H-Farm:
Interessantes Inkubator-Modell
aus Italien

Begleitung von der Idee übers Investment bis zum Exit: Warum die Idee von H-Farm nachahmenswert ist.

Der italienische Startup-Inkubator H-Farm geht neue Wege. Bei H-Farm müssen Startups mehrere Stufen durchlaufen, während sie bereits erste Finanzspritzen erhalten und vom Inkubator-Netzwerk und -Know-How profitieren. Erst nach erfolgreich überstandener Anfangsphase wird richtig investiert.

Durch den engen Kontakt zum Startup während seines gesamten Lebenszyklus hoffen die H-Farm-Gründer Ricardo Donadon und Maurizio Rossi, ein grosses Problem zu lösen, dem sich italienische Startups gegenüber sehen: pro Kopf investieren Italiener im Schnitt 1$ in Startups (zum Vergleich: Grossbritannien 39$, Schweiz 69$), so das Ergebnis einer Studie von Verve Capital Partners. Die verfolgen mit investiere.ch ein eigenes Konzept, das wir hier vorgestellt haben.

Der Ablauf eines Investments bei H-Farm

Wie sieht der Investment-Ablauf bei H-Farm nun aus?

  • Gründer bewerben sich bei H-Farm (2011: 600 Bewerbungen, sechs Startups wurden ausgewählt).
  • Die Sieger der ersten Auswahlrunde erhalten 30’000 Euro und die Möglichkeit, ein Büro zu mieten und den H-Farm-Service zu nutzen (Dinge wie Rechtsberatung, Buchhaltung und Webhosting).
  • Nach einigen Monaten werden die Startups erneut geprüft – die besten erhalten nun Investments des mit 10 Millionen Euro dotierten H-Farm-VC-Fund und ziehen in grösseren Gebäude um.
  • Nach einigen Jahren strebt H-Farm bei seinen Startups aktiv den Exit an, entweder per IPO oder durch Verkauf an eine grosse Firma – und pflegt entsprechende Verbindungen.

Um die ganzen Büros und Gebäude vorzuhalten, sieht H-Farm derzeit eher wie eine Immobilienfirma aus: mehrere Hektar Land mit Bürowürfeln und umgebauten Scheunen. Im Bau sind momentan die Büros für den Startup-Inkubator, die VC-Firma, ein Trainingszentrum für die angehenden Entrepreneure und natürlich haufenweise Meeting-Räume. Es gibt eine Cafeteria, und weil das Gelände ausserhalb der Stadt liegt, sind künftig sogar Unterkünfte angedacht. In der Nähe liegen die Universitäten von Trento, Padua und Venedig mit ihren Absolventen, wissenschaftlichen Ausgründungen und Firmen. Bislang sind die erfolgreichen Investments gut verteilt von Hardware über professionelle Dienstleistungen bis zu Social Media-Web-Firmen.

Fazit

H-Farm versucht, die gesamte Pipeline abzudecken: von der Idee übers Investment bis zum Exit. Ich finde diesen Ansatz interessant. Das zweigeteilte Investment-Modell, in dem sich die Startups längere Zeit unter den Fittichen von H-Farm befinden und miteinander im Wettbewerb stehen, um die nächste, grössere Investment-Runde zu erreichen, gleichzeitig aber auch vom Mit- und Nebeneinander profitieren. Die Büros sehen gut aus, soweit haben die Gründer von H-Farm ihre Hausarbeiten gemacht. Ob die Lage auf dem Land wirklich hilft, da will ich mich nicht festlegen. Aber immerhin sollte es so weniger Ablenkung und mehr Ruhe zum Arbeiten geben.

Zwar versuchen Inkubatoren und Investoren, ihre Erfolge zu planen. Aber machen wir uns nichts vor: am Erfolg von Innovationen finanziell zu partizipieren ähnelt immer noch einem Glücksspiel. Nur mit besseren Bedingungen steigen die Chancen. H-Farm versucht unter anderem durch enge Begleitung, diese weiter zu verbessern. Wenn wir mehr Innovation wollen, brauchen wir mehr Inkubator-Konzepte wie das von H-Farm. Wer darauf nicht warten mag, kann sich ja beim Original in Italien bewerben. Ist nur einen Katzensprung entfernt.

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2 Kommentare

  1. Jan König
    schrieb am 22. Februar 2012 um 11:29 Uhr (#)

    “Strebt aktiv den Exit an” – Das sollte meiner Meinung nach nicht das Hauptziel eines nachhaltigen Startups sein. Ansonsten nettes Modell.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Gregor Gross
    schrieb am 22. Februar 2012 um 12:34 Uhr (#)

    @Jan: Der Satz meint auch was anderes: H-Farm strebt aktiv den Exit an. Nicht die Gründer, die können machen, was sie wollen.

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