Kein «one size fits all»:
Personalisierte Pitches bringen mehr


Im aktuellen Startup-Diary schreibt unser Gastautor über die Erkenntnis, dass jede Pitchgelegenheit Gold wert ist und die Erklärung des eigenen Startups stets zum Gegenüber passen sollte. Den einen, idealen Pitch gibt es nicht.

Gastbeitrag von Garry Spanz, Mitgründer Linksert

Wer ein Startup gegründet hat, weiss wovon ich spreche. Mit solche Fragen ist man immer wieder von verschiedenen Seiten konfrontiert. «Was ist das denn? Wie funktioniert das?» Oder: «Was tut ihr denn da eigentlich?»

Dies mag zwar manchmal lästig sein, ist aber eine einmalige Chance, sein Startup zu vermarkten und das Gegenüber von der eigenen Idee zu überzeugen – quasi ein ultimativer und kontinuierlicher Unternehmercheck.

Auch wenn meine internetlose Tante sicher nie eine Kundin unseres Affiliate-Marketing-Startups sein wird und sich die Clubbekanntschaft wohl kaum an jedes Detail unseres Gesprächs erinnern wird, ist es doch wichtig, einen klar formulierten Pitch griffbereit zu haben.

«Warum sich die Mühe machen?» mag sich der eine oder andere Leser Fragen. Dafür gibt es zwei gute Gründe:

  1. Als Gründer sollte man für jede Möglichkeit dankbar sein, seinen Pitch zu üben und zu verbessern.
  2. Man weiss nie, was aus einem Gespräch entstehen kann. Es mag zwar sein, dass die internetlose Tante nie Kundin wird, aber vielleicht ist ja ihre beste Freundin zufällig die Frau des favorisierten Business Angels.

Dabei genügt es nicht, sich bloss eine einzige Antwort zurechtzulegen, es kommt auf die Fragesteller an. Es ist peinlich, jemandem mit Vorkenntnissen mit allzu simplen Beispielen zu kommen oder umgekehrt: vor einer ahnungslosen Person komplexe Sachverhalte auszupacken. Eine unpassende Ansprache, basierend auf falscher Einschätzung oder unzureichender Differenzierung des Gegenübers, geht meist daneben. Daher verschaffen wir uns zunächst eine Vorstellung des Fragesteller und seiner Vorkenntnisse und versuchen, für jeden Typ eine Antwort auszuformulieren. Je knapper und klarer der Pitch ist, desto besser. Bei Personen mit wenigen Vorkenntnissen sind Beispiele hilfreich. Auch wichtig ist, ihnen aufzuzeigen, inwiefern sie aus deinem Startup einen Nutzen ziehen können. Bei Kandidaten mit vielen Vorkenntnissen stellen wir dar, was das Startup von anderen absetzt und wo die Vorzüge liegen. (Tipp: Überleg dir eine Headline, die sich im Kopf deiner Gesprächspartner einprägen soll.)

Hier zwei Beispiele, wie wir bei Linksert die Frage «Was machen wir eigentlich?» unterschiedlich beantworten.

Für die Bekanntschaft im Club:
Stell dir vor, du hast einen Blog über Klamotten. Du schreibst über die neuesten Trends und empfiehlst mit Links zum Beispiel coole Jacken. Diese Empfehlungen sind Werbung! Wenn du diese Links bei Linksert.net mit nur einem Klick in Partner-Links umwandelst, dann kannst du dadurch Geld verdienen.
Diese Anspruchsgruppe zählt zu den Amateuren, was die Angebote des eigenen Startups und konkurrierende Lösungen angeht. Hier ist es wichtig, den Gesprächspartner nicht mit Fachbegriffen oder technischen Details zu überfordern. Da er oder sie sich wahrscheinlich sowieso nur zwei bis drei Kernaussagen aus dem Gespräch merken kann, ist es wichtig die Pitch  auf die Kernleistung des eigenen Produkts einzudampfen. Die Vorteile im Vergleich zur Konkurrenz zum Beispiel kann man sich schenken.

