Web Monday 11:
Zu Gast bei Google

Jan Rothenberger, 2. Dezember 2009 07:38 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Gastgeber Google verhalf dem elften Zürcher Web Monday zu einem sprunghaften Besucheranstieg.

Ob es die Chance auf einen Blick hinter die Kulissen war, oder vielleicht gar die Hoffnung auf ein späteres Jobangebot durch Google, die magisch anzog – der Anlass war ausgebucht. Kooaba, Usekit, Getyourguide.com, faircustomer.ch, Maruhn, Wuala und viele weitere Jungunternehmen fanden sich unter den über 100 Besuchern der Veranstaltung. Und wie üblich bei den Web Mondays kamen die einzelnen Personen aus den verschiedensten Feldern, vom UI-Designer bis hin zum Banker war alles vertreten.

“Use your DNA”

Als erster präsentierte Joaquin Cuenca Abela, Gründer von Panoramio, das seit 2006 zu Google gehört. Joaquin erzählte aus seinen Gründungserfahrungen mit Panoramio, das es eigentlich nur deswegen gibt, weil in Spanien 2005 noch keine kostenfreie Adresslokalisierung verfügbar war.

Joaquin wollte damals nämlich Loquo, das spanische Craigslist, mithilfe von Geodaten weiterentwickeln. Doch daraus wurde nichts und er und sein Mitgründer Eduardo lancierten den bekannten Bilderservice. Mit Anfangs noch sehr wenig Traffic gewannen sie langsam Nutzer, bis sie – letztlich auf den Rat eines Bloggers hin – ihre Fotos auf Google Earth verfügbar machten. Als Panoramio daraufhin in den Default-Katalog aufgenomen wurde, erhielten sie in acht Stunden mehr Hits als im ganzen Monat davor, so viele, dass ihr damals einziger Server schlicht den Hitzetod starb. Aber Panoramio hatte es geschafft.

Joaquin argumentierte allgemein für einen hemdsärmeligen Zugang zum Gründen. Er nannte seine Daumenregeln “Try something new” und “Use your DNA” – neues auszuprobieren und in einem Feld aktiv zu werden wo man sich auskennt. Das Umfeld sei der wichtigste Inkubator für Startupideen. Dass an der “west coast” mehr gegründet würde als anderswo auf der Welt läge einfach daran, dass man mehr Anschauungsmaterial habe und ständig Beispiele für Unternehmertum vorgelebt bekomme. Als bei seinen Freunden einmal der Blitz eingeschlagen hatte, starteten diese eine ganze Anzahl von Projekte, viele davon mit Erfolg. Joaquin meinte auch, mit Verweis auf Beispiele traditioneller Dienstleistungsanbieter im Internet, also Leute die etwa eine Schuhladen aufs Web stellen: “In some businesses, most of the people are idiots, so you have to be only half an idiot to make it work.”

5000 Franken für fünf Folien

Andreas Hoffmann von der UBS rief in der folgenden Präsentation einen Ideenwettbewerb aus. Da es der Grossbank an guten Ideen für die Integration von Web2.0-Konzepten in ihre Services fehle, wolle man auf diesem Weg Ansätze sammeln.

Gesucht sind daher fünf bis zehnseitige Powerpoint-Präsentationen, die eine mögliche Strategie für die UBS grob umreissen. Die drei überzeugendsten Einsendungen werden je 5000 Franken erhalten. Deadline ist der 24. Dezember 2009. So verlockend das Preisgeld, so offen blieb trotz Nachfragen die Aufgabenstellung – Verbesserung der User Experience, mehr Kundennähe und Web2.0 waren die einzigen Stichworte. Die Aufgabenstellung hat Amazee auf der Web-Monday-Seite verfügbar gemacht.

Trendspotting im Web

Als nächster Redner stellte Manfred Vogel von der Fachhochschule Nordwestschweiz die Möglichkeiten für Technologie-Startups vor, von der KTI und verschiedenen Hochschulen Anschubhilfe zu bekommen, etwa im Research.

Beim Referat von René Richardais, Student der FHNW, ging es um eine Reputation-Engine für Amazee, die er gerade mitentwickelt. Dieser “Karmaindex” soll eine dynamische Nutzerbewertung auf der Seite bieten und gehört zu einem Projekt, das auf Vorhersage und Visualsierung sozialer Dynamiken im Web abzielt. Die Idee sei, in den Verläufen von Zugriffen auf Webinhalte Muster zu erkennen und vorherzusagen. So könnte man beispielweise dereinst Online-Werbung gezielter Einsetzen.

Eine ähnliche Ausrichtung hat Galaxyadvisors, vorgestellt von Jonas Krauss. Das 2007 gegründete Startup sucht ebenfalls nach Wegen, im Internet das “next big thing” schon im vornherein zu entdecken. Dazu setzt man bei Galaxyadvisors unter anderem auf die Analyse von Communityinteraktion.

Spaziergang im Olymp

Viel Zeit zum Networken blieb an diesem Webmonday ausnahmsweise nicht, da nach dem dichten Präsentationsprogramm noch eine Führung durch Googles heilige Hallen auf die Besucher wartete. In kleinen Gruppen führten Googler die Besucher durch ihre Büros und Spielwiesen. Eine rasende Bibliothekarin hat unseres Wissen aber niemand beobachtet.

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1 Kommentar

  1. Mmmatze
    schrieb am 2. Dezember 2009 um 10:06 Uhr (#)

    Hehe, schöne Sache, das mit der rasenden Bibliothekarin! Und danke für die Berichterstattung!

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