Taboobreaker:
Social Entrepreneurship als Spiel

Ein Spiel für den Schulunterricht – mit dieser Idee im Gepäck ist das Social Entrepreneurship Startup Taboobreaker international unterwegs.

Am eben verliehenen Förderpreis von de Vigier kam ein frisch gegründetes Startup in die engere Wahl, welches sich von den dort üblichen Technologie-Gründungen abhebt. Nämlich ein Spiel, das Lehrer im Unterricht für die HIV/Aids-Prävention einsetzen können. «Loveland» stellt interaktive Lernmaterialien bereit, um Jugendlichen das Thema spielerisch näher zu bringen und eben – das Gespräch möglich zu machen.

Karin Stierlins Projekt überrascht gleich zweifach: Taboobreaker kommt zum einen aus dem Social Entrepreneurship (solche Projekte sind bei den grossen Gründerpreisen eine Seltenheit), zum anderen hätte es das Startup fast nicht gegeben.

Zielgruppe: Ich

Die Idee, die selbst erstellten Unterrichtsmaterialien zum verkaufbaren Produkt weiterzuentwickeln, hatte Karin Stierlin nämlich nicht von Anfang an. Den Prototypen fertigte die Präventionsfachfrau und Sexualpädagogin zunächst nur für ihre eigene Arbeit im Klassenzimmer.

Das Pferd hat sie also von hinten aufgezäumt: Zuerst gab es das fertige Produkt, erst später kam die Geschäftsidee. Letzteres ging Schritt für Schritt: 2010 ergab sich nach dem Kontakt mit einer Entwicklungsstiftung die Chance für ein Pilotprojekt in Indonesien. Loveland wurde mit 200 Jugendlichen in Sumatra getestet, in einer eigens übersetzten Version. Nach positiven Erfahrungen zog Karin daraus den Schluss, dass das Spiel auch mit anderen kulturellen Hintergründen funktioniert.

Einstieg in die Selbständigkeit

Das in der ersten Version in Word zusammengebastelte Spiel in einem weiteren Kontext zu sehen, trug zur Entscheidung für ein Startup bei, den Ausschlag habe aber der Kontakt mit der Startupszene gegeben. Gerade nach Besuchen im Hub Zürich reifte der Entschluss, das Projekt grösser aufzuziehen. Karin machte einen Businessplankurs bei Venturelab und begann, sich ins Neuland Selbständigkeit einzuarbeiten.

Dazu gehörte auch Rechtliches, wie etwa der Markenschutz. Ebenso Möglichkeiten für die Produktion. Fündig wurde Karin bei einer Stiftung für Arbeitsintegration, der auch eine Druckerei angeschlossen ist. Hier wird das Spiel nun mit sozialem Mehrwert hergestellt und auch gleich vertrieben – was dem Gründerteam die Logistik abnimmt und ihm den Rücken freihält für Marketing und weitere Entwicklung.

Effektiv gegründet wurde Taboobreaker Anfangs 2012. Mittlerweile hat Karin Stierlin ihre Stelle als Dozentin an der pädagogischen Hochschule Zürich aufgegeben und arbeitet Vollzeit am Startup. Seit März bilden Angel Rengel und Carina Fischer mit Karin das Team von Taboobreaker. Sie unterstützen bei Marketing und Administration sowie dem Design, das für die Vermarktung nochmal aufpoliert wurde.

Unternehmertum bleibt Unternehmertum

Während das Team für das Marketing hierzulande auf das direkte Anschreiben von Schulen setzt, gehe es bei der internationalen Vermarktung meist um das Finden der richtigen Kontakte. Eine Strategie für den Vertrieb steht zwar: Zunächst soll Taboobreaker im deutschsprachigen Raum vermarktet werden, später in einer englischen Version. In Stein gemeisselt sei das jedoch nicht, man müsse flexibel sein und auf Chancen reagieren, so Karin. So ist für dieses Jahr ein weiteres Pilotprojekt angedacht, diesmal in Afrika.

Passend zum Nominierungserfolg bei de Vigier meint Karin, dass sie grundsätzlich ein Zusammenwachsen von Social Entrepreneurship und der übrigen Startupszene sehe. Dass soziales Unternehmertum bisher auf einen eigenen Sockel gesetzt werde, sei überflüssig. Beide müssten vor dem Markt bestehen und viele Startups hätten einen sozialen Impact.

Über weitere Spiele denkt das Team zurzeit nach, wobei noch keines konkret in der Pipeline ist. Anfang 2013 soll aber der nächste Taboobreaker erscheinen. Gleichzeitig wird diskutiert, die bisherigen Brettspiele auch in andere Medien zu übersetzen.

 

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