Unternehmer-Risiko (II):
Der Faustregeln zweiter Teil

Das Risiko einer Firmengründung ist nicht ohne weiteres abzuschätzen. Aber einige Erfahrungen und Statistische Werte helfen, übertriebene Befürchtungen zu überwinden.

Im ersten Posting über Faustregeln zum Unternehmerrisiko haben wir die Erfolgsquote, den Einfluss der gewählten Branche und die Chance auf Risikokapital beleuchtet. Hier betrachten wir die Aussichten auf einen Börsengang und den “Exit”. Als Fazit lässt sich zusammenfassen, dass das unternehmerische Risiko bei einer Neugründung tatsächlich hoch ist, aber die Erfolgsquote wohl höher ist als allgemein angenommen.

Auf dem Weg zum Ziel erweist sich so mancher vermeintliche Felsbrocken als Kieselstein – und umgekehrt. Wie also stehen die Chancen auf einen Börsengang:

4. Von zehn VC-finanzierten Firmen geht nur eine an die Börse.

Auch das ist eine langjährige Binsenwahrheit in der Startup-Szene: Von den wenigen Firmen, die nach einem langen Selektionsprozess tatsächlich VC-Geld erhalten, schaffen im Durchschnitt nur 10% den ganzen grossen “Exit” — einen Börsengang (IPO).

6 von zehn finanzierten Firmen gehen sang- und klanglos pleite, und die restlichen drei werden verkauft, was den VCs und Gründern meistens wenigestens auch etwas Geld einbringt, wenn auch deutlich weniger als ein IPO.

Warum sind die Pleitequoten auch bei VC-finanzierten Gesellschaften so hoch? Der Hauptgrund liegt darin, dass VCs gern in grosse, risikoreiche Ideen investieren, und weniger in sichere, aber weniger potentialhaltige Unternehmen. VC-Geld erhöht also die Erfolgschancen eines Startups keineswegs, sondern kann lediglich das potentiell beste Ergebnis vergrössern.

5. Aus 1’000’000 Geschäftsideen werden nur 6 zu börsennotierten Unternehmen.

Diese Faustregel von Startup-Guru John Nesheim muss man inzwischen wohl sogar noch etwas nach unten korrigieren, denn die Börse wird sich wohl auch in den nächsten Jahren vorsichtiger verhalten. Wer sich also schon in den Fussstapfen von Bill Gates sieht, sollte sich darüber klar sein, dass die Chance auf einen Börsengang nicht wahnsinnig gross ist.

Andererseits: Sie liegt fast 50mal höher als die Chance, im Schweizer Zahlenlotto einen 6er zu erzielen. Ist ja auch was.

6. Bei “Exits” ist die Streuung der Resultate extrem gross.

Die meisten guten Unternehmer gründen ihre Firmen nicht mit der Absicht, sie möglichst teuer zu verkaufen. Aber gerade bei schnell wachsenden Technologieunternehmen kommt meistens früher oder später der Zeitpunkt, wo bei den Gründern die Kasse klingelt, weil das Unternehmen verkauft wird oder gar einen Börsengang schafft – im Investorenslang nennt man das “Exit”. Die Vorstellungen darüber, was die Gründer in diesen Fällen an finanziellem Segen erwarten können, sind oft aber recht unrealistisch.

Ein häufig zitierter internationaler Durchschnittswert mag darum erschreckend niedrig klingen: Der Gründer-CEO eines Technologieunternehmens kann bei einem Börsengang (der, wie oben beschrieben, selten genug vorkommt) mit einem Wert seines Firmenanteils von durchschnittlich 5 Millionen Dollar rechnen.

Während das eine durchaus ansehnliche Summe ist, wird es einen nicht auf die Liste der reichsten Bürger seines jeweiligen Landes bringen. Um die vorgenannten Statistiken nochmal zusammenzufassen: Nur sechs von einer Million Geschäftsideen schaffen es an die Börse, und im Durchschnitt bekommt der Gründer eines dieser sechs Top-Startups gerade mal 5 Millionen. Wer was von Statistik versteht, kann sich den erschreckend niedrigen Erwartungswert ausrechnen. Bei den Firmen, die “nur” gekauft werden und es nicht an die Börse schaffen, liegt der Wert natürlich noch niedriger.

Warum sollte bei solchen Aussichten überhaupt jemand eine Firma gründen? Nun, was der Durchschnittswert nicht ausdrückt, ist die enorm grosse Streuung der Exit-Resultate. Bei Firmen, die viel externes Kapital aufgenommen haben, aber nur einen kleinen Exit schaffen, kann es durchaus sein, dass die Gründer fast ganz leer ausgehen. Umgekehrt gibt es gelegentlich Startup-Käufe im Milliardenbereich (Youtube beispielsweise) und IPOs, bei denen die Gründer über Nacht zu Milliardären werden (Google, Yahoo, etc.).

Fazit

Ganz offensichtlich ist unternehmerisches Risiko eine Realität, wenn es auch anders verteilt ist, als die meisten Leute denken. Eine passabel florierende Firma hinzukriegen, ist durchaus mit einer respektablen Erfolgsquote machbar. Die nötige Finanzierung für grössere Projekte zu finden, ist schon deutlich schwieriger, und selbst ein VC-Investment ist keinesfalls ein Erfolgsgarant. Die Chancen aber, in die ganz grosse Liga der Superunternehmer aufzusteigen, sind sehr, sehr gering.

Natürlich kommt es äusserst selten vor, dass jemand den unternehmerischen Riesen-Jackpot knackt, aber von genau so einem Haupttreffer träumen viele Unternehmer. Risikofreude ist nun mal genau so definiert, dass man der (geringen) Möglichkeit, es ganz gross zu schaffen, mehr Wert beimisst als einem sicheren, aber bescheidenen Resultat.

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1 Kommentar

  1. Daniel Niklaus
    schrieb am 19. März 2009 um 18:45 Uhr (#)

    Im Januar 2009 wurden 1’813 Firmen gegründet. Beachtliche 100’318’500 Millionen Kapital stecken da drin – 90% liberiert. Durchschnittlich sind das 55’333 Franken pro Firma.

    Von den 1’813 Firmen sind wahrscheinlich die Hälfte Briefkastenfirmen oder Firmen die schon länger bestanden und jetzt “endlich” eingetragen wurden oder ein neues Rechtskleid bekamen.

    609 Firmen sind Einzelfirmen. Also Leute die sagen, ich versuch es “auf gut Glück” und wenig nennenswertes Kapital einschiessen.

    Die meisten Firmen, 168, bieten Unternehmensberatung und PR an. Gefolgt von 96 Speise-Restaurants! 89 Dienstleistern Allgemein und 60 Investmentgesellschaften.

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