Kultur-Startups II/IV:
Zwischen Selbständigkeit und Subventionsabhängigkeit

Lukas Meyer-Marsilius, 13. November 2009 06:30 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Es gibt einige erfolgreiche Künstler, die auf eigenen Beinen stehen. Andere sind auf Unterstützung angewiesen. Auch die Infrastruktur wird meist vom Staat zur Verfügung gestellt. Wo kann man die Trennlinie ziehen zwischen kommerziell verwertbaren Projekten und subventionsabhängigen?

In der Schweiz gibt es einige erfolgreiche Komiker und Satiriker, wie zum Beispiel Andreas Thiel, der aus Prinzip keine Subventionen annimmt und dies auch gerne betont. Auch Viktor Giacobbo, bekannt geworden beim Schweizer Staatsfernsehen, verzichtet bei seinem Casinotheater in Winterthur ebenfalls auf staatliche Unterstützung. Auch das Theater 11 in Zürich verzichtet auf öffentliche Subventionen und setzt auf private Kulturförderung, zum Beispiel kann man dort seinen persönlichen „Kultursitz“ erwerben, der während drei Jahren angeschrieben wird. Daneben gibt es im Graubereich zur Kreativwirtschaft viele erfolgreiche Unternehmen, zum Beispiel Galerien, die am Kunsthandel verdienen, aber ein Künstler muss für seine Bilder erstmal eine solche Galerie finden. Sehr erfolgreiche Künstler oder Schriftsteller verdienen mit ihren Werken sicher genug, aber davon gibt es wenig.

Staatskunst?

Alle grossen und bekannten Häuser Zürichs sind hochsubventioniert. Nicht nur das Schauspielhaus, sondern noch viel mehr die Tonhalle und das Opernhaus, beide international renommiert. Obwohl die teuersten Plätze für eine Aufführung dort bis zu 300 Franken kosten, ist es weit entfernt davon, selbsttragend zu wirtschaften. Das Opernhaus erhielt in der Saison 08/09 70 Millionen Subventionen und 12 Millionen private Spenden, und nahm mit Ticketverkäufen immerhin 35 Millionen ein. Das Opernhaus ist dabei als Aktiengesellschaft organisiert, die jedoch unter der Kontrolle des Regierungsrates des Kantons Zürich steht. Dass diese „Hochkultur“ sich positiv auswirkt auf die – auch wirtschaftliche – Attraktivität des Standortes Zürich, steht hier nicht zur Debatte. Doch gibt es keine Alternative zur staatlichen Förderung?

Förderung?

Die Frage ist auch, wie Kultur ausserhalb der grossen Häuser gefördert wird. Bei der Fachstelle für Kultur der Stadt Zürich ist klar: Es werden einzelne Projekte gefördert und nicht Strukturen, das heisst, ein Künstler, der ein Startup wie zum Beispiel ein Produktionsbüro oder eine Agentur auf die Beine stellen will, ist hier falsch. Für einzelne Projekte könnte dieses Startups aber Fördergelder beantragen. Hilfe bei der Startphase müsste anderswo gesucht werden, zum Beispiel bei Startup-Förderungen. Das Startzentrum Zürich oder das Institut für Jungunternehmen verzeichnen jedoch keinerlei Anfragen aus dem engeren Bereich der Kunst, wohl aber einige aus dem Bereich der Kreativwirtschaft.

Nicht nur die Kultur-, sondern auch die Wirtschaftsförderung macht einen klaren Unterschied zwischen kommerziell realisierbaren und kommerziell nicht genügend verwertbaren Projekten. Offenbar gibt es also eine klare Trennung zwischen gewinnbringender Kultur und solcher, die nicht ohne Subventionen überleben kann.In der nächsten Woche möchte ich untersuchen, wieso es so schwierig ist, im engen Bereich der Kunst selber Geld zu verdienen (oder nur in Ausnahmefällen extrem erfolgreicher Künstler), bevor ich in zwei Wochen zum Abschluss der Serie im Interview mit Pro Helvetia-Direktor Pius Knüsel ein Fazit ziehen werde.

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