Lean Startup Factory:
Prototyp statt Businessplan

Ein gelungener Einstand für die Lean Startup Factory: Die Teilnehmer präsentierten nach 48 Stunden Konzeption und Programmierung zwei frischgebackene Webstartups.

Lean Startup Factory (zvg)

Lean Startup Factory (zvg)

Die Lean Startup Factory ist die Techie-Variante der Startup Weekends: Statt «nur» eines Businessplan ist das Resultat des Gründer-Wochenendes gleich ein funktionierendes ICT-Produkt – zumindest als Protoyp.

Entsprechend gesucht waren neben dem üblichen Publikum mit Wirtschaftshintergrund vor allem IT-Entwickler und Designer. Um das Ziel eines vorzeigbares Ergebnisses zu erreichen, lag der Fokus ausserdem klar auf der Methode Lean Startup: schlank sollten die Projekte sein und auf das funktionale Minimum beschränkt (MVP).

Initiiert haben das Projekt Marcus Kuhn von connex.io und Supertext-Gründer Remy Blättler, die nötige Location im Technopark Zürich wurde vom IFJ gesponsert. Die Initianten verstehen ihre Veranstaltung als Ergänzung zu den bestehenden Startup Weekends.

Vom Tram zum Trading

Los gings am Freitagabend. Hier hatten alle Teilnehmer die Gelegenheit, ihre Ideen während dreier Minuten vorzustellen. Acht Projekte wurden gepitcht: ein verbesserter Scrum-Prozess, Trading auf Facebook, ein «Tram-Reminder», eine Kontaktapp für Zugfahrten, eine Webplattform für die Suche nach Sammlerstücken, ein Taskrabbit-Klon, eine Plattform um übrig gebliebene Nahrungsmittel effizienter zu verteilen und eine Online-Coaching-Seite für Geldfragen.

Das Rennen machten der von Amazee-CTO Michael Schmid vorgestellte Tram-Reminder, der nach einer Idee von Christian Leu bereits am Opendata-Hackathon erste Schritte gemacht hatte und Trading auf Facebook, das von merge.rs-Gründer Alan Frei gepitcht wurde.

Am Samstag machten sich rund 15 Teilnehmer in zwei Teams an die Arbeit. Am Sonntagabend standen funktionierende Applikationen parat:

Gottago: Ein webbasiertes Tool, das das Herumstehen an der Tram- oder Bushaltestelle eliminieren möchte. Das Problem ist bekannt: Man weiss schon, welches Tram oder welchen Bus man nehmen möchte und mag darum nicht noch in der Fahrplan-App die Abfahrtszeit nachschlagen. Wenn man sich aber einfach auf den Weg macht, steht man sich vielleicht unnötig die Beine in den Bauch. Das Tool kümmert sich um dieses Problem, indem man hier erfährt, in wievielen Minuten man idealerweise losmarschiert um pünktlich an der Haltestelle einzutrudeln. Damit das Nachschlagen künftig schnell von der Hand geht, kann man seine Standardverbindungen auf der Site hinterlegen, so dass ein Aufruf der Seite genügt.

Neben der Website entstanden am Wochenende auch Webseiten-Texte und Marketingideen, unter anderem für ein Promovideo.

Toptraders: Eine Facebook-App, die von A bis Z während des Wochenendes entstand. Mit der Spiele-App kann sich jeder Nutzer mit den Trading-Profis am Paradeplatz messen. Beim Start erhält man ein Anfangskapital an Spielgeld: 100’000 Top-Dollars, mit denen Aktien zu den realen Börsenkursen gekauft werden können. Damit lässt sich ein Investmentportfolio zusammenbasteln, mit dem Nutzer spielerisch in die Bankerrolle schlüpfen und durch kaufen und verkaufen das eigene Startgeld vermehren oder halt in den Sand setzen können.

Nun soll die App bekannt gemacht werden, die Rede ist von einer Guerilla-Kampagne mit dem Claim «We scare bankers!».

Eine Fortsetzung der Lean Startup Factory ist laut Organisator Marcus Kuhn bereits so gut wie sicher, sie könnte bereits 2012 stattfinden. Wie es mit den beiden Startupprojekten weitergeht und ob die Teams diese weiterverfolgen, wird sich zeigen.

 

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