Bauanleitung für ein Startup:
Share Nothing Architecture

Für moderne Web-Startups sind Standardkomponenten, die Trennung aller Software-Bestandteile und ein System von Redundanzen ein massgebliches Erfolgsgeheimnis.

Von Dorian Selz, Nektoon

Wie sich die Zeiten ändern: Gelegentlich tauche ich ab in die Erinnerungen an unsere ersten Webprojekte vor fünfzehn Jahren. In dieser längst vergangenen Ära enthielten E-Commerce-Anwendungen bisweilen SQL-Befehle, die gar in der Website selber eingebaut waren.

Es gab keine Trennung zwischen der Präsentationsschicht und der logischen Schicht einer Anwendung. Wenn man die zugrunde liegende Datenbanktabelle veränderte, musste man meist auch die Website selber, die Präsentationsebene, anpassen.

Eine derart durchmischte Architektur war nicht gerade eine knackige Sache – selbst damals nicht, als “SQL-injection” ein unbekannter Begriff war.

Heute setzen wir auf ein gegenteiliges Konzept: Die “Shared Nothing Architecture”.

Die Grundidee liegt in verteilten Aufgaben ohne jegliche Vermischung der Anwendungsbestandteile. Jeder Knoten (eine Hard- oder Software-Komponente) ist selbständig und redundant verfügbar. Es gibt keinen Flaschenhals, der das System in die Knie zwingen könnte. Auf der andern Seite lässt sich das System fast endlos ausbauen (“skalieren”) – wie Google bewiesen hat.

Um das zu bewerkstelligen, treten in unserem Fall drei Faktoren in den Vordergrund: Standard-Hardware, Http und representational state transfer (REST)

Um die Vorteile von kostengünstiger Standard-Hardware zu nutzen, haben wir die local.ch-Plattform in bekömmliche Einzelteile gestückelt.

So haben wir beispielsweise das local.ch-Frontend auf verschiedene Server verteilt (zwölf insgesamt bei der letzten Zählung), die in zwei Datencentern stehen. Die Server sind Standard-Dell-Pizzaschachteln. Wir haben nur diesen einen Typ Server installiert. Wenn einer ausfällt, ersetzen wir ihn mit einem andern. Wenn einer überlastet ist, haben wir mit einer Neukonfiguration sofort für bessere Lastverteilung gesorgt.

Das System wurde noch weit flexibler, als wir anfingen, Virtualisierung anzuwenden. All das und die Anwendung von Open-Source-Software haben dramatische Resultate gezeigt: Man muss nur sehr wenig Geld aufwerfen, um sofort grosse Veränderungen hinzukriegen. Niemand muss sich mit irgendwelchen Grosslieferanten herumschlagen, keiner hat lange Lieferzeiten komplexer Hardware zu erdulden.

Ein zweiter Bestandteil ist es, die Möglichkeiten von http voll auszuschöpfen. Das scheint offensichtlich, schliesslich werden alle Websites über dieses Protokoll aufgerufen. Genau so ist es – es handelt sich nur um ein Protokoll; das bietet aber eine Fülle von Mechanismen, welche Dinge wie Caching, Kompression, Verschlüsselung und Autorisierung direkt ermöglichen. Es ist einfach zu verstehen, robust und erprobt. Und: Es skaliert.

Das dritte Modul ist representational state transfer, eine Methode, um Web Services zu bauen. Dabei sprechen alle Bestandteile wie Frontend und Datenbank, die auf eigenen Instanzen laufen und individuell ansprechbar sind, über RESTful-Methoden miteinander. So lange diese Standards in der Kommunikation und Schnittstellen eingehalten werden, kann an jeder Ressource herumgebaut werden, ohne dass das System unterbrochen wird.

Es ist von grösster Bedeutung, dass diese Ressourcen und Dienste in den nach gesundem Menschenverstand bemessenen kleinsten und zielgerichtetsten Einheiten geschrieben und implementiert werden. Es wird zusätzlich wertvoll, wenn man die Services überall, also auf verschiedenen Maschinen, in verschiedenen Datacentern und Ländern einsetzen kann und sie weiterhin unbeirrt miteinander kooperieren.

Diese Architektur hat uns bei local.ch eine Uptime (Ausfallsicherheit) von mehr als 99.993% ermöglicht (genau – das sind weniger als 30 Minuten Downtime in einem Jahr, was einen externen Störfall oder eine göttliche Fügung erlaubt*).

