Die Dauerkrise links liegen lassen:
Wann gründen, wenn nicht jetzt?

Nicht «trotz», sind «weil»: Krisenfestigkeit liegt in der DNA guter Startups.

Ungewisse Zukunft, düstere Wirtschaftsprognosen, Berichte über kriselnde Branchen: Es scheint, das Gründen eines Startups sei gerade jetzt eine Schnappsidee.

Wie soll sich ein kleines Startup schon behaupten in diesem Umfeld – wenn allen Akteuren das Wasser bis zum Hals steht, oder sie das zumindest behaupten? Arbeitsplätze wandern ab, Firmen beklagen die Frankenstärke und sparen Stellen, Staaten ächzen unter ihren Schulden und treten auf die Ausgabenbremse. Wer sich nicht schon an die laufenden Negativschlagzeilen gewöhnt hat, dem stehen beim Blick in die Wirtschaftspresse die Haare zu Berge.

Wenn etablierte Unternehmen zu kämpfen haben und Volkswirtschaften in Schieflage sind, liegt es nahe, traditionell sichere Jobs zu suchen. Diese Überlegung erscheint aber zunehmend angekratzt durch die Realität des Arbeitsmarkts. Paradox, aber wahr: eine unsichere Zukunft spricht nicht gegen Startupvorhaben, sondern dafür.

«Hoffentlich erwischt es jemand anderes»

In der Startupkultur hat sich seit dem Dotcom-Boom viel verändert. Ein haushälterischer Umgang mit Geld gehört zum guten Ton. Konzepte wie Bootstrapping haben dafür gesorgt, dass Gründen mit kaufmännischem Sachverstand mehr und mehr zur DNA von Startups gehört, also sparsam, mit wenig Ressourcen. Egal, welcher Philosophie man als Gründer folgen will – Lean Startup, Gründen mit Komponenten, Customer Development: Entwicklung mit Kundenfokus und die Idee «nur soviel Produkt wie nötig» sind zum Standard geworden.

Das und andere Faktoren sorgen dafür, dass Startups robustere Unternehmen sind als ihre etablierten Wettbewerber. Gründer haben gelernt, sich veränderten Bedingungen anzupassen. Damit bekunden etablierte Unternehmen mehr Mühe.

Auch aus Arbeitsplatzsicht ist ein Sprung ins Unternehmertum in wirtschaftlich schwierigen Zeiten oft die bessere Alternative. Schleichend haben Arbeitsplätze in grossen Unternehmen an Sicherheit eingebüsst. Der Finanzsektor hat gleich mehrfach Stellen gestrichen in der jüngsten Vergangenheit, ebenso die Pharmabranche. Also gerade Sektoren, die früher mit ihren hohen Löhnen und ihrem Prestige Sicherheit und ein dauerhaftes Einkommen garantierten. Es ist zum wiederkehrenden Muster geworden: Geht es geschäftsmässig abwärts, gibt es Sparrunden und Entlassungen. Eingeklemmt irgendwo in der Hierarchie kann der einzelne Angestellte den allgemeinen Geschäftsgang nicht beinflussen. Ihm bleibt bloss zu hoffen, dass das Sparlos auf eine andere Abteilung fällt: «Puh, hoffentlich erwischt es jemand anderes.»

Gesucht: Spezialisten-Startups

Zugegeben: Investitionen sitzen nirgends locker. Aber Finanzierungsrunden des letzten Jahres zeigen, dass in unsicheren Zeiten trotzdem Geld in Startups fliesst. Zum Teil gerade deswegen, weil andere Geldanlagen gefragt sind als börsenkotierte Unternehmen. Das ist kein simpler Peptalk-Beitrag: Auch Gründen bringt Risiken mit sich. Natürlich kann ein Startup in die Binsen gehen. Was man dann aber als Gründer nicht erlebt, sind die Abhängigkeit und Trägheit, die man in einem grossen Unternehmen meistens vorfindet, verbunden mit der fehlenden Chance, etwas zu beeinflussen.

Es ist nicht von der Hand zu weisen. Die Wirtschaft befindet sich in einer Weise im Umbruch, die wir erst in Zukunft ganz überblicken werden. Bis jetzt zeigen sich nur erste Vorboten dessen, was künftig gefragt sein wird, nämlich mehr Spezialisierung, Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit. Ein Profil, dass zugeschnitten ist auf die Qualitäten guter Startups, die mit wenig Investitionskosten, flexiblen Modellen und dank laufend kleineren Einstiegshürden ihre Nischen professionell beackern.

(Bild: stock.xchng/lusi)

 

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