Für einen Affiliate-Marketing-Blog:
Linksert hat mit über 18’000 Online-Partnern nicht nur eine der grössten Auswahl an Online-Stores, sondern es ist auch noch leichter zu bedienen als alle bisherigen Affiliate-Seiten. Einfach mit einer E-Mail-Adresse, einem Facebook- oder Twitterkonto anmelden und Links umwandeln – so simpel ist es.
Diese Anspruchsgruppe zählt zu den professionelleren Kontakten, die bereits ein Verständnis der Branche und der Konkurrenzprodukte mitbringen. In solchen Gesprächen ist es essentiell, nicht bei Adam und Eva zu beginnen. Hier darfst du direkt mit dem nötigen Fachjargon aufzutrumpfen, um Glaubwürdigkeit zu schaffen und auf Wettbewerbsvorteile zu sprechen kommen.

Fragen über das eigene Startup richtig und verständlich beantworten zu können, sollte ganz am Anfang jeder Unternehmung stehen. Alle kommenden Anfragen sehen wir als Training zur Verbesserung des Pitches. Wichtig ist, alle Fragen ernst zu nehmen – man weiss nie, wie hilfreich die vor einem stehende Person noch sein kann.

In den Anfängen jedes Startups sollte man keine Möglichkeit verschlafen, für sich zu werben und seine Pitching-Kompetenzen auszubauen. Also bitte nicht rumstammeln, so dass dein Gesprächspartner nochmals nachfragen muss oder ihn plump auf eure Webseite verweisen. Stattdessen solltest du dir die Zeit nehmen, um vorbereitet zu sein. Dann kannst du schnell und professionell auch die scheinbar unbedeutendste Anfrage mit einem Leuchten in den Augen beantworten.

 

Mehr lesen

Der Film The Startup Kids: Unbekannte Stars

13.5.2013, 1 KommentareDer Film The Startup Kids:
Unbekannte Stars

Kino für Gründer: Vergangene Woche zeigte der Zücher Hub den Dokfilm The Startup Kids - eine Rezension. Zudem gab's einen Fotowettbewerb.

«Unsere Idee ist reif für ein grösseres Schwimmbecken»: 9 Fragen an Alexander  Mazzara von joiz

8.2.2013, 0 Kommentare«Unsere Idee ist reif für ein grösseres Schwimmbecken»:
9 Fragen an Alexander Mazzara von joiz

Kurze Fragen, kurze Antworten: Regelmässig stellt sich ein Startupper unserer Fragerunde. Diesmal dem Mitgründer des netzfaffinen TV-Senders joiz.

Sechs Tipps für Kunden- und Partnersuche: B2B-Sales für Startups

17.12.2012, 0 KommentareSechs Tipps für Kunden- und Partnersuche:
B2B-Sales für Startups

Kunden gewinnen als B2B-Startup: Unser Gastautor erklärt in sechs Tipps, welche Erfahrungen er in der Praxis gesammelt hat.

Tipps zur Messenpräsenz als Startup: Wann lohnt sich ein Messeauftritt?

15.4.2013, 1 KommentareTipps zur Messenpräsenz als Startup:
Wann lohnt sich ein Messeauftritt?

Praktisch jede Branche hat Ihre Messe und als Startup wird man von den Veranstaltern bald einmal umworben, Aussteller zu werden. Ob und wie man es tut, muss gut überlegt sein.

Startup-Videos: Wann sie sich lohnen und  wie man sie macht

21.3.2013, 0 KommentareStartup-Videos:
Wann sie sich lohnen und wie man sie macht

Spätestens der spektakuläre Erfolg des DollarShaveClub hat gezeigt, dass schon ein einzelnes Video einem Startup zum Durchbruch verhelfen kann. Doch junge Unternehmen sollten sich genau überlegen, wie sie am besten vorgehen.

Den ganzen Fernsehmarkt im Blick: Filmwords erklärt seine Pläne  rund um Social TV

21.2.2013, 0 KommentareDen ganzen Fernsehmarkt im Blick:
Filmwords erklärt seine Pläne rund um Social TV

Die Felder Social TV und Second Screen sind heiss umkämpft. Mit Filmwords tritt ein Startup auf den Plan, das mit seiner Plattform den Markt nachhaltig umkrempeln möchte.

