Geschäftsidee:
Probleme lösen

Peter Sennhauser, 30. März 2009 05:03 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Die besten Geschäftsideen haben Leute, die nicht über ein Geschäft, sondern über ein Problem nachdenken.

Wer weiß, wie mühsam es ist, für, sagen wir, einen Briefkasten oder eine Trocknerspinne im Garten ein Fundament zu legen, der erkennt sofort das Potential hinter Klaus’ Krinners Schraubfundamenten.

Dabei handelt es sich eigentlich einfach um überdimensionierte Dübel oder Hohlschrauben von bis zu 3.5 Metern Länge – aus Plastik oder Stahl:

“Wahnsinn”, sollen die ersten Bekannten gesagt haben, denen Krinner seine Erfindung Mitte der neunziger Jahre vorführte (die Geschichte war in Brand Eins zu lesen). Und wenn man jemandem eine Problemlösung zeigt und der “Wahnsinn” sagt, dann ist klar, dass die Idee gut ist, meint Klaus Krinner.

Das gilt mit Sicherheit, wenn alle, denen man die Problemlösung zeigt, “Wahnsinn” sagen. Und wer würde das angesichts der Schrauben nicht tun: Statt Stundenlang Löcher zu graben, Zement anzuschleppen, zu mischen und das Fundament zu gießen, es tagelang trocknen zu lassen und dann, wenn man den Sockel loswerden will, einen Presslufthammer besorgen zu müssen, sind Krinners Schraubfundamente in Minuten im Boden versenkt. Mit Muskelkraft im Fall der kleineren Modelle, mit speziellen Eindrehmaschinen die längeren. Und wenn die Installation entfernt werden muss, kann sie rückstandfrei in der gleichen kurzen Zeit aus dem Boden herausgedreht werden.

Das ist ein Geschäft, weil damit Zeit und Kosten gespart werden können (und die Umwelt wenger belastet wird). Aber es ist vor allem ein Geschäft, weil es eine bessere Lösung für ein häufiges Problem ist. Und darum ging’s Klaus Krinner, als er die Schraube erfand: Sein eigenes Problem zu lösen. Das Geschäft kommt danach von selbst (ok, das ist wohl eine unzulässige Vereinfachung).

Aus der Geschichte hat Patrick Stähler von Fluidminds.ch einige einfache Regeln abgeleitet:

  • Frag nicht die Kunden nach den Produkten, die sie haben möchten, sondern finde heraus, welche Probleme sie lösen wollen.
  • Segmentiere Deinen Markt nach Art und Grösse der Problemstellung. Eine Suche nach Marktmöglichkeiten in den von der Bodenschraube betroffenen Segmenten (Spaten, Zement, Baumaschinen) hätte niemals zum Produkt geführt.
  • Löse schliesslich das Problem deiner Kunden auf einfachere und effizientere Weise. Sorg dafür, dass die Lösung keine neuen Probleme schafft.

Ja, so einfach geht das. Natürlich ist nicht jedes Geschäft auf einer solch zentralen Idee und purem Ingenieurdenken aufgebaut, aber mindestens im Fall von Produkten für die Lösung einer Aufgabe lässt sich der Regelsatz anwenden. Aber man muss sie gar nicht einzeln überprüfen. Meistens reicht es, wenn der erste Gedanke angesichts eines Produkts “Wahnsinn!” ist.

Das bringt uns zum Schutz dieser Ideen – dem Patent. Ich möchte mich nächstens damit ein wenig auseinandersetzen und wäre dankbar für Input. Am liebsten per Email:

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3 Kommentare

  1. Enno Schummers
    schrieb am 30. März 2009 um 10:42 Uhr (#)

    Toller Beitrag, gerne mehr aus der Praxis! Vll Serie zu Problem+Lösung=Geschäft oder auch Problem+Lösung=KeinGeschäft

  2. bugsierer
    schrieb am 30. März 2009 um 13:52 Uhr (#)

    der erste satz ist wunderbar. man kann ihn auch auf andere gebiete umlegen:

    Die besten Musikideen haben Leute, die nicht über einen Hit, sondern über einen Song nachdenken.

  3. Patrick Stähler
    schrieb am 30. März 2009 um 19:39 Uhr (#)

    Ich suche weitere Unternehmen, die ein bestehendes, aber ungenanntes Problem gelöst haben? Bitte einfach hier im Blog als Kommentar hinterlassen.
    Danke! Patrick

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