Social Entrepreneurship II/IV:
Design als Problemlösung

Intelligente Produktinnovation und ganzheitliche Ansätze: In Teil zwei unserer Serie zu Social Entrepreneurship schauen wir einigen kreativen Sozialunternehmern in die Karten.

Von Jan Rothenberger

Es gibt vielfältige Beispiele für überraschende Projekte im Social Entrepreneurship. Das Spektrum reicht von Plattformen, die mehr Transparenz im karitativen Bereichen schaffen wollen (Jolkona lässt Engagements spezifisch aussuchen und Mikrospenden nachverfolgen), über Stadtentwicklung (die Johannisburg Housing Company versucht, Slumbildung entgegen zu wirken und safe housing zur Verfügung zu stellen) bis hin zu neuen, ökologischen Produkten (Belu Water produziert kompostierbare Flaschen, der Gewinn geht an Wasserprojekte). Die Schwab Foundation für Social Entrepreneurship unterstützt und prämiert jedes Jahr besonders erfolgreiche Projekte. Hier finden sich einige interessante Beispiele, die von den Beteiligten auch zur Nachahmung empfohlen werden. Was andernorts Plagiarismus genannt würde, ist nämlich unter Sozialunternehmern explizit erwünscht: Blue printing nennt sich hier das Übernehmen und Adaptieren von Projektideen.

Design kann helfen

Sozialunternehmer setzen auf Nutzbarmachung bestehenden Know-Hows für gemeinnützige Zwecke. Ein gutes Beispiel dafür ist Design for the other 90%. Die Idee: Cleveres und genau auf den Verwendungszweck massgeschneidertes Produktdesign war bislang den Industrieländern vorbehalten. Schwellen- und Entwicklungsländer – die anderen 90 Prozent der Weltbevölkerung – mussten sich mit dem helfen, was da war. Dabei gäbe es Möglichkeiten, durch gutes Design Gebrauchsgüter zu verbilligen, wiederverwendbar zu machen oder überhaupt erst bedürfnisgerechte Produkte bereit zu stellen. Die Initiative will Ideen vermitteln und eine neue Art des Denkens anregen. Beispiele für solche, oft bestechend einfachen Designs sind etwa eine Bambus-Wasserpumpe zur Bewässerung von Feldern, rollbare Wasserkanister zum Transport über weite Strecken, vorgefertigte Billighäuser für den Katastrophenfall oder spezielle Fahrräder zur Beförderung grosser Lasten.

Alle Ebenen im Blick

Population Services International (PSI) hat einen anderen Ansatz. Im Kern ihrer Strategie steht ein einfaches, billiges Produkt: Moskitonetze. Statt sich auf die Verteilung von Malariamedikamenten zu beschränken, suchen PSI umfassende und kosteneffektive Lösungen. Sie besuchen lokale Gemeinschaften, erklären dort die Anwendung der Medikamente und verfolgen zusätzliche Wege der Eindämmung, beispielsweise mittels der Abgabe der erwähnten Netze oder besserer Hygienevorkehrungen. Bei deren Umsetzung helfen sie auch mit, etwa mit dem Anlegen von Brunnen und sanitären Einrichtungen. Diese Art von umfassendem und langfristig orientiertem Engagement betreibt PSI und verhindert damit geschätzte 20 Millionen Malariafälle im Jahr. Dabei lässt die Firma die Kosten aber nicht ausser Acht: Wo etwa Moskitonetze zu subventionierten Preisen verkauft werden und wo sie umsonst abgegeben werden, hängt von den finanziellen Möglichkeiten der Menschen vor Ort ab.

Nächsten Freitag folgt der dritte Teil unserer Serie – wir analysieren, warum Sozialunternehmer gerade jetzt so gefragt sind.

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2 Kommentare

  1. Schreibt hier auf dem Blog Simon Wüthrich
    schrieb am 14. August 2009 um 12:39 Uhr (#)

    Auf Gründerszene.de spricht Niels Billou über Social Entrepreneurship: http://bit.ly/lmVaF

  2. Andreas Brenner
    schrieb am 15. August 2009 um 05:58 Uhr (#)

    Da schiesse ich doch gleich gerne noch das Beispiel eines NGOs aus Mali ein, dass aus Abfall Ziegelsteine herstellt. Film ab!

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