Bootstrapping-Serie:
Es geht auch mit wenig Startkapital

Im aktuellen Startup-Diary berichtet Gaby Stäheli von ihren Erfahrungen, ein Cash-flow-orientiertes Unternehmen ressourcenschonend zu gründen.

von Gaby Stäheli, Gründerin gryps.ch

Startup-Diary von Gaby Stäheli

Startup-Diary von Gaby Stäheli

Der Begriff Bootstrapping wird in letzter Zeit in der Startup-Szene fast etwas überstrapaziert und in allen möglichen Zusammenhängen verwendet.

Ich lehne mich da eher an die Definition von Wikipedia:

Bootstrapping in business is to start a business without external help/capital. Startups that bootstrap their business fund development of their company through internal cash flow and are cautious with their expenses.

Genau das haben wir beim Aufbau von GRYPS Offertenportal getan. Dass es dafür einen eigenen Begriff gibt habe ich erst später erfahren. Es ging darum, mit eigenen Mitteln und ohne externe finanzielle Hilfe unser Startup aufbauen und bereits von Beginn an auf ein Cash-Flow-orientiertes Geschäftsmodell zu setzen. Entsprechend vorsichtig müssen wir mit den Ausgaben umgehen. Die eigenen Erfahrungen aus dem ersten Jahr GRYPS ermöglichen uns zudem, den Unternehmen weiterzuhelfen, welche tagtäglich auf unsere Plattform kommen um den geeigneten Anbieter für eine Dienstleistung oder ein Produkt zu finden.

Zugegeben, anfangs wäre es schön gewesen gleich aus dem Vollen zu schöpfen und nicht jeden Franken zweimal umdrehen zu müssen.  Andererseits waren wir gezwungen immer und überall sofort die Effizienz und Wirksamkeit einzelner Massnahmen, vor allem im Marketing-Umfeld genauestens zu prüfen.

Hier einige unserer Learnings zum Start ohne grosse finanzielle Möglichkeiten:

  • Alten Job nicht zu früh kündigen: Viele Startups haben das Problem, dass es zu lange dauert, bis sie von Ihrem neuen Business leben können. Daher solange wie möglich noch im alten Job bleiben, wenn möglich mit reduziertem Pensum. Wir haben auf diese Art unsere Plattform entwickelt und haben erst zum Launch unsere alten Jobs aufgegeben. Die Vorphase ging zwar einige Monate länger, aber wir waren so zumindest noch so lange wie möglich finanziell abgesichert.
  • Marketing zum Nulltarif: Besorgt Euch einen Presseverteiler einer befreundeten Firma. Gerade zum Start habt Ihr zwei News, die oft abgedruckt werden: Kurze persönliche Presseinfo: „XY verlässt Firma YZ und startet neu“ – wird sehr oft abgedruckt, wenn die alte Firma bekannt ist. Und dann natürlich die eigentliche Ankündigung des neuen Produkts oder Services. Versucht in Newsletter oder Hauszeitschriften befreundeter Firmen hineinzukommen. Grundsätzlich sollte nur dort Marketing-Geld ausgegeben werden, wo die potentiellen Kunden möglichst zielgenau angesprochen werden können, z.B. über die Online-Suche (SEO/SEM). Print-Inserate erst dann schalten, wenn genügend Geld für eine längerfristige, sich wiederholende Kampagne vorhanden ist.
  • Solltet Ihr eine AG gründen, so heisst dies nicht zwangsläufig, dass es dazu einen teuren Anwalt braucht. Lasst Euch erst einmal von einem Startup-Inkubator oder Coach beraten. Diese haben sehr oft auch gute Vertragsvorlagen für Aktionärsbindungsverträge und Ähnliches vorliegen. Wichtig ist hier vor allem, dass man auch wirklich versteht, was dort drin steht. Ebenfalls gut zu wissen: Notariatskosten unterscheiden sich von Kanton zu Kanton massiv. Dies lässt sich ausnutzen, denn das Notariat kann frei gewählt werden.
  • Auch für Infrastruktur kann sehr viel Geld ausgegeben werden. Wir setzen hier konsequent auf Cloud Computing und bis auf eine Ausnahme (CRM: salesforce.com) auch auf OpenSource. Wir betreiben auch keinen eigenen Server sondern nutzen einen gemeinsamen Onlinespeicher (Wuala).
    In der Rubrik Startup-Diary schildern Jungunternehmer wöchentlich, mit welchen praktischen Problemen sie in ihrem Gründeralltag konfrontiert werden und welche Lösungsansätze sie gefunden haben.
    So können wir von überall her arbeiten. Auf ein gemeinsames Büro wollten wir trotzdem nicht verzichten, weil uns die persönliche und direkte Kommunikation sehr wichtig ist und einen der zentralen Werte unserer Firma darstellt. Hier haben wir uns eine Stiftung gesucht, die uns die Infrastruktur der ersten beiden Jahre zur Verfügung stellt.

