Schweizer Gründer im Ausland:
Warum in die Ferne schweifen?

Nico Luchsinger, 17. März 2009 07:05 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Auch Startups werden internationaler, und Schweizer Gründer zieht es öfter mal ins Ausland. Welche Erfahrungen machen Jungunternehmer, die ihr Glück fernab der Heimat versuchen?

Schweizer Gründer im Ausland: Marc Bernegger, Adrian Locher, Adrian Hilti (v.l.n.r.) (Bilder zvg)
Schweizer Gründer im Ausland: Marc Bernegger, Adrian Locher, Adrian Hilti (v.l.n.r.) (Bilder zvg)

Die meisten Länder behaupten von sich, ein ideales Umfeld für Startups zu bieten. “Entrepreneurship” ist nicht nur cool geworden, sondern kann ein entscheidender Standort-Faktor werden. Auch die Schweiz macht da keine Ausnahme: Standort-Marketing-Verantwortliche landauf und landab loben die tiefen Steuern, das vorteilhafte Arbeitsrecht und die qualifizierten Arbeitskräfte.

Und trotzdem gibt es Schweizer, die es vorziehen, ihr Gründer-Glück im Ausland zu versuchen. Gesicherte Statistiken über ihre Zahl gibt es keine, und auch Schätzungen sind wohl kaum möglich. Startwerk.ch hat deshalb drei Schweizer Gründer über ihre Erfahrungen im Ausland befragt.

Zunächst das Offensichtliche: Die Gründe, welche die Unternehmer ins Ausland ziehen, sind vielfältig: Weil ausser ihm alle Mitgründer Deutsche sind, befindet sich der Hauptsitz von Marc Berneggers Unternehmen Amiando konsequenterweise in München. Und Adrian Hilti studierte in Madrid, als er mit seinem Geschäftspartner die Idee zur Online-Sprachplattform Busuu hatte. Sie entschieden sich, das Unternehmen gerade in der spanischen Hauptstadt zu gründen. Es gibt aber auch handfestere Gründe: Adrian Locher hat die Aktivitäten seines Startups Smaboo nicht zuletzt wegen des viel grösseren deutschen Marktes nach Berlin verlegt (auch wenn der rechtliche Sitz in Zürich bleibt). Den besseren Marktzugang erwähnt auch Marc Bernegger von Amiando. “Die Web-Szene ist in Deutschland zudem einiges weiter als in der Schweiz”, sagt er.

Billigere Arbeitskräfte – und dazu erst noch motivierter

Neben dem grösseren Pool an potentiellen Kunden erwähnen die ausgewanderten Jungunternehmer auch den Arbeitsmarkt als Vorteil. Besonders die tiefen Lohnkosten im Vergleich zur Schweiz machen den Gründern das Leben leichter – auch wenn Adrian Hilti einschränkt, es sei nicht ganz leicht, in Madrid gut ausgebildete und Englisch sprechende Fachkräfte aufzutreiben. Auch die Motivation der Mitarbeiter spielt eine Rolle: In Deutschland sei die Bereitschaft, für ein Startup zu arbeiten, viel grösser, sagt Marc Bernegger – und Adrian Locher ergänzt, die Leute seien geradezu hungrig nach Erfolg.

Locher betont auch speziell das in Berlin herrschende “Gründerklima” an: “Die Dichte an Gründern und Startups ist in Berlin einfach unvergleichlich hoch. Man hat manchmal das Gefühl, Berlin besteht nur aus Gründern.” Dieser Umstand habe zwar auch Nachteile, aber insgesamt sei das Umfeld sehr inspirierend. Locher sieht dieses Klima durchaus auch in der Schweiz, allerdings nur beschränkt an Orten wie etwa dem Zürcher Technopark. Denn damit  eine ganze Stadt vom Gründerfieber erfasst werden könnte, müssten die Lebenskosten hierzulande deutlich tiefer sein.

Stress im Behördendschungel

Gut kommen im Vergleich mit dem Ausland die Schweizer Behörden weg: Adrian Hiltis erster Gründungsanlauf in Madrid scheiterte, weil der Notar den Firmennamen falsch schrieb. In Deutschland, sagt Marc Bernegger, würden Unternehmer vom Staat viel zu wenig geschätzt und geschröpft; die Steuerbelastung sei “katastrophal”.

