Kultur-Startups I/IV:
Möglichkeiten und Chancen

Lukas Meyer-Marsilius, 6. November 2009 12:00 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Haben Startups im Kulturbereich – einem von Subventionen beherrschten Feld – eine Chance auf Erfolg? Ich werde in der November-Serie Chancen und Risiken für Jungunternehmer in diesem Bereich beleuchten.

Die meisten Kulturbetriebe in der Schweiz sind öffentliche Institutionen, in Zürich zum Beispiel das Schauspielhaus, das Opernhaus, das Kunsthaus und andere Museen. Das Schauspielhaus zum Beispiel erhält drei Viertel seines 40-Millionen-Budgets über Subventionen, der Ertrag aus dem Ticketverkauf macht nicht mal einen Viertel aus. Die Kulturförderung in der Schweiz gibt pro Jahr 1,8 Mrd. Fr. aus (Gemeinden, Kantone und Bund zusammen); diese Kulturpolitik versteht sich laut Pro Helvetia als “Korrektiv zu den Kräften des Kulturmarktes und der Freizeitindustrie” und will vor allem Vielfalt und Innovation fördern.

Im freien Markt

Natürlich gibt es diesen “Kulturmarkt” und die “Freizeitindustrie”, gerne auch “Mainstream” oder etwas verächtlich “Kommerz” genannt. Hier spielt der freie Markt sehr wohl, wobei die Vielfalt des Angebots unterschiedlich ausfällt. Es werden in der Regel immer die gleichen Stars beworben und verkauft, mit ihnen verdienen die Unterhaltungsriesen wie Universal, Sony oder Disney ihre Milliarden. In der Schweiz ist allerdings auch dieser Bereich nicht sehr gross, die Hitparaden werden von ausländischen Musikern und Filmen dominiert, und auch bekannte einheimische Bands oder Regisseure können nicht immer von ihrer Kunst allein leben.

Es gibt andere Beispiele wie die bildende Kunst, wo es viele Galerien gibt und Werke von zeitgenössischen Künstlern für teils sehr hohe Summen gehandelt werden. Wie viele dieser Künstler aber davon leben können, ist fraglich. Auch Schriftsteller haben es nicht einfach, verdienen sie doch an einem Buch nur 10 Prozent des Ladenpreises, das heisst, nur sehr erfolgreiche Bücher ernähren ihren Schöpfer, und davon gibt es – auch in Deutschland – sehr wenig. Ausserdem gibt es die “Kreativwirtschaft”, wo aber nicht unbedingt Kunst gemacht, sondern Kunstgewerbe betrieben wird; hier verdienen Designer, Grafiker, Texter und andere ihr Geld mit Auftragsarbeiten, zum Beispiel für Werbung.

Neugründungen

In dieser Kreativwirtschaft tummeln sich einige Startups. Wie sieht es aber aus mit Startups im engeren Bereich der Kunst? Firmengründungen gibt es praktisch keine. Das Startzentrum in Zürich verzeichnet keine Anfragen aus diesem Bereich, unterstützt aber immer wieder Neugründungen aus dem erweiterten Feld.

Neue Verlage oder Labels entstehen zwar immer wieder, werden aber oft nebenher gegründet und sind nicht als Haupteinnahmequelle gedacht. Viele Künstler betreiben Quersubventionierung ihrer eigenen künstlerischen Arbeit mit ihren “Brotjobs”, sei es der Schriftsteller, der als Journalist arbeitet, der Musiker, der Unterricht gibt, oder der Maler, der sich als Grafiker über Wasser hält. Daneben hofft man auf ein möglichst grosses Stück vom Subventionskuchen.

Kann die Kulturförderung hier auch schädlich sein und innovative eigene Ideen verhindern? Darüber mehr nächsten Freitag.

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