Natürlich kann noch in vielen anderen Bereichen gespart werden, wie z.B. Telefonie, Buchhaltung, Briefschaften, Logo, Büroräumlichkeiten und Infrastruktur. Gerne teilen wir unsere Erfahrung mit Euch. Kontaktiert uns einfach oder stellt eine Offertenanfrage bei gryps.ch! Wir finden sicher einen passenden und günstigen Anbieter für Euch.

 

Mehr lesen

Die Prämie für den Startup-Erfolg: Das Einmaleins der Mitarbeiterbeteiligung

3.4.2013, 2 KommentareDie Prämie für den Startup-Erfolg:
Das Einmaleins der Mitarbeiterbeteiligung

Mitarbeiterbeteiligungen gehören nicht nur im Silicon Valley zum guten Ton. Wir werfen einen Blick auf das Konzept, mit dem Startup-Gründer ihre Mitarbeiter langfristig motivieren wollen.

Quote 39 zu eins: venture kick gibt Einblick  in aktuelle Zahlen

31.1.2013, 0 KommentareQuote 39 zu eins:
venture kick gibt Einblick in aktuelle Zahlen

Risiken eingehen: Das tun nicht nur Jungunternehmer, sondern auch Förderinitiativen. Wie die Bilanz bei venture kick aussieht, zeigt der neue Jahresreport.

Auf der Suche nach Geld: Tipps für die Investorensuche

12.11.2012, 0 KommentareAuf der Suche nach Geld:
Tipps für die Investorensuche

Die Geschäftsidee ist da, aber das Geld fehlt? Wir haben eine Checkliste zusammengestellt, die erste Anhaltspunkte für die Suche nach Finanzierung liefert.

Startup-Veranstaltungen im April: Failcon, Finanzierungs-Einmaleins, Tipps zur Markenrecherche

27.3.2013, 0 KommentareStartup-Veranstaltungen im April:
Failcon, Finanzierungs-Einmaleins, Tipps zur Markenrecherche

Unser monatliches Service-Posting zu aktuellen Veranstaltungen. Handverlesene Hinweise auf Events und Kurse, die sich für Startups eignen.

Unternehmen aus der Werkstatt: Der Trend zur Venture Production

7.3.2013, 0 KommentareUnternehmen aus der Werkstatt:
Der Trend zur Venture Production

Wir erleben eine Industrialisierung der Startupszene. Company Building heisst das Zauberwort: immer mehr Startups kommen aus spezialisierten Startup-Schmieden. Verstecktes Vorbild ist Hollywood.

Einzelkämpfer vs. Teamstartups: Solo oder im Team gründen?

7.2.2013, 2 KommentareEinzelkämpfer vs. Teamstartups:
Solo oder im Team gründen?

Haben Sologründer eine Chance oder sollten sie von Beginn an ein Team ins Boot holen? Wir schauen uns die Pros und Contras an.

Ein Blick nach Osten: Indien für Startup-Gründer

22.5.2013, 0 KommentareEin Blick nach Osten:
Indien für Startup-Gründer

Heilige Kühe, Bollywood, Cricket? Ja, aber auch IT-Hotspots. Eine Roadshow wirbt für Indien als Destination für Startups und KMU.

«Vorbilder sind nicht so mein Ding»: 9 Fragen an Samuel Mäder  von Gonnado

21.5.2013, 0 Kommentare«Vorbilder sind nicht so mein Ding»:
9 Fragen an Samuel Mäder von Gonnado

Question Time: Regelmässig stellt sich ein Startupper unserer Fragerunde. Diesmal Samuel Mäder, Mitgründer der Freizeitplattform Gonnado.

Durch dick und dünn: Freundschaft und Gründung – gute Idee oder tickende Zeitbombe?

4.3.2013, 0 KommentareDurch dick und dünn:
Freundschaft und Gründung – gute Idee oder tickende Zeitbombe?

Startup-Gründung mit Freunden: Gute Idee oder potentielles Disaster? Unsere Gastautoren haben es gewagt und wissen, wo die Risiken liegen.

Unternehmen aus der Werkstatt: Der Trend zur Venture Production

7.3.2013, 0 KommentareUnternehmen aus der Werkstatt:
Der Trend zur Venture Production

Wir erleben eine Industrialisierung der Startupszene. Company Building heisst das Zauberwort: immer mehr Startups kommen aus spezialisierten Startup-Schmieden. Verstecktes Vorbild ist Hollywood.

