Fabio Cavalli:
Open Source nimmt die Angst

Ein Biotech-Unternehmen als Open-Source-Projekt: Wie geht sowas, und was ist das Geheimnis des Geschäftsmodells? Fabio Cavalli hat dazu am Venture Apero in St. Gallen ein paar Merksätze geliefert.

Fabio Cavalli, CEO von Mondobiotech, am Venture-Apéro in St. Gallen (© PS)

Fabio Cavalli, CEO von Mondobiotech, am Venture-Apéro in St. Gallen (© PS)

“Alle glauben, etwas brandneues machen zu müssen. Das ist ihr erster Fehler”, sagte Cavalli, CEO und Gründer der Mondobiotech, dem “Open Source”-Biotech-Unternehmen, das aus frei verfügbaren Informationen und Forschungsarbeiten über Eiweisse ganz ohne Labors neue Stoffe gegen seltene Krankheiten entwickelt.

Statt einfach eine Firmenpräsentation abzuspulen, liess sich Cavalli vor rund 80 Personen von Simon May vom veranstaltenden Institut für Junguntenehmen* zu einzelnen Stichworten befragen, wobei die Apéro-Teilnehmer immer wieder zu Fragen Gelegenheiten erhielten.

So sagte Cavalli,

Zu Innovation und dem Drang zum Neuen:

Cavalli wartet auf Fragen aus dem Publikum (© PS)

Cavalli wartet auf Fragen aus dem Publikum (© PS)

“Was ist denn Innovation? Ich muss kein sechsrädriges Auto entwickeln. Es reicht, wenn ich bereits vorhandene Information und Stoffe nehme und damit Medikamente entwickle.”

Zu seiner Seriengründung: “Jede Firma gleicht der vorherigen – man braucht bloss andere Spezialisten.” Aber: “Mit Amateuren geht es nicht mehr – da wird man zum Bastler.”

Zugleich liess Cavalli wenig Zweitfel daran, was er von der aktuellen “Schnell gründen, schnell verkaufen”-Mentalität hält: “Früher hat die Schweiz Marken hervorgebracht. Heute muss alles von Anfang an International sein.” In den neuen Firmen fehle die Zeit, zu denken. “Ich bin ein Trainer. Ich suche die richtigen Spieler. 90 Prozent meiner Arbeit besteht aus Kreativität.” Er nehme sich Zeit zum denken, sagte Cavalli: “Wer sich zu sehr auf einzelne Ziele fokussiert, kann keine mutigen Entscheidungen treffen.”

Zum Businessmodell:

Der Mehrwert, den Mondobiotech schafft, bestehe darin, die Spezialisten zu finden. “Das ist dank Internet weltweit möglich.”

“Open Source” sei das, weil Mondobiotech aus vorhandenen Forschungspapieren und Informationen über Eiweisse ohne Labors, sondern nur aufgrund der vorliegenden Informationen Medikamente gegen seltene Krankheiten entwickelt. “Unser Vorsprung besteht unter anderem darin, dass die Leute noch immer nicht verstehen, was wir eigentlich machen.” 112 Produkte habe Mondobiotech in der Pipeline.

Zum Wettbewerb:

Co-Gründer Dorian Berenc...

Co-Gründer Dorian Berenc...

...Simon May und Fabio Cavalli. (© PS)

...Simon May und Fabio Cavalli. (© PS)

“Anfangs habe ich mich ein wenig gefürchtet, weil wir keine Konkurrenz hatten – wenn sie so allein da stehen, kann es gut sein, dass es daran liegt, das ssie grade einen radikalen Fehler machen…

Aber Konkurrenz ist für ihn kein Grund mehr zur Beunruhigung: “In der Open-Source-Welt muss sich niemand mehr vor Konkurrenz fürchten, das unterscheidet sie von der alten, der Closed-Source-Welt.”

Wenn jemand anderes einen Stoff vor Mondobiotech entwickle und damit Leben rette, denn “freuen wir uns. Es gibt mehr als genug Möglichkeiten für uns.” Ausserdem, sagte der erfolgreiche Unternehmer, sei Geld inzwischen nur noch der Treibstoff für die Unternehmung, aber kein persönlicher Antrieb mehr.

Vor den grossen Pharmafirmen fürchtet sich Cavalli schon gar nicht. “Wenn Apple nächstes Jahr eine Pharmafirma gründen würde, wäre das beunruhigend. Aber Novartis kann das gar nicht, was wir tun.” Mondobiotech sei mehr eine Internet- als eine Biotechfirma.

Gemäss Cavalli und seinem in St. Gallen ebenfalls anwesenden Co-Gründer und Forschungsleiter Dorian Bevec interessieren sich die grossen Konzerne schon mal gar nicht fürdas Material, das sie bearbeiten, weil das Marktpotenzial für ihre Begriffe zu klein ist.

Zu Fehlern und Problemen:

Eine Firma ist ein konstanter Betatest. Wenn sie keine Fehler machen, arbeiten sie nicht.” Er frage sich jeden Tag nach den Problemen, sagte Cavalli. “Die Dinge, die Funktionieren, um die muss ich mich nicht kümmern.”

Perfekte Firmen gebe es nicht. “Die UBS war eine perfekte Firma. Theoretisch.” Er sei selber nicht perfekt. Er sei mit der Beantwortung von E-Mails um Wochen hinterher. “Aber was wollen Sie: Eine gehaltvolle Antwort von mir, oder eine schnelle?”

* Das Institut für Jungunternehmen ist startwerk.ch-Partner.

 

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