Der Schritt zur Gründung:
Welchen Firmenmantel überziehen?

Eine Firmengründung mit allen rechtlichen Konsequenzen schützt unter anderem vor bösen Überraschungen im Fall eines Konflikts unter den Gründern. Aber wie findet man die richtige Form?

Von Priska Schoch, Gyps Offertenportal

Nachdem die Idee stand, ging es sofort ans Umsetzen: Wir haben am Businessplan gefeilt, Investitionen getätigt und sehr viel Zeit investiert. Alles ohne Bezahlung, Vergütung und rechtlichen Rahmen.

Auf die Länge ist das jedoch kein Zustand und führt garantiert zu Auseinandersetzungen. Deshalb wollten wir uns möglichst bald einen wärmenden Firmenmantel umlegen: Neben der rechtlichen Absicherung war es für uns zudem wichtig als seriöse, im Handelsregister eingetragene Firma, ersichtlich zu sein. Dies scheint uns als Firma mit internet-basierendem Geschäftsmodell besonders wichtig.

Der Entschluss war da, nun stellte sich die Frage nach der passenden Gesellschaftsform:

AG oder GmbH?

Um für zukünftige Investoren attraktiv zu sein, musste es eine AG sein. Investoren beteiligen sich nur an einer AG, einerseits um anonym bleiben zu können, aber auch wegen der administrativen Abwicklung. Es ist bei einer AG viel einfacher, bestehende Aktionäre auszuscheiden und neue aufzunehmen, als bei einer GmbH.

In der Rubrik Startup-Diary schildern Jungunternehmer wöchentlich, mit welchen praktischen Problemen sie in ihrem Gründeralltag konfrontiert werden und welche Lösungsansätze sie gefunden haben.
Auch eine GmbH hat natürlich ihre Vorteile. Auf www.gruenden.ch fand ich eine Liste mit allen Vor- und Nachteilen der verschiedenen Gesellschaftsformen, auf deren Basis wir uns entscheiden konnten.

Die AG zu gründen war dann vor allem eine Zeit- und Fleisssache. Es braucht schon mehrere Stunden Arbeit, sich soweit in die Thematik zu vertiefen, um die AG-Gründung selbst durchzuführen. Auf jeden Fall aber sollte man sich entweder von Fachleuten beraten lassen oder von befreundeten Unternehmern, die bereits selbst AG Gründungen durchgeführt haben.

Folgende Dokumentationen müssen für die AG-Gründung zusammengestellt werden, für welche auf www.gruenden.ch unter Muster und Vorlagen und unter www.hra.zh.ch ausführliche Beispiele zu finden sind:

  • Gründungsbericht
  • Statuten
  • Stampa Erklärung
  • Lex-Friedrich Erklärung
  • KMU Verzichtserklärung (wenn Revisionsstelle nicht benötigt wird)
  • evt. AG Wahlannahme für den Verwaltungsrat, kann aber auch in den Statuten beschrieben werden

Die grösste Arbeit gab das Aufsetzen der Statuten. Diese sollten aber so oder so selber aufgesetzt und durchdacht werden. Es ist sehr wichtig, dass sich alle Aktionäre über die Statutenpunkte einig sind, zum Beispiel: was ist das eigentliche Geschäftsziel, will man Einzel- oder Kollektivunterschrift, wie wird der Verwaltungsratspräsident gewählt, wie lange soll er im Amt bleiben, etc. Die Vorlagen auf den beiden Websites führen einen Punkt für Punkt durch.

Zudem haben wir uns entschlossen, einen Aktionärsbindungsvertrag aufzusetzen. Dieser enthält zusätzliche Richtlinien, wann und wie Aktien verkauft werden dürfen, wie neue Aktionäre aufgenommen werden, etc. Damit wollten wir sicherstellen, dass wir so heikle Themen wie Aktionärausstieg, Entlassung, etc. durchgesprochen haben, immer in der Hoffnung, bei einem möglichen Konflikt doch ein klein bisschen darauf vorbereitet zu sein.

Neben den obigen Websites habe ich mich nicht gescheut, die guten Infos von unserem Coach zu nutzen und Freunde, welche schon eine AG haben, anzufragen.

Vernetzen spart einem eben oft die teuren Beratungskosten! Wer sich allerdings mit dieser Thematik eher schwer tut und kein Hochgefühl bei der selbständigen Grüdung einer AG erlebt, dem empfehle ich, sich einen guten Treuhänder zu nehmen, der die Gründung in kurzer Zeit durchführt.

