Startup-Diary:
Die Anfänge von Gryps

Aus dem IT-Riesen ins Startup: Die Gründerin des Leadmarketingportals Gryps über ihre junge Firma und ungewöhnliche Unternehmerbiografien.

Von Gaby Stäheli, Gryps-Offertenportal

Es ist wohl eher selten so, dass die guten Geschäftsideen plötzlich vom Himmel fallen, und man nur noch zuschnappen muss. Gehört man nicht zur Spezies der findigen und forschenden ETH-Ingenieure, die quasi vom Studium direkt in die ETH-Startup-Schiene einspuren, geht man erstmal in die Wirtschaft, sammelt Erfahrungen im Markt und bahnt sich so seinen (Um-)Weg zur Unternehmerin. Bei uns hat es etwas länger gedauert und wir gehören wohl eher zu den Exotinnen der Schweizer Startup-Szene:Zwei Frauen um die vierzig (genaueres sei an dieser Stelle nicht verraten), gute Management-Jobs in IT-Konzern (70-80%), Mütter von zwei bzw. drei Kindern. Nicht unbedingt Profile, welche landläufig als typische Gründerprofile gelten. Gespräche mit Investoren haben jedoch gezeigt, dass für diese auch langjährige Erfahrungen im Markt wichtig sind und geschätzt werden.

Die Geschäftsidee: Ein Internet-basierendes Business sollte es sein, zum einen weil das Medium Internet mich schon immer fasziniert hat und zum anderen, weil es gewisse Flexibilität bezüglich Arbeitsplatz, Infrastruktur und Mobilität bieten sollte. Die ersten beiden Ideen, welche ich bereits seit einiger Zeit mit mir herum getragen hatte, schafften die Hürde der Wirtschaftlichkeitsberechnung nicht. Der Schweizer Markt war dazu einfach zu klein. Jetzt ging ich systematisch auf die Suche nach Ideen. Es wurden ausländische Internet-Publikationen, Artikel und Blogs studiert immer mit der Frage im Hintergrund: Würde das in der Schweiz auch funktionieren? Ist der Markt dazu vorhanden? Gibt es das schon oder sind wir die ersten? Haben wir das nötige Wissen oder können wir uns das aneignen um die Idee umzusetzen und damit Geld zu verdienen? Würde meine langjährige Arbeitskollegin Priska mitmachen?
Schliesslich blieben wir bei der Idee des Offertenportals (Lead-Marketing) hängen: Kleine und mittlere Unternehmen, welche ein Produkt oder eine Dienstleistung benötigen, erhalten kostenlos drei passende Offerten von Anbietern Ihrer Region. Die Anbieter bezahlen eine Gebühr für den Kontakt des Kaufinteressenten. Ein einfaches Geschäftsmodell und bis dato in der Form in der Schweiz nicht vorhanden. Ein weiterer Vorteil war die Tatsache, dass das Modell cash-flow basierend ist, d.h. es basiert nicht auf Werbeeinnahmen, sondern auf konkreten Gebühren für die Dienstleistung. Dies war uns sehr wichtig, denn zu dem Zeitpunkt tobte noch die Finanzkrise und die Werbebudgets wurden sehr restriktiv gehandhabt. Das Risiko auf ein rein werbefinanziertes Geschäftsmodell zu setzen war uns zu gross.

In der Rubrik Startup-Diary schildern Jungunternehmer wöchentlich, mit welchen praktischen Problemen sie in ihrem Gründeralltag konfrontiert werden und welche Lösungsansätze sie gefunden haben.
Nachdem wir selbst die Idee von vielen Seiten betrachtet haben und entschieden, dass mit 300’000 KMU in der Schweiz ein genügend grosser Markt vorhanden sein sollte, nahmen wir den Businessplan in Angriff. Nach diesem Meilenstein sollte nochmals ein Go-/NoGo-Entscheid getroffen werden. Im Sommer 2009, kurz nach der Teilnahme an Ventureplan entschieden wir dann definitiv für Go.

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