Rückblick: Die beliebtesten  Startup-Geschäftsfelder 2012

10.1.2013, 5 KommentareRückblick:
Die beliebtesten Startup-Geschäftsfelder 2012

Gibt es Trendthemen in der Schweizer Startup-Szene? Wir machen uns auf die Suche und wagen einen Blick zurück ins abgelaufene Jahr.

Kooperationen: SBB suchen Kontakt zu Startups

9.1.2013, 2 KommentareKooperationen:
SBB suchen Kontakt zu Startups

Die SBB wollen mit Startup-Hilfe innovativer werden. Mit einem Coworking Space in Zürich sollen Gründer für Kooperationen gewonnen werden.

Recht für Startups: Kosten bei der Gründung

7.9.2011, 6 KommentareRecht für Startups:
Kosten bei der Gründung

AG, GmbH, gründen mit oder ohne Sacheinlage - was für Kosten fallen da an? Unser Gastautor erklärt, womit man rechnen muss.

Professionelle Buchhaltung für Startups: Je früher, desto besser.

24.8.2011, 2 KommentareProfessionelle Buchhaltung für Startups:
Je früher, desto besser.

Wer ein Startup gründet, wird getrieben vom Feuer für sein Produkt - die Buchhaltung kann da rasch zur mühsamen Bürokratie werden. Sie früh auszulagern spart darum eine Menge Nerven.

MySwissChocolate: E-Commerce-Startups und  die Tücken des Exportgeschäfts

17.8.2011, 12 KommentareMySwissChocolate:
E-Commerce-Startups und die Tücken des Exportgeschäfts

Zoll, Gebühren, Währungskrise: Unser Gastautor gibt einen Einblick in die Alltagsschwierigkeiten exportorientierter Unternehmen.

Es geht auch ohne mich: Vom Loslassen als Gründer

18.3.2013, 1 KommentareEs geht auch ohne mich:
Vom Loslassen als Gründer

Das Klischee sagt, dass ein Startup-Gründer rund um die Uhr für seine Firma verfügbar sein muss. Unser Gastautor erklärt, weshalb er damit nicht einverstanden ist und wie er als Gründer loszulassen versucht.

Kein «one size fits all»: Personalisierte Pitches bringen mehr

3.1.2013, 2 KommentareKein «one size fits all»:
Personalisierte Pitches bringen mehr

Im aktuellen Startup-Diary schreibt unser Gastautor über die Erkenntnis, dass jede Pitchgelegenheit Gold wert ist und die Erklärung des eigenen Startups stets zum Gegenüber passen sollte. Den einen, idealen Pitch gibt es nicht.

Von der Flirtplattform zur Plauderecke: Spocals Evolution anhand von Zahlen

7.8.2012, 0 KommentareVon der Flirtplattform zur Plauderecke:
Spocals Evolution anhand von Zahlen

Unser Gastautor gibt einen Einblick in die Kernzahlen des Webstartups Spocal und erklärt, wie die Gründer Designentscheidungen anhand auf der Basis von Daten treffen.

Es geht auch ohne mich: Vom Loslassen als Gründer

18.3.2013, 1 KommentareEs geht auch ohne mich:
Vom Loslassen als Gründer

Das Klischee sagt, dass ein Startup-Gründer rund um die Uhr für seine Firma verfügbar sein muss. Unser Gastautor erklärt, weshalb er damit nicht einverstanden ist und wie er als Gründer loszulassen versucht.

Kein «one size fits all»: Personalisierte Pitches bringen mehr

3.1.2013, 2 KommentareKein «one size fits all»:
Personalisierte Pitches bringen mehr

Im aktuellen Startup-Diary schreibt unser Gastautor über die Erkenntnis, dass jede Pitchgelegenheit Gold wert ist und die Erklärung des eigenen Startups stets zum Gegenüber passen sollte. Den einen, idealen Pitch gibt es nicht.

Fehler, Erfolge, Widerstände: Lessons learned von mySwissChocolate

9.1.2012, 1 KommentareFehler, Erfolge, Widerstände:
Lessons learned von mySwissChocolate

Unser Gastautor schreibt über seine grössten Fehler, Erfolge, und welche Steine die Konkurrenz seinem Startup in den Weg legt.

3 Kommentare

  1. Interessante Tipps, vielen Dank. Eine Übersicht über die Notariatsgebühren wäre noch interessant.

    • @Stefan:
      Eine komplette Aufstellung haben wir leider nicht, aber wir hatten vor einem Jahr folgende Kantone angefragt:
      Katon St. Gallen ca. 800.– CHF
      Kanton Glarus ca. 350.– CHF
      Kanton Zürich ca. 550.– CHF
      Kann natürlich sein, dass sich das inzwischen geändert hat.

    • Danke Gaby für dein schnelles Feedback. Das sind schon beträchtliche Unterschiede. Da lohnt sich ein Vergleich definitiv!

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder