«Mich ärgern Leute, die Geschäftsideen kopieren»:
9 Fragen an Viktor Calabrò von Staff Finder

Kurze Fragen, kurze Antworten – regelmässig stellt sich ein Startupper unserer Fragerunde. Diesmal mit dem Gründer der Temporär-Arbeitsvermittlung Staff Finder.

Was ist die Idee hinter Staff Finder?

Staff Finder unterhält eine Internet-Plattform, über die kurzfristige und kurzzeitige Arbeitseinsätze effizient abgewickelt werden können, z.B. Krankheitsausfälle oder Auslastungsspitzen. Dabei wird der gesamte Wertschöpfungsprozess von der Stellenausschreibung über den Arbeitsvertrag bis hin zur Lohnauszahlung und Rechnungsstellung automatisiert abgewickelt. Die Dienstleistung von Staff Finder konzentriert sich auf den stark wachsenden und volkswirtschaftlich relevanten Kurzzeit-Temporärmarkt. Dieser kann heute weder technisch noch kostendeckend durch die bestehenden Anbieter abgedeckt werden und zeigt einen grossen Bedarf.

Wie sind Sie darauf gekommen? 

Die Idee zu Staff Finder entstand in der täglichen Abwicklung von Events in meiner zweiten Firma, der Eventagentur la folie Erlebniskultur. Eventmanagement leidet unter einem unglaublichen Ungleichgewicht bei Kosten und Nutzen. Für ein Event 150 Personen für 1 Tag einzusetzen ist ein Kraftakt. Wir haben damals berechnet, dass uns ein Arbeitnehmer im Schnitt weit über 50 CHF pro Stunde (Vollkosten) gekostet hat – obwohl der Bruttolohn bei 25 CHF lag.

Gab es eine Idee beim Vermarkten des Produktes, die besonders gut funktioniert hat?

Wir testen Tag für Tag, welche Vermarktungswege effizient sind und welche eher gemieden werden sollten. Aktuell können wir sagen, dass unsere Arbeit mit Facebook zu guten Resultaten führt. Die konsequente und aufwändige Betreuung der Seite zahlt sich aus und wir bekommen hier viele Leads vor allem aus dem Arbeitnehmer-Bereich.

Sie haben vor Staff Finder bereits Startuperfahrung gesammelt – welche Learnings von da kamen Ihnen zu Gute?

Ja. Ich habe mit einem Freund 2003 meine Eventagentur gegründet. Während mittlerweile fast zehn Jahren konnte ich sehr viel lernen. Vor allem im Bereich der Personalführung sowie der realistischen Einschätzung von Aufwänden im Unternehmeralltag. Es ist unglaublich, wie viel Arbeit gemacht werden muss, die mit dem eigentlichen Core-Business nichts zu tun hat.

Staff Finder ist schnell gewachsen, zuletzt haben Sie von 17 Mitarbeitern gesprochen. Wie managt man solches Wachstum richtig?

Das fragen wir uns Tag für Tag selbst. Ich denke, es ist ein Balanceakt zwischen den Disziplinen des Unternehmertums. In den Wachstumsphasen braucht es eigentlich 300% Arbeit in jedem Bereich. Bisher konnten wir diesen Akt verhältnismässig gut meistern, da wir über unser Netzwerk immer wieder gute Inputs bekommen und die eingesetzten Leute einen super Job machen. Es ist zentral, dass man sich Gedanken dazu macht und Leute in Boot holt, welche unternehmerisches Verständnis mitbringen. Der typische «Ich-habe-nichts-zu-tun-und-warte-also»-Mitarbeiter hat in dieser Phase nichts zu suchen, jeder ist gefordert.

Warum sind Sie Unternehmer geworden und was wäre Ihre Alternative im Berufsleben?

Ich war schon immer ein Unternehmer und bin also in meinen Traumberuf gelandet. Die abwechslungsreiche Arbeit und die Möglichkeit, einen Traum zu Realität werden zu lassen haben mich magisch angezogen. Ich könnte mir heute nicht vorstellen, irgendwo eine Anstellung anzutreten. Falls überhaupt würde ich im Bereich Business Development neue Konzepte und Produkte für einen grossen internationalen Brand entwickeln. Irgendwie also ein Unternehmer im Unternehmen.

Bei welcher Geschäftsidee ärgern Sie sich, dass Sie sie nicht als erster hatten?

Bei jeder erfolgreichen natürlich. Nein. Scherz bei Seite. Es gibt viele interessante Ideen, die ich vorher auch schon mal im Kopf hatte und auch solche die so klar auf der Hand liegen, dass ich mich frage, warum ich die Idee nicht schon vorher hatte. Trotzdem bringt es nichts, sich darüber zu ärgern. Es gibt da draussen mehr als genug zu verbessern und jeder kann sich ein Stück des Kuchens nehmen. Ausserdem bringt Innovation uns alle nach vorne. Was mich jedoch sehr ärgert, sind Leute, die Geschäftsideen kopieren. Ich frage mich, wo der Stolz solcher CopyFirmen-Besitzer bzw. «Unternehmer» ist.

Was ist Ihr Tipp für angehende Gründer?

Beharrlichkeit. Entwickelt eine gute Idee und verbessert sie, verbessert sie, verbessert sie, verbessert sie… bis ihr die Argumente der Kritiker entschärft habt oder das Produkt vom Markt angenommen wird. Marktnähe ist auch ein zentraler Punkt. Leider sehe ich immer wieder unglaublich gute Ideen die scheitern, weil man viel zu spät mit potentiellen Kunden redet. Wie wäre es, wenn man diese schon in der Grobidee-Phase mit potentiellen Kunden bespricht? Ein solcher könnte gleich der erste Kunde sein oder womöglich die ganze Sache finanzieren.

Welches Startup sollen wir als nächstes in dieser Rubrik bringen?

Die Jungs von Ampard machen meiner Meinung nach einen super Job.

 

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2 Kommentare

  1. Das Unternehme und die idee ist spitze, nur sollte man noch ein app machen wenn etwa ein neues angebot online gestellt wird, dass man auch sofort reagieren kõnnte. Da man nicht immer vor dem computer sitzen kann ware das ein grosser Vorteil. Auch man sollte die Homepage so Einrichten, dass man die Neusten Nachrichten Online anschauen kann auf dem Snartphone was ich jetzt nicht kann. Sonst ist man immer zu spåt daran mit dem annehmen.

    • Lustig wie manche Leute glauben, Sie seien die einzigen und ersten auf dem Markt. Und sich ärgern können über Kopieren einer Geschäftsidee. Ein solches System habe ich schon damals im Jahre 2002 erfolgreich eingeführt und unterhalten.

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