À La Carte Maps:
Eine Nische im Reiseführermarkt

Mit grafisch aufwändig gemachten Stadtplänen, die sich je nach Gusto selber anpassen lassen, versucht À la Carte Maps sich im überfüllten Reiseführermarkt zu positionieren.

Yuan Yao und Jan Gerber von À la Carte Maps

Yuan Yao und Jan Gerber von À la Carte Maps

Die meisten Reiseführer sehen sich sehr ähnlich. Solche in Buchform haben zwar ein grosses Informationsangebot, dafür aber andere Nachteile. Selber unzufrieden mit veralteten Hinweisen, überfüllten Geheimtipps und unhandlichen Büchern, kamen Yuan Yao und Jan Gerber auf die Idee hinter À La Carte Maps: Eine Design-Karte, die statt einem möglichen “Zuviel” an Information auf eine eher strenge Auswahl von Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Clubs und Shops setzt. Dabei sollen die Nutzer von À La Carte Maps Tipps „off the beaten track“ bekommen, die auch aktuell sind.

„Bei einer Stadt wie Zürich ist das nicht so ein Problem, aber Shanghai verändert sich zum Beispiel so schnell, dass man eine Map nicht lange unverändert lassen kann“, sagt Gründer Jan Gerber. Die Karten peilen insbesondere das Geschenkideen-Segment an: Entsprechende Sets lassen sich auch selber gestalten und erhalten eine persönliche Note.

Die Zielgruppe von À La Carte Maps sind die so ganannten Flashpacker. Wer diesen Begriff erfunden hat ist unklar. Gemeint sind damit Backpacker mit mehr Geld, die sich auch mal ein gutes Hotel leisten und teurere Destinationen bereisen. Diese Reisenden suchen die Begegnung mit Einheimischen und wollen nicht das übliche Touristenprogramm.  Ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Produkten in Buchform ist die Ästhetik des Produkts. Mit ein Grund dafür, dass das Weihnachtsgeschäft gut lief, meinen die Gründer: Einen schönen Stadtplan verschenke man lieber als ein Buch.

Break even schon erreicht

Das Unternehmen ist sehr schnell in die Gewinnzone gekommen. Die Gründer hatten die Produktidee im Herbst 2008, im August 2009 waren die Maps marktreif und heute ist das Unternehmen profitabel. Es beschäftigt in verschiedenen Ländern „ungefähr 40 bis 50 Personen“. Viele davon arbeiten auf Kommissionsbasis. Laut Jan Gerber ist diese Form des Arbeitsverhältnisses ideal für eine junge Firma, da man nur für das bezahlt, was man auch bekommt. Richtig gute Mitarbeiter, die unternehmerisch denken und einen echten Mehrwert mitbringen, seien schwer zu halten, auch weil etablierte Firmen besser bezahlen könnten.

Anders als viele erfolgreiche Startups hat À La Carte Maps nie einen der Förderwettbewerbe gewonnen. Nachdem sie bei Venture Kick nicht über die erste Runde hinauskamen, hätten sie die Teilnahme an solchen Competitions nicht mehr forciert, sagt Jan Gerber. Auffällig sei, dass die Wettbewerbe sehr auf Technik fokussiert seien. Dieser Fokus führe aus seiner Sicht dazu, dass potentielle Unternehmer in anderen Bereichen entmutigt seien und sich vielleicht entschieden, eine gute Geschäftsidee nicht umzusetzen.

Die Karten gibt es inzwischen für zehn Städte in neun Ländern. Wie Jan – etwas euphemistisch – sagt, sei der Schweizer Markt zwar nicht gesättigt, aber gut bedient. Auch in allen Städten, von denen es Maps gibt, werden diese bereits verkauft. Da die Karten bisher nur auf Englisch erscheinen, verkaufen sie sich in Nordeuropa und England am besten. Etwas harziger läuft es in den lateinischen Ländern. Deshalb ist langfristig auch geplant, Ausgaben in zusätzlichen Sprachen zu publizieren. Vorläufig hat jedoch das Hinzufügen von weiteren Destinationen Priorität. Einzelne erscheinen inzwischen in der zweiten Auflage und die Losgrössen seien genug gross, um das Produkt in Containern vom Produktionsstandort in China zu verschiffen.

Sorge wegen Copycats

Auch wenn die Gründer grundsätzlich unabhängig bleiben wollen, sind sie trotzdem im Gespräch mit potentiellen Partnern. Die grösste Gefahr ist die relativ leichte Nachahmbarkeit des Produktes. Sollte ein grosser Verlag entscheiden, diese Nische zu besetzen, wäre dies eine Herausforderung für das kleine Unternehmen À La Carte Maps. In diesem Fall würden die Gründer eventuell in Betracht ziehen, sich einem grösseren Partner anschliessen.
Vorläufig liegt der Fokus der Gründer aber nicht auf dem Exit, sondern auf dem Wachstum. Noch in diesem Jahr wollen sie etwa zehn neue Städte ins Sortiment nehmen. Ausserdem wurden zum Beispiel die Karten im neuen Kuonikatalog von À La Carte gemacht.

 

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