Social Entrepreneurship I/IV:
Der Markt ist für alle da

Sie verbinden gesellschaftliches Engagement mit Wirtschafts-Know-How und kreativen Lösungsansätzen: die Sozialunternehmer. Was ist dran am Konzept einer Gemeinwohlmaximierung? Teil eins unserer vierteiligen Serie.

Von Jan Rothenberger

In unseren startwerk.ch-Serien behandeln wir Themen, die unseres Erachtens mehr Platz verdienen, als sie in einem einzelnen Post bekommen. Die einzelnen Posts können zwar für sich alleine stehen, bilden in ihrer Summe das behandelte Thema aber nuancierter ab.
 Sozialen Mehrwert schaffen und dabei den wirtschaftlichen Erfolg nicht ausser Acht lassen. So lautet das Konzept des Social Entrepreneurship, das eine Erkenntnis aufgreift, die im Startup-Sektor längst ein Gemeinplatz ist: Grosse Organisationen tun sich schwer mit neuen Problemlösungen, besonders wenn sie kreative Denkansätze verlangen. Diese Lücke versuchen Sozialunternehmer zu besetzen – wo Hilfsorganisationen oder der Staat Schwierigkeiten haben, Probleme anzugehen, springen sie mit Know-How, Innovation und Kosteneffizienz in die Bresche.

Nur ein Hype?

Social Entrepreneurship ist momentan in aller Munde, und es könnte der Verdacht aufkommen, das habe etwas vom Charakter eines buzz words. Oft ist nicht ganz klar, was Social Entrepreneurship nun genau sein soll. Schliesslich hat Unternehmertum ja eigentlich per se eine soziale Komponente. Worin liegt also der Unterschied?

Die Social Enterprise Alliance (SEA) definiert soziales Unternehmertum so: „Eine non-profit, for-profit oder hybride Unternehmensform, die marktbasierte Strategien einsetzt um eine gemeinnützige Zielsetzung zu erreichen.“ Vielleicht könnte man dies so ergänzen: Wo das rein privatwirtschaftliche Unternehmen neue Märkte für Produkte und Services aufzuspüren versucht, will das Sozialunternehmen solche überhaupt erst ermöglichen, vor allem durch den Aufbau von Infrastruktur. Das wohl bekannteste Beispiel ist das der Mikrokredite in Bangladesch. Die Idee der Nobelpreis-prämierten Grameen Bank war es, Finanzdienstleistungen den Menschen zur Verfügung zu stellen, die zu solchen sonst keinen Zugang haben. Bestehende Strukturen ummünzen als Antwort auf soziale Misstände, und dies zielgerichtet auf die lokalen Gegebenheiten: Das macht Sozialunternehmer aus.

Das „Yes we can!“-Gefühl

Zum Social Entrepreneurship gehört das Motto „Everyone a changemaker“, das sich etwa Ashoka auf die Fahnen geschrieben hat. Organisationen wie diese internationale NGO wollen angehenden Sozialunternehmern als Sprungbrett dienen und bieten Austausch und Fördermittel an. Auch das IFJ ist interessiert an Sozialunternehmern, wie William Lüthi bestätigt. Im Umfeld von Venture Kick gebe es viel Wohlwollen für solche Projekte. So hat etwa Aiducation International bereits die ersten beiden Wettbewerbstufen erfolgreich bestanden und tritt diesen Herbst bei der Venture-Kick-Prämierung an, deren Sieger 100’000.- Franken an Förderung winken.

Venture-Kapitalist Paul Graham hat einmal drei Kriterien für die die richtige Berufswahl aufgestellt: Man solle eine Arbeit finden, die man spannend findet und gern tut, die die Welt besser macht – und bei der man nicht verhungern muss. Social Entrepreneurship mag da ein neuer Weg sein.

Nächsten Freitag folgt Teil zwei unsere Serie – wir stellen konkrete Projekte vor.

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2 Kommentare

  1. erwin
    schrieb am 11. August 2009 um 16:03 Uhr (#)

    alles gute alte handwerkstradition
    kann man in vielen innungsstatuten nachlesen
    mal wieder das rad neu erfunden oder sonst nichts zu hypen?????

  2. Jan Rothenberger
    schrieb am 12. August 2009 um 21:28 Uhr (#)

    Social entrepreneurship ist tatsächlich kein neues Phänomen – ein gutes Beispiel aus der Geschichte ist etwa Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Dass das S.E. aber in den letzten Jahren neuen Schwung bekommen hat und zunehmende Aufmerksamkeit auch in den Wirtschaftswissenschaften zugedacht bekommt, scheint uns ein Blick auf dieses Feld wert. Warten Sie doch unsere weiteren Beiträge ab, da wird die Diskussion dann konkreter.

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