Als wirklich ausgewandert betrachtet sich keiner der Jungunternehmer; alle betonen ihre bestehenden Verbindungen zur Schweiz. Konsequenterweise könnten sie sich auch vorstellen, dereinst als Unternehmer in ihre Heimat zurückzukehren. “Die Schweiz bietet sehr gute Möglichkeiten für junge Unternehmen”, beteuert Adrian Hilti. Aber er fügt auch hinzu: “Alles zu seiner Zeit.”

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11 Kommentare

  1. David
    schrieb am 17. März 2009 um 15:13 Uhr (#)

    Ich habe bei der Gründung meiner Firma (in der Schweiz) keine grossen Probleme mit den Behörden gehabt. Man muss sich zwar die Informationen oft selber aus dem Internet zusammensuchen weil die oft nicht so toll Auskunft geben können. Wenn man aber weiss was man will, dann klappt es eigentlich ganz gut.

  2. Simon Wüthrich
    schrieb am 17. März 2009 um 16:09 Uhr (#)

    Ein anregender Blogpost. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob Institutionen wie Science City die Attraktivität des Standorts Schweiz steigern können und ob die von vielen internationalen Grosskonzernen gelobte hohe Lebensqualität in der Schweiz für Jungunternehmer keine Rolle spielt?

  3. Andreas
    schrieb am 17. März 2009 um 16:14 Uhr (#)

    Erstaunlich, dass es nur gerade drei (!!!) Schweizer gibt, welche mit Startups im Ausland erfolgreich sind (und alle in Europa). Wieso wagen nicht mehr Unternehmer den Sprung über die Grenze?

  4. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 17. März 2009 um 22:13 Uhr (#)

    @Andreas:

    Erstaunlich, dass es nur gerade drei (!!!) Schweizer gibt …

    Wer behauptet denn sowas? Im Text heisst es, wir haben drei befragt, nicht “die” drei.

  5. jobluigi.ch
    schrieb am 18. März 2009 um 00:12 Uhr (#)

    Interessanter Aspekt einmal anders beleuchtet. Finde auch, dass das Gründerklima in der Schweiz etw. fehlt.

    Luigi

  6. Andreas
    schrieb am 18. März 2009 um 08:47 Uhr (#)

    Würde in dem Fall gerne noch ein paar weitere Namen von Schweizer Gründern, welche im Ausland erfolgreich sind, lesen…

  7. Schreibt hier auf dem Blog Nico Luchsinger
    schrieb am 18. März 2009 um 09:06 Uhr (#)

    @Andreas: Ja, es gibt sicherlich noch mehr Schweizer Unternehmer im Ausland. Wir bleiben am Ball und machen dann mal noch eine Fortsetzung zu diesem Artikel. Für Inputs sind wir in der Zwischenzeit natürlich dankbar!

  8. Schreibt hier auf dem Blog Nico Luchsinger
    schrieb am 18. März 2009 um 09:11 Uhr (#)

    @Simon: Solche Einrichtungen sind sicher ein Standort-Faktor. Dass etwa die gut ausgebildeten ETH-Absolventen für den Standort Zürich sprechen, hat Dominik Grolimund von Wuala in einem früheren Artikel von mir explizit erwähnt. Ich glaube auch, dass die Lebensqualität einen Einfluss hat – wobei halt Jungunternehmer im Gegensatz zu Grossfirmen noch eher auch auf die Lebenskosten schauen.

  9. cornelia
    schrieb am 18. März 2009 um 22:42 Uhr (#)

    ich denke auch, dass die Lebenshaltungskosten bei Gründern – die sich ja oft nicht mal ein Gehalt auszahlen – hier ein ganz wichtiges Kriterium sind.

    so kann ich in Berlin von dem Geld, dass ich pro Monat an Miete im Vergleich mit Zürich spare, 2-3 Praktikanten für mein Startup bezahlen. und das macht für eine kleine Firma einen großen Unterschied.

  10. Perti L.
    schrieb am 19. März 2009 um 09:04 Uhr (#)

    Das stimmt. Andererseits liefert der Unternehmer in Deutschland wiederum deutlich mehr an den Fiskus ab als in der Schweiz, spätestens dann wenn die Firma Erfolg hat lohnt sich ein Wechsel in die Schweiz wieder… ;)

  11. Tom
    schrieb am 21. März 2009 um 18:36 Uhr (#)

    Zeigt es den Deutschen! ;)

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