Bauanleitung für Startups:
Virtualisierung – wirklich keiner da…

Ganz im Stillen, ohne das der durchschnittliche User etwas davon gemerkt hätte, hat im Internet, genauer in den Server-Zentren rund um den Globus eine Revolution stattgefunden: Virtualisierung.

Von Dorian Selz, Nektoon

Ich erinnere mich noch genau an die eisig kalten Weihnachtstage 2000: Wir zogen mit unserer Webcosulting-Firma Namics an einen neuen Standort. Dazu gehörte auch die Verlegung unseres Serverraums – keine einfache Sache. Wir betrieben dezidierte Server für einige Kunden, Server für die interne Entwicklung, Ablage- und Mailserver, etc. Was uns allen Widrigkeiten zum Trotz antrieb: Wir wollten endlich wieder etwas mehr Platz.

Unser alter und verstellter Serverraum drohte förmlich zu bersten, kein weiterer Server hätte mehr rein gepasst. Unser neuer Serverraum schien geräumig und aufgeräumt – eine Zeit lang. Unsere Firma wuchs und mit ihr der Bedarf an Rechenleistung und Raum. Bald schon hatten wir wieder Platzprobleme.

Höhere Flexibilität…

Als ich unlängst meinen damaligen Arbeitsplatz besuchte, stellte ich fest, dass in der Zwischenzeit irgendwann einmal gut drei Viertel des ehemals beengten Serverraums in ein Sitzungszimmer umfunktioniert worden waren. Wie konnte das realisiert werden? Durch Virtualisierung!

Firmen wie Parallels, VM Ware und Citrix, bieten Software an, welche Hardwarefunktionalität emuliert oder eben virtualisiert. Die omnipräsente x86-Prozessor-Architektur wurde von Intel entwickelt, um ein Betriebssystem mit einer Applikation. Das führt dazu, dass ein Grossteil des Potenzials eines Rechners ungenutzt bleibt. Virtualisierung ermöglicht es, mehrere virtuelle Rechner (oder Maschinen) auf einem einzelnen physischen Rechner laufen zu lassen. So können die Ressourcen dieses einen Rechners in mehreren verschiedenen Umgebungen genutzt werden.

… geringere Kosten

Natürlich geht bei der Virtualisierung ein Teil der Rechenleistung verloren, weil die Software physische Hardware simulieren muss. Da Rechenleistung und Speicherkapazität immer günstiger werden, stellt dies keinen ernsthaften Nachteil dar. Und dem stehen auch zwei grosse Vorteile gegenüber: weniger Platzprobleme und geringere Initialkosten.

Bei Nektoon verwenden wir einen einzigen Server für unsere ganz Entwicklungsplattform. Ungefähr 20 virtuelle Server laufen auf dem einen physischen. Für unser Startup heisst das: Wir brauchen nur einen Server, nicht zwanzig – wir alle wissen, solche Kostenfaktoren fallen ins Gewicht. Obgleich unsere Lösung nicht die billigste ist, fielen die Kosten doch deutlich geringer aus, als wenn wir in eine herkömmliche Infrastruktur mit mehreren Servern investiert hätten.

Unsere Live-Infrastruktur ist bei Amazon Web Services gehosted. Dies hat einen entscheidenden Vorteil: Wir müssen weder Zeit noch Geld in den Aufbau einer eigenen Infrastruktur investieren, sondern bezahlen Amazon für die Rechnerleistung, die wir benötigen. Mit den im letzten Post beschriebenen Automationslösungen haben wir die Setup-Aufgaben standardisiert und überlassen diese nun den Jungs bei Amazon.

Kundennähe

Die dezentralisierte Infrastruktur hat einen weiteren Vorteil: Wir sind näher bei den Kunden. Würden wir auf physische Server setzen, hätten wir aus rein praktischen Gründen – gelegentlich muss ein physischer Server auch physisch zurückgesetzt werden – auf ein nahe gelegenes Servercenter gesetzt. Wenn aber jemand aus den USA auf einen Server in der Schweiz zugreift, können durchaus ärgerliche Wartezeiten entstehen. Die dezentrale Infrastruktur von Amazon löst dieses Problem elegant: Rechenleistung und Speicherplatz sind über den ganzen Erdball verteilt. Das ermöglicht uns, Daten, die für unsere amerikanischen Kunden essentiell sind, in den USA zu speichern und solche für europäische Kunden auf unserer Seite des Atlantiks.

Von den technischen Vorteilen abgesehen: Dieses Modell erlaubt es uns, ein Startup mit verhältnismässig bescheidenen Finanzen am Laufen zu halten. Eine solche Lösung wirkt sich sehr positiv auf jeden Business Plan aus…

In unserem nächsten Post über skalierbare Startups berichte ich über Testing.

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