Pearltec:
Styroporkügelchen für die Medizin

Simon Wüthrich, 23. Juli 2009 07:40 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Mit Styroporkügelchen gefüllte Kissen können die Qualität einer Computertomografie oder einer Magnetresonanztomografie deutlich verbessern. Die Jungunternehmer des ETH-Spin-offs Pearltec AG wollen noch 2009 solche Kissen auf den Markt bringen.

Die Idee ist bestechend einfach: Wenn ein Gegenstand, der fotografiert werden soll, ruhiger liegt, wird die Fotografie schärfer ausfallen. Das gilt in gewisser Weise auch für Patienten, die in einem Computertomografen oder Magnetresonanztomografen untersucht werden müssen. Liegen sie ruhiger, gibt es auf den erzeugten Bildern weniger so genannte Artefakte, das heisst Bildstörungen. Pearltec AG hat eine bestechend einfache und für den Patienten komfortable Lösung entwickelt, um die durch Bewegung des Patienten entstehende Artefakte zu minimieren.

Wie ein IKEA-Sitzsack

Am Venture Summit 2009 erklärte mir Pearltec-CEO Patrizia Fischer, wie die Produkte der Vier-Mann-Firma – neben Patrizia sind Thomas Müller, Mario Schmuziger und Christoph Schröter mit an Bord – funktionieren: Um beispielsweise den Kopf eines Patienten zu fixieren, wird diesem eine Kappe angelegt, die aus einer aufblasbaren Hülle und kleinen, mit Styroporkügelchen gefüllten Stoffsäckchen besteht. Wird nun Luft in die Hülle gepumpt und damit Druck auf die Stoffsäckchen ausgeübt, passen sich die Kissen der Kopfform des Patienten an und verhärten sich. Dabei ist der Druck gross genug, dass der Patient sich nicht mehr allzu leicht bewegen kann und gering genug, dass der Druck nicht unangenehm wird. Nach demselben Prinzip funktionieren Vorrichtungen für Arm, Knie und andere Körperteile.

Überzeugungsarbeit

Das Prinzip hat die Jury des Venture Kick überzeugt. Die Stiftung Venture Kick unterstützt Pearltec mit insgesamt 130’000 Franken. Die finanzielle Unterstützung sei sehr wichtig gewesen, betont Patrizia beim Mittagessen in der Mensa. Das reduziere den Druck auf die Jungunternehmer. Als ebenso wichtig schätzt sie die Erfahrung ein, die sie dank des KTI-Förderprogramms Venturelab sammeln konnte – 2008 reiste sie im Rahmen des Programms Venture Leaders mit 19 weiteren Jungunternehmern nach Boston zu einem Intensiv-Workshop. Die Programme des Venturelab hätten ihr grundlegendes betriebswirtschaftliches Wissen in kurzer Zeit vermitteln können. Zu guter Letzt weist Patrizia darauf hin, dass sie den KTI-Coaching-Prozess CTI Start-up erfolgreich durchlaufen und im April 2009 das KTI-Label erhalten habe.

Kurz vor Markteintritt

Noch 2009 wird Pearltec erste Vorrichtungen verkaufen. Das Feedback zu den Prototypen stimmt Patrizia zuversichtlich. Radiologen, die mit den Kissen gearbeitet haben, hätten bestätigt, dass sie Zeit und Kosten sparten und bessere Ergebnisse erzielten. Wie aber will die Pearltec AG Geld verdienen in der kleinen Nische, die sie sich ausgesucht hat? Einerseits wollen die Jungunternehmer ihr Produkt international vertreiben. Andererseits sind die Vorrichtungen, besonders die Kissen, begrenzt haltbar. Pearltec wird seine Abnehmer langfristig mit Nachschub versorgen können. Damit keiner auf die Idee kommt, die einfache Lösung zu klauen, hat Pearltec das Prinzip, das auch in anderen Anwendungsbereichen eingesetzt werden könnte – ob es wohl dereinst mit Styroporkügelchen gefüllte Skischuhe gibt? –, mit Hilfe der Technologietransferstelle ETH Transfer patentieren lassen.

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