Mehr lesen

Interview mit Daniel Gutenberg: «Ich habe Lars Hinrichs ausgelacht»

1.2.2012, 0 KommentareInterview mit Daniel Gutenberg:
«Ich habe Lars Hinrichs ausgelacht»

Daniel Gutenberg ist erfolgreicher IT-Unternehmer, Investor und wurde 2011 zum «Business Angel of the Year» gekürt. Er spricht über gute Businesspläne, verpasste Chancen und Startups aus Israel.

Businessplan umbenennen: Planen bedeutet raten

15.9.2011, 0 KommentareBusinessplan umbenennen:
Planen bedeutet raten

Unsicherheiten gehören für Startups zum Alltag, damit auch die ständige Ungewissheit des Künftigen. Ein Plädoyer fürs Planen ohne Businessplan.

Startup-Glaubenssätze: \

3.8.2011, 0 KommentareStartup-Glaubenssätze:
"Es gibt kein Risiko beim Gründen"

Um erfolgreich ein Startup zu gründen, bedarf es nicht unbedingt Millionen an Risikokapital und umfangreiche Businesspläne. Ein alternativer Ansatz erfordert nicht nur weniger Mittel, sondern beinhaltet im Prinzip keinerlei Risiko.

Firmengründung: Kann man als Ausländer  in der Schweiz gründen?

14.5.2012, 1 KommentareFirmengründung:
Kann man als Ausländer in der Schweiz gründen?

Startups mit ausländischem Pass: Der neue Ratgeber zu rechtlichen Fragen dreht sich ums Gründen ohne Schweizer Staatsangehörigkeit.

Recht für Startups: Verein als Rechtsform für  Startup-Projekte?

17.4.2012, 0 KommentareRecht für Startups:
Verein als Rechtsform für Startup-Projekte?

Unter welchen Bedingungen eignet sich die Rechtsform Verein für (gemeinnützige) Startups? Unser Gastautor klärt auf über mögliche juristische Stolpersteine.

«Verlieb dich nicht in die eigene Idee»: 9 Fragen an Fabio Carlucci vom  Design Thinking Startup

12.3.2012, 0 Kommentare«Verlieb dich nicht in die eigene Idee»:
9 Fragen an Fabio Carlucci vom Design Thinking Startup

Kurze Fragen, kurze Antworten – jede Woche stellt sich ein Startupper unserer Fragerunde. Diesmal mit dem Mitgründer des Design Thinking Startup.

Problem Analyse-Paralyse: Gründen mit oder ohne Geld?

9.5.2012, 1 KommentareProblem Analyse-Paralyse:
Gründen mit oder ohne Geld?

Boostrapping oder Investorensuche? Keine Frage mit eindeutiger Antwort.

Lean-Startup-Erfinder Eric Ries im Interview: «You can launch right now»

25.4.2012, 0 KommentareLean-Startup-Erfinder Eric Ries im Interview:
«You can launch right now»

Seit kurzem gibt es die Lean-Startup-Philosophie auch in Buchform. Wir haben mit dem Autor Eric Ries über das Lean-Prinzip gesprochen, das inzwischen auch ein Startup Weekend in Zürich inspiriert hat.

Guy Kawasaki: Gute Ideen für den Start

23.1.2012, 0 KommentareGuy Kawasaki:
Gute Ideen für den Start

Guy Kawasakis «The Art of the Start» ist eines der beliebtesten Gründer-Bücher. Wir fassen die fünf Kernpunkte zusammen.

2 Kommentare

  1. Dorothee
    schrieb am 7. Februar 2011 um 11:34 Uhr (#)

    Tönt ganz schön kompliziert…Muss mir das wohl noch zweimal überlegen.
    Habt ihr Tipps zu der Vernetzung?

  2. Priska Schoch
    schrieb am 14. Februar 2011 um 22:48 Uhr (#)

    es ist gar nicht sooo kompliziert. Aber wenn einem das Thema überhaupt nicht liegt, dann ist es ratsam, die Finger davon zu lassen und es einem Treuhänder zu übergeben. In der gewonnen Zeit holt man dann vielleicht um so mehr Umsatz herein. Man kann sich auch mit uns vernetzen, wir helfen jedem Startup immer gerne. Hilfreich sind auch die Events von IFJ, StartZentrum und XING – siehe StartZ Events. Dort lernt man viele andere KMU mit gleichen Fragen kennen und findet oft Hilfe. Treuhänder suchen kann man kostenlos über http://www.gryps.ch. Good luck!

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.