Bei Nektoon tun wir das gleiche mit einem zusätzlichen Trick: Wir lagern die gesamte Hardware aus zu Amazon oder ähnlichen Cloud-Computing-Anbietern. Das Ziel ist eine flexible, zuverlässige und jederzeit blitzschnell ausbaubare Plattform vom ersten Moment an.

*) Eine solche göttliche Fügung gab es tatsächlich, in Form eines suizidalen Eichhörnchens. Der Zwischenfall liess die gesamte Stromversorgung in Zürich Nord am 24. August 2008 für mehrere Stunden ausfallen. Aber davon waren sehr viele Grossunternehmen inklusive des Schweizer Fernsehens betroffen.

Mehr lesen

Dacuda \

29.3.2011, 0 KommentareDacuda "brainstormt" auf Atizo:
Mit der Scanner-Maus das Leben vereinfachen

Die LG Scanner Mouse von Dacuda kommt diesen Sommer auf den Markt. Die Zürcher arbeiten bereits an der nächsten Stufe und suchen Ideen, wie man die gescannten Inhalte intelligenter mit bestehenden Anwendungen integrieren kann - mit Unterstützung der Internet-User.

Schweizer Innovationspreis: Dacuda wird geehrt

26.10.2010, 0 KommentareSchweizer Innovationspreis:
Dacuda wird geehrt

Heute wird Dacuda der Schweizer Innovationspreis überreicht. Eine gute Wahl: Scheinbar gibt es die Scan-Mäuse schon bald überall zu kaufen.

Dacuda: Eine Maus, die scannen kann

26.2.2010, 0 KommentareDacuda:
Eine Maus, die scannen kann

Maus und Scanner in einem: Das ETH-Spinoff Dacuda hat ein Eingabegerät entwickelt, das den Scannermarkt umkrempeln soll.

Bauanleitung für Startups: Eine Nation von Netzwerken

15.10.2009, 0 KommentareBauanleitung für Startups:
Eine Nation von Netzwerken

Dorian Selz fasst die Erkenntnisse seiner Serie über den Bau des skalierbaren Startups zusammen.

Bauanleitung für Startups: Wiki statt Office

10.7.2009, 2 KommentareBauanleitung für Startups:
Wiki statt Office

Ein Wiki ist für die Teamarbeit eines Startups besser geeignet als (Einzelkämpfer-) Office-Software.

Bauanleitung für Startups: Projektmanager-Inflation

3.6.2009, 5 KommentareBauanleitung für Startups:
Projektmanager-Inflation

Projekt-Manager sind wichtig in jedem Unternehmen - aber sie sollten in der Minderheit bleiben.

Squirro: Memonic-Gründer sammeln 1,5 Millionen für neuen Service ein

16.2.2012, 1 KommentareSquirro:
Memonic-Gründer sammeln 1,5 Millionen für neuen Service ein

Squirro heisst der neue Webservice, mit dem die Nektoon AG einen Reboot anstrebt. Prominente Investoren sind bereits an Bord.

Bauanleitung für Startups: Eine Nation von Netzwerken

15.10.2009, 0 KommentareBauanleitung für Startups:
Eine Nation von Netzwerken

Dorian Selz fasst die Erkenntnisse seiner Serie über den Bau des skalierbaren Startups zusammen.

Bauanleitung für Startups: Irren ist menschlich, Testing nötig

7.10.2009, 0 KommentareBauanleitung für Startups:
Irren ist menschlich, Testing nötig

Testing ist nötig, wenn eine Applikation Kunden begeistern und nicht ärgern soll. Dorian schreibt über die Anstrengungen bei Nektoon, möglichst viele Fehler zu eliminieren.

«Raus aus der Comfort Zone»: 9 Fragen an Boris Stock von BlankPage

6.1.2012, 0 Kommentare«Raus aus der Comfort Zone»:
9 Fragen an Boris Stock von BlankPage

Kurze Fragen, kurze Antworten – jede Woche stellt sich ein Startupper einem Mini-Interview. Diesmal mit dem CEO von BlankPage.

