Paatle:
Für jeden Ort eine virtuelle Pinnwand

Das neue Zürcher Startup Paatle will ortsbasiertes Messaging populär machen.

Paatle ist ein «social message board», das an Orte in der physischen Welt andockt. Nutzer können an beliebigen Plätzen Nachrichten hinterlassen, die für andere Menschen am selben Ort sichtbar sind. Das erinnert auf den ersten Blick an das US-Startup Foursquare, bei dem sich Nutzer an vorher festgelegten Orten anmelden und dies kommentieren können.

Der Grundgedanke bei Paatle ist ähnlich; die Check-ins heissen bei Paatle schlicht Drop-ins. Anders als bei Foursquare muss aber nicht zwingend ein Ort vorab erfasst werden. Der Nutzer gibt eine beliebige Adresse ein und erstellt damit eine virtuelle Pinnwand für diesen Ort. Auf dieser kann er Nachrichten oder Fotos ablegen.

CEO und Gründer Peter Alfred-Adekeye entwickelt Paatle mit einem vierköpfigen Team, die Plattform ist seit einigen Wochen online.

Ein Dienst für alles

Paatle will als location-basierte Plattform alle Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Welche Usecases das sein können, zeigen die Gründer in einer Reihe von Onlinevideos. So sollen sich Hausbewohner über ihr lokales message board austauschen, Cafégäste miteinander in Kontakt kommen, Studenten an der Uni Gleichgesinnte kennenlernen und so weiter. Als Schnittstelle zur realen Welt sollen QR-Codes dienen. Jedes message board erzeugt automatisch einen eigenen Code, mit dem Nutzer per Smartphone auf die jeweilige Seite gelangen. Weiter können Nutzer einander folgen und sich als sogenannte «residents» einzelnen Locations zuordnen, zum Beispiel ihrem Arbeitplatz oder ihrem Wohnhaus. Sie sehen ihre letzten Aktivitäten ausserdem gesammelt auf einer persönlichen Historie, analog zu Facebooks Chronik.

Das funktioniert bislang via eine mobile Website, zurzeit arbeitet das Team an Smartphone-Apps für Paatle, die bis Mitte Jahr fertig werden sollen.

B2B als Businessmodell

Die Idee für Paatle entstand 2010, während einer Geschäftsreise des jetzigen CEOs Peter Alfred-Adekeye. Er wollte wissen, ob in einem bestimmten Gebäude ein Wohnung frei war: «Dafür ein Papiernotiz ans Haus zu kleben, geht bekanntlich nicht. Darum kam ich auf die Idee, virtuelle Notizen an Orten anzubringen.» Eine erste Inkarnation lancierte der gebürtige Brite daraufhin in Vancouver. Paatle sollte eine Art ortsbasierte Immobilien-Plattform werden. Alfred-Adekeye und sein Mitgründer hatten aber unterschiedliche Ausrichtungen für die Plattform im Sinn. Darum gingen sie 2011 getrennte Wege. Das neue Paatle, diesmal gegründet in Zürich, startete mit einem breiteren Ansatz.

Geld verdienen wollen die Gründer mit einem B2B-Modell. Geschäfte oder Organisationen sollen über Paatle dereinst am jeweiligen Ort greifbar werden. Die Gründer planen einen App Store innerhalb ihrer Plattform, über den Geschäftskunden sich E-Commerce- oder Kundenservice-Funktionen hinzukaufen können. Zum Beispiel sollen Kunden damit das Inventar eines Geschäfts abfragen oder aktuelle Angebote finden können. Statt über Twitter oder Facebook mit ihrer ganzen Kundenbasis zu sprechen, könne damit ein Unternehmen wie bespielsweise Starbucks die Kunden einer bestimmten Filiale adressieren.

Paatles Differenzierung seinen zahlreichen Konkurrenten gegenüber (u.a. Fourquare, Localmind, LocalUncle, Blockboard) ist laut Alfred-Adekeye, dass die Plattform umfassender sei und sich vielseitiger einsetzen lasse. Schaut man auf Paatles Ambitionen, eine universelle, ortsbasierte Kommunikationsplattform zu werden, ist das sicher richtig. Allerdings sind breit aufgestellte Services spezialisierten Diensten gegenüber oftmals im Nachteil – potentielle Nutzer finden nicht sofort einen klar definierten Nutzen oder sind unsicher, warum sie einen Dienst verwenden sollen. Hier, beim Abholen möglicher Nutzer, muss Paatle sich ins Zeug legen und diese bei der Hand nehmen.

 

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