder einer Funktion». Wie so manche Startup-Philosophie kommt auch dieser Begriff aus dem Silicon Valley und wurde dort von Startupper Eric Ries populär gemacht.

Ich bin viel unterwegs und tausche mich mit anderen Unternehmern aus. Ideen werden diskutiert und gern haut man sich den Begriff MVP um die Ohren. Obwohl ich selbst oft von MVP spreche, bin ich mir doch nie ganz sicher, was er in einem bestimmten Projekt oder Kontext wirklich bedeutet.

Für mein aktuelles Startup-Projekt, RememberTheName, habe ich mir zu Beginn viele Gedanken zum MVP gemacht. Ziel war, den Markt mit dem kleinst möglichen Aufwand zu testen. Die Frage dabei: Muss ein MVP wirklich ein lauffähiges Programm sein? Oder darf es auch ein Prototyp sein, der die Idee für die Zielgruppe greifbar macht?

In meinem Studium (Human Computer Interaction Design) wird vermittelt, möglichst lange mit Prototypen (auf Papier oder interaktiv) zu testen, bevor man Konkretes umgesetzt. Ich bin ein starker Verfechter dieser Methode. Mir wurde jedoch auch klar, dass mittels Prototypen primär das Interaktionskonzept getestet, aber keine wirkliche Antwort zum Marktpotential gefunden werden kann. Nur eine programmierte Version, welche öffentlich gelauncht wird, bringt quantitative Resultate bezüglich Nachfrage.

Features vs. Design

Wieviel soll man jetzt programmieren, bevor man live geht? Und wie schön und sexy muss es dann bereits aussehen? Das hängt stark vom Projekt ab. RememberTheName ist eine App, die dabei helfen will, sich Namen besser zu merken – dazu gibt es bisher keine befriedigende Lösung. Die Lösungsmöglichkeiten sind riesig und die Antwort kann nur mittels vielen, kleinen Experimenten gefunden werden. Ein schickes Benutzerinterface ist hier sekundär. Gäbe es schon etliche, gut funktionierende Lösungen, wäre es für einen MVP wichtig, auch optisch attraktiv zu sein. Das ist auf unserem Feld nicht der Fall. Anders sieht das zum Beispiel bei Apps für Einkaufslisten aus. Meine Kollegen von Bring haben ein minimales Featureset umgesetzt, dafür viel in ein innovatives und schönes Benutzerinterface investiert. Es gibt bereits hunderte solcher Apps, daher lohnte es sich, sich beim Benutzerinterface von der Konkurrenz abzuheben.

Bist du mit einem neuen Projekt am Start und weisst jetzt nicht genau, was du umsetzen willst? Hier meine Empfehlung: Ein MVP sollte spätestens nach drei Monaten Entwicklung gelauncht werden können. Setze genau eine Hypothese ins Zentrum, welche mit dem MVP getestet werden soll. Behalte immer das zu lösende Kernproblem im Auge. Versuch nicht, mit schönen Benutzerinterfaces für anderes zu kompensieren – ausser es ist absolut nötig. Solange für den Benutzer das Kernproblem elegant gelöst wird, ist alles andere Zuckerguss und nicht wichtig für das MVP.

 

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2 Kommentare

  1. Zu dem Artikel würde ich gerne erfahren, ob du bereits erfolgreiche oder eine erfolgreiche App herausgebracht hast?

    • Hallo TOASTKunst,

      die beschriebene Vorgehensweise habe ich während meiner Zeit als Product Manager bei http://www.doodle.com aktiv angewendet und hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Sei es das Kernprodukt, die Mobile Apps oder neue Produkte wie http://www.doodle.com/meetme

      Für das aktuelle Projekt RememberTheName sind wir noch in der Entdeckungsphase und wird sich hoffentlich bald möglichst erfolgreich zeigen.

      Beste Grüsse
      Reto

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