Neue Businessideen: Open Data als Geschäftsmodell

12.5.2011, 1 KommentareNeue Businessideen:
Open Data als Geschäftsmodell

Open Data ist nicht bloss eine staatspolitische Angelegenheit. Startups dürften sich zukünftig Andockstellen für smarte Geschäftsideen bieten.

Open Source Awards: Buchhaltung leicht gemacht

2.9.2010, 2 KommentareOpen Source Awards:
Buchhaltung leicht gemacht

Gestern Mittwoch wurden in Zürich die CH Open Source Awards vergeben. In der Kategorie Business Case teilt sich Run my Accounts den ersten Platz mit Doodle.

Startup-Veranstaltungen im März: venture ideas, Startup Weekend, Startimpuls

28.2.2012, 0 KommentareStartup-Veranstaltungen im März:
venture ideas, Startup Weekend, Startimpuls

Unser monatliches Service-Posting zu aktuellen Veranstaltungen. Handverlesene Hinweise auf Events und Kurse, die sich für Startups eignen.

Unternehmensgründung per Mausklick: Firmengründung online

31.10.2011, 0 KommentareUnternehmensgründung per Mausklick:
Firmengründung online

Das IFJ hat einen Online-Gründungsservice lanciert - gut für Startups, denn Konkurrenz belebt das Geschäft.

Cabtus: Den Taximarkt umkrempeln

12.8.2011, 3 KommentareCabtus:
Den Taximarkt umkrempeln

Das Startup Cabtus will mit mehr Transparenz und Mehrwert-Features den traditionellen Taxizentralen das Heft aus der Hand nehmen.

Tipps zum Telefonieren: Feedback sammeln und Verkaufen

19.4.2012, 1 KommentareTipps zum Telefonieren:
Feedback sammeln und Verkaufen

Bei der Kundenansprache punkten: Wir verraten wie man erfolgreich telefoniert.

Startup gegründet: Was Du nun als Chef nicht tun solltest

15.3.2012, 1 KommentareStartup gegründet:
Was Du nun als Chef nicht tun solltest

H-Farm: Interessantes Inkubator-Modell  aus Italien

22.2.2012, 2 KommentareH-Farm:
Interessantes Inkubator-Modell aus Italien

Begleitung von der Idee übers Investment bis zum Exit: Warum die Idee von H-Farm nachahmenswert ist.

Bauanleitung für Startups: Eine Nation von Netzwerken

15.10.2009, 0 KommentareBauanleitung für Startups:
Eine Nation von Netzwerken

Dorian Selz fasst die Erkenntnisse seiner Serie über den Bau des skalierbaren Startups zusammen.

Bauanleitung für Startups: Irren ist menschlich, Testing nötig

7.10.2009, 0 KommentareBauanleitung für Startups:
Irren ist menschlich, Testing nötig

Testing ist nötig, wenn eine Applikation Kunden begeistern und nicht ärgern soll. Dorian schreibt über die Anstrengungen bei Nektoon, möglichst viele Fehler zu eliminieren.

Bauanleitung für Startups: Virtualisierung – wirklich keiner da...

8.9.2009, 0 KommentareBauanleitung für Startups:
Virtualisierung – wirklich keiner da...

Ganz im Stillen, ohne das der durchschnittliche User etwas davon gemerkt hätte, hat im Internet, genauer in den Server-Zentren rund um den Globus eine Revolution stattgefunden: Virtualisierung.

prospektli.ch und Dealscout: Geschäftsmodell Angebotskatalog

4.5.2012, 1 Kommentareprospektli.ch und Dealscout:
Geschäftsmodell Angebotskatalog

Prospektli.ch bietet Händlern einen zusätzlichen Kanal fürs Onlinemarketing. DealScout erweitert seine Reichweite auf alle Plattformen.

Ventureworks: Startup-Inkubator aus St. Gallen

26.4.2012, 0 KommentareVentureworks:
Startup-Inkubator aus St. Gallen

Vier Studenten haben in St. Gallen einen Startup-Inkubator auf die Beine gestellt. Wir stellen das Konzept vor.

Rayneer TV: Per Facebook personalisiertes Musikfernsehen

10.4.2012, 0 KommentareRayneer TV:
Per Facebook personalisiertes Musikfernsehen

Seit heute ist das personalisierte Musikfernsehen Rayneer für die Öffentlichkeit freigeschaltet und möchte im Schweizer Musikmarkt mitmischen.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.