Social Entrepreneurship III/IV:
Weniger Geld, dafür mehr Sinn

Gastautor, 21. August 2009 06:30 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Social Entrepreneurship ist im Kommen, auch und gerade in Zeiten der Finanzkrise. Warum ist diese Art des Unternehmertums jetzt besonders aktuell? Teil drei unserer vierteiligen Serie zu sozialem Unternehmertum.

Von Jan Rothenberger

In unseren startwerk.ch-Serien behandeln wir Themen, die unseres Erachtens mehr Platz verdienen, als sie in einem einzelnen Post bekommen. Die einzelnen Posts können zwar für sich alleine stehen, bilden in ihrer Summe das behandelte Thema aber nuancierter ab.
Typisch für Social Entrepreneurs ist das „Yes we can“-Gefühl. Ihr Ziel ist das Lösen von sozialen Problemen und darüber hinaus das Anschieben eines Umdenkens in der Bevölkerung. Buchautor David Bornstein (Link zu Bornsteins Blog) sieht in ihnen sogar den Anfang eines globalen Bürgersektors, für den gesellschaftliches Engagement und nachhaltiges Wirtschaften selbstverständlich geworden sind. Es zeichnet sich ab, dass mit der wachsenden Erfahrung und einem grösseren Interesse der Forschung dieser recht intransparente Markt bald besser überschaubar sein wird, was es leichter machen dürfte, gute Ideen und Projekte zu identifizieren – was sich momentan noch schwierig gestaltet. Inwiefern eine hundertprozentig menschenfreundlich gestaltbare Wirtschaft bald Realität wird, bleibt dahingestellt. Sicher ist jedoch, dass Sozialunternehmer Konjunktur haben.

Der Finanzkrise zum Trotz

Die Spendenbudgets insbesondere der öffentlichen Hand schrumpfen zurzeit, und das drückt auf Entwicklungshilfe und karitative Engagements. Sozialunternehmer stehen im Wettbewerb untereinander um Mittel, dadurch – so die Erwartung – erfüllen sie dieselben Aufgaben tendenziell kosteneffizienter und transparenter als staatliche Organisationen. Effiziente Allokation von Resourcen erlaubt auch noch in Zeiten der Krise, Aufbauleistungen und Problemlösungen in Schwellen- und Drittweltländer zu bringen und so einen Beitrag zur Entwicklung dieser Staaten leisten. Nicht zuletzt finanzieren sich Sozialunternehmer mit parallel zu ihren Aktivitäten laufenden, marktwirtschaftlichen Engagements zum Teil selbst.
Generell versuchen sie, ihre Projekt auf nachhaltige Weise zu implementieren – was das „der Topf ist plötzlich leer“-Problem reduziert und gewährleistet, dass diese auch irgendwann ohne Hilfe weitergeführt werden können. Untersuchungen zeigen schon länger, dass traditionelle Hilfszahlungen und wirtschaftliche Investments aufgrund von Kapitalflucht und Korruption oft kaum längerfristigen Nutzen zeitigen – der S.E.-Ansatz mit dem Aufbau von Infrastruktur wird damit immer gefragter.

Das Geld wäre da

Ein grosser Teil der Mittel für Projekte kommt von philantrophisch interessierten Geldgebern aus der Wirtschaft. In der vergangenen Jahren haben so genannte Superreiche wie Bill Gates oder Warren Buffet zweistellige Milliardenbeträge für wohltätige Zwecke zur Verfügung gestellt. Insgesamt schätzt eine Studie der Uni Stanford in Zusammenarbeit mit McKinsey die privaten Investitionen in den „civic sector“ auf 400 Mrd. $ jährlich – alleine in den USA. Vieles deutet darauf hin, dass dieser Mittelfluss nicht plötzlich abreissen wird. Auch die Tendenz, dass vermögende Unternehmer oft kleine, überschaubare, und vor allem selbstständig tätige Unternehmer grossen, trägen Organisationen vorziehen, kommt diesen natürlich sehr zu gute.

Zeitgemässe Denkweise

Eine der neuen Ansätze beim Social Entrepreneurship ist die Fusion von traditionell unterschiedlichen Bereichen. Zum einen natürlich Unternehmergeist und Wirtschaftskompetenz, die gemeinnützigen Ideen zu mehr Durchschlagskraft verhelfen. Zum andern aber auch die Nutzung von aktuellsten technischen Möglichkeiten. Das einfachste Beispiel für diese Art von Fusion sind Web 2.0-basierte Spendenplattformen oder Kommunikation und Marketing via social media. Aber auch echter High-Tech und soziales Unternehmertum gehen zusammen und ermöglichen neue Lösungen für alte Probleme, Beispiel: Das Biochemieprodukt Life Straw, das in Krisengebieten bei verunreinigtem Trinkwasser eingesetzt werden kann.
„Da wo Kontraste aufeinandertreffen, kann man die grössten Effekte haben,“ sagt dazu auch Professorin Ann-Kristin Achleitner vom Lehrstuhl für Entrepreneurial Finance an der TU München. Und das beste aus verschiedenen Welten zusammen zu bringen ist ein interessantes Konzept, das bekanntlich immer wieder viel versprechende Startups hervorbringt.

Nächsten Freitag folgt Teil vier unserer Serie, die Situation in der Schweiz: Was für Projekte gibt es und wie wird hier Social Entrepreneurship gefördert?

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2 Kommentare

  1. Faircustomer.ch
    schrieb am 21. August 2009 um 12:13 Uhr (#)

    Das ist eine schöne Serie zu einem spannenden Thema, das in den letzten Jahren eine faszinierende Dynamik bekommen hat und durch Prof.Yunus auch noch einmal einen ordentlichen Schub erhält.
    Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr in Eurem Teil über die Schweiz auch unsere Firma Faircustomer.ch vorstellen würdet. Zum einen verstehen wir uns ja selbst als Social Entrepreneurs, wichtiger ist aber, dass wir anderen Social Entrepreneurs, Sozialfirmen, aber auch NGOs mit unserer Online Mall dabei helfen Kunden zu erreichen und ihre Produkte zu verkaufen.
    Faircustomer.ch ist der nachhaltige Marktplatz im Internet, auf dem inzwischen fast 100 Sozialfirmen, Behindertenwerkstätten, Fairtradehändler, nachhaltig produzierende kleine Firmen und Designer Schönes, Individulles und Kreatives rund um die Begriffe fair – sozial – bio und eco anbieten.
    Wir freuen uns über weitere gute neue Händler (und Kunden ;-)

  2. Schreibt hier auf dem Blog Simon Wüthrich
    schrieb am 21. August 2009 um 15:28 Uhr (#)

    Im Echo der Zeit vom 20.8. gibt es einen Beitrag zu einem erfolgreichen indischen Sozialunternehmer: Bindeshwar Pathak.

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