Cmsbox:
Webentwickler überflüssig machen?

Wie positioniert man sich im umkämpften CMS-Markt? Mit guten Ideen eine Nische besetzen wie das Berner Startup Cmsbox.

Die Berner Entwicklerfirma Netstyle.ch haben Christoph Wysseier und Adrian Lienhard schon zu Beginn ihres Studiums, 2000 gegründet und führten das kleine Unternehmen sechs Jahre neben der Uni bis sie 2006 bzw. 2008 abschlossen.
Ende 2005 hatte ein Kollege der Gründer, Simon Raess, die Idee für ein Produkt, das er inzwischen auch mitentwickelt: 2007 begann das Team mit der Arbeit an Cmsbox, einem Content Management System, das inzwischen das zweite Standbein der Gründer geworden ist und gleichviel Umsatz erwirtschaft wie Netstyle.
Die Cmsbox GmbH vertreibt das System, und baut gleichzeitig den ganzen Webauftritt des Kunden inhouse. Zielgruppe: Hauptsächlich KMUs. Leistungsversprechen der Applikation ist, dass sämtliche Arbeit an den Inhalten später der Kunde übernehmen kann, auch wenn er sich nicht mit HTML und CSS auskennt – das Editing funktioniert per Drag & Drop.

Beinharte Konkurrenz

Sich im umkämpften CMS-Markt zu positionieren, ist alles andere als trivial. Gerade die Anfangszeit war denn auch harzig, erinnert sich Christoph. Anfangs habe es vor allem mit der Bekanntheit gehapert. Um viel Klinkenputzen kamen die Gründer nicht herum und mit der Medienarbeit habe man sich schwergetan. Trotz mehrerer Versuche blieb die Resonanz aus. Erst indirekt gelang es, an PR zu kommen: Nach Teilnahme und Gewinn mehrerer Wettbewerbe (u.a. dem Red Dot Design Award) kamen das Interesse und Berichterstattung. Seither hat sich das Startup hierzulande ein Nische erobern können. Auch wenn Investorenkapital die Marketingerfolg vielleicht beschleunigt hätte, sind die Gründer heute nach wie vor froh, komplett eigenfinanziert geblieben zu sein. “Auf Gedeih und Verderb wachsen zu müssen – das wollten wir unbedingt vermeiden.”

Tool soll skalierbar werden

Die Konkurrenz ist hart. Von den beiden etablierten Opensource-Lösungen und den zahlreichen kommerziellen Wettbewerbern hoffe man sich feature-mässig abzuheben und mit einem guten Package jede der Anspruchsgruppen (Grafiker, Techniker, User, Besucher) einzeln zu überzeugen. Einfache und klare Claims wie “Mit Cmsbox kann jedermann eine Webseite bedienen” sollen dabei helfen. Eine Erkenntnis der Gründer: Grundsätzlich sei trotz der vielen Konkurrenz ein unüberschätzbarer Vorteil, wenn es in einem Markt keinen vorherrschenden Name gebe. “Der unübersichtliche Markt kommt uns auch etwas zu gute”, meint Christoph.

Für die Zukunft haben die Gründer nun ambitionierte Pläne, sie wollen sich mit Cmsbox ein skalierbares Geschäftfeld erschliessen. Das System wird derzeit so erweitert, dass neben dem Editing auch bereits das Design der Seite vom Kunden selbst erledigt werden kann, ohne Webdesignkenntnisse. Statt wie üblich auf Templates zurückzugreifen, soll (wiederum per drag-and-drop) ein Webauftritt gebaut werden können, ohne dass Programmierkenntnisse gefragt sind.
Eine Konkurrenz für diese Art von CMS ist die New Yorker Firma Squarespace. Statt wie diese auf Privatpersonen und kleinere Unternehmen abzuzielen, möchte Cmsbox aber auf Firmenkunden fokussieren.

Die Marktstrategie steht allerdings noch nicht fest. Zurzeit versuchen die Gründer, den Markt zu segementieren und die passende Zielgruppe zu finden. Es kämen statt den Endkunden nämlich andere Zielgruppen ebenfalls in Frage, schliesslich handelt es sich um ein Toolset, das auch für Webdesigner interessant sein könnte.
Ende des Jahres will das Team die Entwicklung der Plattform abschliessen. 2011 soll sie auf den Markt kommen, international, sagen die Gründer.

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