Startup Weekend Zürich: Vier Projekte gekürt,  SportsNow gewinnt

22.4.2013, 1 KommentareStartup Weekend Zürich:
Vier Projekte gekürt, SportsNow gewinnt

Ideenwettbewerb im Technopark: An der Zürcher Ausgabe des Startup Weekends nahm SportsNow den Hauptpreis mit nach Hause.

ICT Investor\'s Day: Park it auf dem ersten Platz

5.3.2013, 0 KommentareICT Investor's Day:
Park it auf dem ersten Platz

Am achten ICT Investor’s Day durften iCompare, park it, MountainDayz und stablish.me präsentieren. Den Jurypreis nahm park it mit nach Hause.

Drei Büchertipps für Startup-Gründer: Vom Manual bis zum Ultimate Pitch

3.12.2012, 2 KommentareDrei Büchertipps für Startup-Gründer:
Vom Manual bis zum Ultimate Pitch

Das sollten Jungunternehmer gelesen haben: Aus der Masse erhältlicher Startupbücher haben wir die drei wichtigsten herausgesucht.

Es geht auch ohne mich: Vom Loslassen als Gründer

18.3.2013, 1 KommentareEs geht auch ohne mich:
Vom Loslassen als Gründer

Das Klischee sagt, dass ein Startup-Gründer rund um die Uhr für seine Firma verfügbar sein muss. Unser Gastautor erklärt, weshalb er damit nicht einverstanden ist und wie er als Gründer loszulassen versucht.

Von der Flirtplattform zur Plauderecke: Spocals Evolution anhand von Zahlen

7.8.2012, 0 KommentareVon der Flirtplattform zur Plauderecke:
Spocals Evolution anhand von Zahlen

Unser Gastautor gibt einen Einblick in die Kernzahlen des Webstartups Spocal und erklärt, wie die Gründer Designentscheidungen anhand auf der Basis von Daten treffen.

Kollaborationssoftware Podio: Must-have-Tool für CRM und mehr

7.5.2012, 3 KommentareKollaborationssoftware Podio:
Must-have-Tool für CRM und mehr

Zeiterfassung, CRM, Ticketing, Aufgabenplanung: Alles Aufgaben, die mit der passenden Software leichter von der Hand gehen. Unser Gastautor erklärt, für welche Lösung sich sein Startup entschieden hat.

Es geht auch ohne mich: Vom Loslassen als Gründer

18.3.2013, 1 KommentareEs geht auch ohne mich:
Vom Loslassen als Gründer

Das Klischee sagt, dass ein Startup-Gründer rund um die Uhr für seine Firma verfügbar sein muss. Unser Gastautor erklärt, weshalb er damit nicht einverstanden ist und wie er als Gründer loszulassen versucht.

Fehler, Erfolge, Widerstände: Lessons learned von mySwissChocolate

9.1.2012, 1 KommentareFehler, Erfolge, Widerstände:
Lessons learned von mySwissChocolate

Unser Gastautor schreibt über seine grössten Fehler, Erfolge, und welche Steine die Konkurrenz seinem Startup in den Weg legt.

Hürden der Finanzierung: Der Sprung in die nächste Phase

5.9.2011, 4 KommentareHürden der Finanzierung:
Der Sprung in die nächste Phase

«Kredit abgelehnt»: Unser Gastautor berichtet von den Schwierigkeiten, Finanzierung aufzutreiben und dem Identifizieren der eigenen Ziele.

2 Kommentare

  1. In der Tat eine gute Idee, allerdings genau gleich wie bei allen Kommunikationskanälen: Nach Zielgruppen segmentieren und jedes Segment gezielt ansprechen. Aber wie gesagt, ist auch eine Frage der Ressourcen, was bei Startups ja oft der Knackpunkt ist…

    • Hallo Martin,
      Was Marketing angeht, spricht Du einen sehr validen Punkt an. Das ist wohl auch einer der Hauptgründe, weshalb sich Lean Startups zunächst ein sehr wenige Lead User fokussieren und nicht á la Rocket Internet gleich aus allen (Online) Marketing-Kanonen schiessen ;)
      In dem Artikel habe ich mich lediglich auf das Gründerteam beschränkt, dass in jedem Fall in der Lage sein sollte, sein Startup zielgruppengerecht zu erklären…

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder