Standortförderung I/IV:
Auf der Suche nach dem richtigen Ort für ein Startup

Philipp Aeschlimann, 4. September 2009 06:30 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Der Ende August 2009 erschienene Standortvergleich von Credit Suisse hat einige Regionen schlecht aussehen lassen, darunter Wallis, Jurabogen und Zentralschweiz. Meine Frage: Sind diese Regionen auch für Startups so unattraktiv, wie es scheint?

In unseren Startwerk.ch-Serien behandeln wir Themen, die unseres Erachtens mehr Platz verdienen, als sie in einem einzelnen Post bekommen. Die einzelnen Posts können zwar für sich alleine stehen, bilden in ihrer Summe das behandelte Thema aber nuancierter ab.
Um herauszufinden, welche Bedingungen Hightech-Startups benötigen, um prosperieren zu können, habe ich mich mit einem Jungunternehmer darüber unterhalten. Anschliessend habe ich mich in den Regionen Wallis, Jurabogen und Zentralschweiz umgesehen.

Wir trinken Kaffee. Weil sich niemand dazu aufraffen konnte, die Kaffeelöffel abzuwaschen, verrühren wir den Zucker mit Esslöffeln. Rico Wyder entschuldigt sich wortreich dafür, aber letztlich werde ich den Eindruck nicht los, dass das Verrühren von Zucker mit Esslöffeln zum Jungunternehmertum gehört wie der stetige Eigenkapitalschwund während der ersten Monate.

Kontakt zur Szene

Rico ist Mitinhaber von Cassiber, einem fünfköpfigen Startup, das sich der Produktion und dem Vertrieb von Software für Ideenmanagement verschrieben hat. Cassiber hat ihr Hauptquartier im Zürcher Technopark, und ich will wissen: Warum gerade im Technopark? Was hat den Ausschlag gegeben, dass Cassiber hierhin gezogen ist?

Rico sagt, dass Büro im Technopark zunächst ein Qualitätssignal darstellt. Man muss zum Cluster passen, der bereits dort haust. Man muss glaubhaft darlegen können, dass es die Firma in ein paar Monaten noch gibt. Diese Hürden sorgen dafür, dass nicht jeder reinkommt. Und schliesslich bietet sich im Technopark die Möglichkeit, rasch nebenan bei Doodle frischen Kaffeerahm zu holen und sich dabei auszutauschen. In einem Einzelbüro in der Agglomeration wird das schwierig. Man ist gemäss Rico in Zürich einfach näher beim Geschehen, bei Events und bei Kunden. Das vereinfacht die Arbeit erheblich.

Infrastruktur, nicht Steuervorteile

Was ist mit dem hohen Steuerfuss in Zürich? Irrelevant, sagt Rico. “Da wir keinen Gewinn machen, haben wir auch nichts zu versteuern.” Mit anderen Worten: Fiskalische Argumente locken den Jungunternehmer nicht – zumindest nicht, solange er noch keinen Gewinn schreibt. Ein zentraler Parameter zur Beurteilung der Standortqualität in der jüngst erschienenen Studie der Credit Suisse verliert damit an Bdeutung – zumindest für Startups. Viel wichtiger ist eine flexible und günstige Infrastruktur. Die Verfügbarkeit von Personal scheint zunächst einmal nicht so eine grosse Rolle zu spielen, weil die Firmen am Anfang meist nur aus den Gründungsmitgliedern bestehen.

Je nach Branche spielen Finanzierungsaspekte eine mehr oder weniger gewichtige Rolle. Wo teure Apparaturen und hohe Energiekosten anfallen, sind externe Kapitalgeber häufig unumgänglich. Wenig kapitalintensive Firmen wie Cassiber können sich aber gut über ihre Gründer finanzieren.

Nach dem Gespräch mit Rico und einigen Recherchen erhalte ich folgendes Bild vom optimalen ‘Inkubations’-Ort: Primär muss er die nötige Infrastruktur günstig anbieten können. Was nötig ist, hängt von den jeweiligen Branchen ab. Zweitens muss die Clusterbildung entweder möglich oder schon fortgeschritten sein. Sei es in Form von Kaffeerahm bei Doodle oder Networking-Events. Und wenn die Zugehörigkeit zu diesem Cluster wie beim Technopark ein Qualitätsmerkmal darstellt, umso besser.

Wie es bezüglich dieser Kriterien im Wallis steht – das schauen wir uns im nächsten Teil dieser Serie an.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Die Walliser Technoark: ICT-Konferenz und Wettbewerb

27.1.2010, 0 KommentareDie Walliser Technoark:
ICT-Konferenz und Wettbewerb

Das Wallis als Mini-Silicon-Valley? Mit Events und Förderwettbewerben versucht der Kanton, sich als Standort weiter zu profilieren.

Startup-Diary: Wie Usekit an den Start ging

13.1.2010, 0 KommentareStartup-Diary:
Wie Usekit an den Start ging

Welche Fragen sind bei einer Firmengründung als erste zu klären? Eric Fischer erzählt von seinen Erfahrungen bei Usekit.

Startup-Förderung: Inkubator Basel bezugsbereit

22.12.2009, 0 KommentareStartup-Förderung:
Inkubator Basel bezugsbereit

Viele Orte zählen inzwischen den Ausbau von Raumangeboten zu den wichtigsten Aspekten der Standortförderung. Auch in Basel, wo dieser Tage der Spinoff-Inkubator eröffnet.

Nachgefragt: Interview mit Marc P. Bernegger

7.1.2010, 2 KommentareNachgefragt:
Interview mit Marc P. Bernegger

Ein Gespräch mit Marc P. Bernegger über seine Jury-Erfahrungen und die Schweizer Startup-Szene.

Startup-Förderung: Inkubator Basel bezugsbereit

22.12.2009, 0 KommentareStartup-Förderung:
Inkubator Basel bezugsbereit

Viele Orte zählen inzwischen den Ausbau von Raumangeboten zu den wichtigsten Aspekten der Standortförderung. Auch in Basel, wo dieser Tage der Spinoff-Inkubator eröffnet.

Kultur-Startups IV/IV: Interview mit Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel

27.11.2009, 0 KommentareKultur-Startups IV/IV:
Interview mit Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel

Den Abschluss der Serie zu Kultur und Startups bildet ein Interview mit Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel.

Startup-Förderung: Inkubator Basel bezugsbereit

22.12.2009, 0 KommentareStartup-Förderung:
Inkubator Basel bezugsbereit

Viele Orte zählen inzwischen den Ausbau von Raumangeboten zu den wichtigsten Aspekten der Standortförderung. Auch in Basel, wo dieser Tage der Spinoff-Inkubator eröffnet.

Swiss Equity Fair, SECA-Kongress und Venture Day: Investorenmekka Technopark

10.12.2009, 0 KommentareSwiss Equity Fair, SECA-Kongress und Venture Day:
Investorenmekka Technopark

Financing-Kongress im Technopark: Zahlreiche Jungunternehmen nutzten die Gelegenheit, sich vor potentiellen Investoren zu zeigen.

Pearltec: Erfolgreiche Finanzierungsrunde und neue Büros

18.11.2009, 0 KommentarePearltec:
Erfolgreiche Finanzierungsrunde und neue Büros

Anfang November 2009 hat Peraltec erfolgreich eine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen und neue Büros im Technopark bezogen.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.