E-Commerce für Startups:
Alles outsourcen, ausser der Idee

Anlässlich des Swiss E-Commerce Awards haben wir den Branchenspezialisten Thomas Lang gefragt, wo im Onlinehandel Chancen für Startups liegen.

E-Commerce und Startups {mikekline;http://www.flickr.com/photos/mikekline/329178996/;http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en}

E-Commerce und Startups (Quelle: mikekline / CC)

Die gute Nachricht gleich vorab: Es gibt nach wie vor Potential für Innovation, vielleicht sogar mehr denn je. Wer bei Konzeption, Kundenansprache und Umsetzung clevere Ideen und neue Modelle findet, hat trotz der steigenden Anzahl von Anbietern Aussichten auf Erfolg. Entscheidend ist die richtige Nische.

Innovationspotential erschliesst E-Commerce vor allem bei neuartigen Vertriebswegen. Auch bestehende Onlineshops lassen sich ausstechen, sofern man die richtige USP mitbringt.

Vorzeigehändler und ehemaliges Startup Zappos ist dafür ein gutes Beispiel. Mit einem attraktiven Serviceangebot hat Gründer Tony Hsieh den Schuhhandel nachhaltig umgekrempelt.

Der Blick von aussen

Laut Thomas Lang, Geschäftsführer von Carpathia und Initiant des E-Commerce Awards, bieten sich Chancen, wenn neue, motivierte Player unbelastet von althergebrachten Branchenstrukturen an die Sache herangehen. Wer analysiert, wo sich bestehende Anbieter mit Altlasten oder unflexibler Logistik herumplagen, findet Einstiegspunkte für eigene Geschäftsideen. Der E-Commerce eigne sich darum gut für disruptive Konzepte, weil der Handel traditionell von vielen Handelsstufen geprägt war. Ländervertreter, Generalimporteur und so weiter: Hier lassen sich Zwischenschritte gewinnbringend ausschalten.

So erklärt sich auch die ansehnliche Anzahl von Startups, die auf den E-Commerce-Markt drängen. Ein Teil davon geht auf E-Commerce-fokussierte Inkubatoren zurück. Solche sind oftmals weniger innovativ bei den Geschäftsideen, dafür umso mehr bei der Markterschliessung. Hier steht das schnelle Hochziehen von Kopien erfolgreicher Geschäftsmodelle im Vordergrund. Diese werden kapitalintensiv skaliert, um den Firmenwert zu erhöhen und sich vielleicht dereinst einen Exit ans Originalunternehmen vergolden zu lassen.

Bereiche, die demnächst durch neue Onlinehändler verstärkt unter Druck kommen dürften, sind laut Lang der Sport- und Möbelmarkt, sowie der Automarkt. Intelligente Onlineplattformen hätten hier Potenzial.

Alles outsourcen, ausser der Idee

Neue Konzepte wie Drop Shipping sind exemplarisch für den Trend der Spezialisierung im Onlinehandel. Bei diesem Modell hält der Shopbetreiber kein eigenes Lager vor, sondern lässt just-in-time direkt von Lieferanten versenden. Auch sonst: Skalieren ohne grosse Investitionskosten wird einfacher für junge Unternehmen – Experimente sind leichter möglich denn je.

Ein Startup, das in den Onlinehandel einsteigen will, finde deutlich kleinere Hürden vor als noch vor wenigen Jahren, so Lang. Etwa in der Logistik: Amazon beispielsweise bietet diese vom Lager über die Verpackung bis zum Versand als Dienstleistung. Gleichzeitig gibt es mittlerweile standardisierte und kostengünstige Shoplösungen.

Ein aufmerksamer Blick für Lücken im E-Commerce-Ökosystem kann sich ebenfalls lohnen. Als gutes Beispiel für diesen Ansatz nennt Lang das deutsche Startup Einfach-machen-lassen. Das Unternehmen betreibt ein Partnernetzwerk von Service-Technikern, die Technik-Shops für Installationsdienstleistungen zur Verfügung stehen. Ein Versand von Unterhaltungselektronik kann damit ein Servicepaket mitanbieten, ohne selbst zeitintensiv Partner zu suchen.

Das Fazit: Eine Lücke suchen und sich dort breitmachen – mit der richtigen Differenzierung bietet dieses Herangehen gute Chancen für Jungunternehmer.

Swiss E-Commerce Award

Im Rahmen der ONE-Messe wurden gestern die ersten Swiss E-Commerce Awards verliehen. Nominiert waren mit unter anderen bitboard.ch und guzuu.com auch einige Jungunternehmen.

Die Gewinner in den einzelnen Kategorien:

  • B2B Onlineshops: storoshop.ch – Storopack Schweiz AG
  • B2C Onlineshops X-Small: printzessin.ch – Jordi AG
  • B2C Onlineshops Small: vergani.ch – Vinivergani & Co AG
  • B2C Onlineshops Medium: freitag.ch – Freitag lab.ag
  • B2C Onlineshops Large: wog.ch – World of Games GmbH
  • B2C Onlineshops X-Large: zalando.ch – Zalando GmbH

Zudem die Gewinner der folgenden Spezialkategorien:

  • Mobile Shoplösungen: exlibris.ch – Ex Libris AG
  • Social Commerce / Einsatz von Social Media: daydeal.ch – Brack Electronics
  • Visual Effects: freitag.ch – Freitag lab.ag
  • Newcomer Award: pneujoe.ch – Pneu Joe AG

Die komplette Rangliste ist auf der Website des Swiss E-Commerce Awards zu finden.

 

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Ein Kommentar

  1. Dropshipping ist für Startups mit wenig Kapital eine gute Möglichkeit mit dem eigenen Business zu beginnen. Nichts ist schlimmer als Kapital, das Tod im Regal liegt.

Ein Pingback

  1. [...] am 12. Mai 2012 in E-Business, E-Commerce Im Rahmen des Swiss E-Commerce Award habe ich den Kollegen von Startwerk ein Interview gegeben, wo die Chancen im E-Commerce generell und für Startups generell sind. Die [...]

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