Pro und Contra der Preseed-Starthilfe:
Ist HackFwd ein schlechter Deal?

Xing-Founder Lars Hinrichs hat ein Finanzierungsprogramm für Geek-Startups aufgelegt. Wir fragen, für welchen Gründertyp es sich eignet.

Mit einem einzelnen Tweet und einem Rundschreiben an sein Netzwerk hat letzte Woche Xing-Mitgründer Lars Hinrichs HackFwd lanciert – und dabei vorgemacht, wie man in einer international besonders gut vernetzten Community Buzz generieren kann: Die Berichte überschlugen sich, 100’000 Website-Besucher innerhalb eines Tages. Das darf als Erfolg verbucht werden.

Ist der Hype berechtigt und wenn ja, für wen eignet sich das Programm?

Zum Überblick: Die Investorenriege hinter HackFwd bietet Venture-Kapital-Beteiligungen in einem frühen Stadium. Das Modell von HackFwd ist dabei bewusst einfach gestaltet: Gründer erhalten ein Jahr Gehalt und Support für die Entwicklung ihres Produkts. Dafür bekommt HackFwd eine 30-prozentige Beteiligung am Unternehmen, von denen drei Prozent weitergereicht werden können. Ein paar Bedingungen kommen hinzu, so muss spätenstens am Ende des Jahres etwas lauffähiges da sein, Copycats sind explizit ausgeschlossen. Im Gegenzug versprechen die Investoren, den Gründern den Rücken freizuhalten. Zusätzlich zum Gehalt erhalten sie Expertise und Dienstleistungen: Finanzbuchhaltung, Rechtliches und Marketing werden ihnen durch HackFwd – zumindest teilweise – abgenommen. Coaching ist fester Bestandteil des Deals.

Geeks im Visier

Das Angebot ist laut HackFwd-CEO Hinrichs auf die Bedürfnisse von IT-lern ausgerichtet. “Europe’s most passionate geeks” soll die Preseed-Finanzierung anziehen.  Offensichtlich ist man darauf fokussiert, mit viel Commitment eine langfristig glaubhafte Marke aufzubauen, mit der man bei Techies einen Sympathievorsprung hat. Gerade die Idee, den “Geeks”, die HackFwd so gern als seine Zielgruppe nennt, alles abzunehmen was sie vom Coding abhalten könnte geht in diese Richtung. Genauso dazu gehören das aufwändig gestaltete Corporate Design und der kleine Seitenhieb aufs Bootstrapping im Flowchart, der auch auf Anbiederung via Hitchhiker’s-Guide-Referenz nicht verzichten kann.

Der Dienst hat seinen Preis. 70 Prozent der Firma behalten der einzelne Gründer oder das Gründerteam für ein Jahr Gehalt. Zum Vergleich: Pre-Seed-Programme wie Y-Combinator, Seedcamp oder Techstars bleiben unter zehn Prozent in ihren Beteiligungen, wobei sie aber auch weniger Geld einbringen. Das bedeutet, dass die Gründer bei HackFwd bereits vor einer ersten Finanzierungsrunde einen knappen Drittel ihres Unternehmens abgeben, was die Verwässerung des Eigenkapitals später deutlich erhöht. Weitere Finanzierung wird ausserdem komplett von der Einschätzung der Leute bei HackFwd abhängen. Kein Investor dürfte sich beteiligen, ohne vorher bei HackFwd durchzuklingeln und zu fragen ob man dort weiteres Kapital auflegen würde.

Der Wert des Know-Hows

Natürlich hat die Beteiligungs-Medaille auch eine zweite Seite: Je mehr Geld Investoren in ein Startup hinein gesteckt haben, desto grösser ist ihr Anreiz, diesem zum Erfolg zu verhelfen. Oder wie Saul Klein von Seedcamp mal gesagt hat: “The more skin they have in the game, the more motivated they are going to be to support you.” Der Wert von Expertise und Netzwerken von Tech-Investoren ist nicht zu unterschätzen.

Ein einjähriges Gehalt plus der Dienstleistungen wird aber für verschiedene Teams unterschiedlich wertvoll sein. Wenn man durch die administrative Unterstützung zum Beispiel kein zusätzliches Teammitglied von Aussen ins Startup holen muss, kann sich das unter dem Strich durchaus rechnen. Gleichzeitig heisst das aber, dass man damit zu einem gewissen Grad wohl jemanden ins Boot gesetzt bekommt, mit dem man auf täglicher Basis zu tun hat.

Aus diesen Gründen sollte man sich reiflich überlegen, ob HackFwd etwas für das eigene Startup ist. Gerade in der Schweiz gibt es viele alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Förderpreise und institutionalisierte Inkubatoren, die einiges von HackFwds Diensten auch anbieten. Und das obenerwähnte Bootstrapping ist gerade für IT-ler trotz aller Unkenrufe eine gute Möglichkeit für den Start. Schliesslich reicht ein Informatikergehalt hierzulande auch bei einem 50%-Pensum locker zum überleben. Das Startup in der Anfangsphase als Nebenjob anzuschauen sorgt so dafür, dass die Firma einem am Schluss noch gehört.
Also: Wer einfach entwickeln möchte und mit den unternehmerischen Aufgaben eines Startups wenig am Hut hat, für den ist HackFwd wohl zu empfehlen. Dabei müssen aber frühe Einflussnahmen, im Guten wie im Schlechten, in Kauf genommen werden. Wen hingegen das Unternehmerische interessiert und wer zumindest vorerst die volle Kontrolle behalten möchte schaut sich lieber anderswo um.

Zu sehen, wie gut das Modell von HackFwd sich in der Praxis bewährt und was für Erfahrungen die ersten Startups damit machen, dürfte interessant werden. Die zentrale Frage ist, wieviel die Dienstleistungen von HackFwd wert sind – und ob man ein Unternehmertyp ist oder sich lieber auf die reine Geekrolle reduziert.

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