Small is beautiful:
Neue Börse für Startups?

Ab und zu ist es Zeit für einen Blick über den Tellerrand ins Ausland – so etwa, wenn es um Trends in der Startupfinanzierung geht. Börsengänge für junge Unternehmen sollen nämlich bald einfacher werden.

{blatantworld;http://www.flickr.com/photos/blatantworld/4149507876/;http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de}Der transatlantische New York Stock Exchange Euronext (NYSE) plant, ein neues Marktsegment für Startups und KMUs zu eröffnen, die Entrepreneurs Exchange. Diese Plattform soll Europas KMU offenstehen.

Die Ausgangslage: Zugespitzt gesagt tun Börsen mittlerweile nicht viel mehr, als Unsicherheit und Kosten zu erzeugen. Ihre eigentliche Aufgabe, Kapital für neue Unternehmen zu beschaffen, erfüllen sie schon lange eher schlecht als recht. Gerade Startups und kleine Unternehmen stehen gleichzeitig wenig sinnvolle Finanzierungsmöglichkeiten offen – Bankkredite etwa sind aufgrund angefressener Bilanzen durch die Finanzkrise und damit erhöhter Risiko-Aversion bei den Banken immer schwieriger zu bekommen.

«There is a real sense of frustration that not enough is being done in Europe to help SMEs.» – Fabrice Demarigny, Chairman of NYSE Euronext Strategic Planning Committee

Damit nun also neue Entwicklungen wie Crowdfunding den Börsen nicht für immer das Geschäft mit Startups versalzen (was zugegebenermassen unwahrscheinlich ist, da Crowdfunding ganz am Anfang und ein Börsengang später erfolgt), scheint die NYSE reagieren zu wollen, indem sie etwas ähnliches wie den Neuen Markt auferstehen lässt. Das war ein Segment der Deutschen Börse speziell für Startups und Firmen der New Economy. Er existierte von 1997 bis 2003 und hat in Zusammenhang mit der Dotcom-Blase auch private Anleger sehr viel Geld gekostet.

Bislang zu hohe Kosten

Das soll der neuen Handelsplattform nicht passieren. Als Vorbild gilt der JOBS-Act in Amerika. Gemeint ist der «Jump Start our Business Startups Act», der die Regeln erleichtert hat, nach denen kleine Unternehmen sich Geschäftskapital beschaffen können. Das scheint in Europa auch nötig zu sein, denn in einem der letzten Börsensegmente für kleine Unternehmen und Startups, AIM an der Londoner Börse, sind in diesem Jahr 34 neue Aktien aufgenommen worden – gleichzeitig haben sich 63 Unternehmen von AIM zurückgezogen. 2006 wurden in AIM fast 1’700 Firmen gehandelt, heute sind es nur noch knapp 1’100, so die Financial Times.

Das Problem sei, dass die Kosten eines Listings an einer Börse für kleine Unternehmen zu hoch sind. Wegen der wenigen Anteile und der seltenen Trades seien diese ausserdem für die Broker und Börsen wenig rentabel. Diese Probleme will NYSE Euronext angehen und lösen. Firmen können Geld auftreiben, indem sie Anteile (IPO) oder Anleihen anbieten. Sogar Pre-IPOs werden diskutiert, wo bestimmte Bonds in Anteile konvertieren, sobald der IPO erfolgt.

Damit die neue Entrepreneurs Exchange von Anfang an genügend Traffic erzeugt, um ernst genommen zu werden, soll das neue Marktsegment 900 bereits gehandelte Aktien aufnehmen, die jeweils weniger als eine Milliarde Euro wert sind und an der Euronext B&C und Alternext gehandelt werden. Damit die künftigen Aktionäre nicht gleich von den Haifischen gefressen werden, sollen High-Frequency-Trader vom Handel ausgeschlossen sein. Das sind mehrheitlich Unternehmen, die via Computer in Sekundenschnelle Handelsmuster erkennen und darauf reagieren. Sie werden von Experten für oft dramatische Kursbewegungen gerade bei kleinen Aktienwerten verantwortlich gemacht.

Chance für neue Finanzierungsperspektiven

Da bleibt noch einiges abzuwarten: Werden Anleger sich auf dieses neue, doch recht riskante Börsensegment speziell für Startups einlassen? Gibt es Startups, die sich auf IPOs einlassen UND steigende Kurse haben werden? Zur Erinnerung: die letzten Startup-IPOs, z.B. von Facebook und Zynga, haben ihren Aktionären bislang nur Verluste eingebracht, und das trotz und vielleicht gerade wegen hoher Erwartungen.

In jedem Fall: Neue Märkte, die das Handeln von Startup-Anteilen ermöglichen und so Wachstumsunternehmen einen Weg zur Beschaffung des dringend benötigten Kapitals eröffnen, sind einen Versuch Wert. Das Entstehen gefährlicher Hypes muss dabei aber als Risiko im Auge behalten werden.

 

Ein Pingback

  1. [...] die Finanzkrise und damit erhöhter Risiko-Aversion bei den Banken immer schwieriger zu bekommen.Weiterlesen bei startwerk.ch (Foto:  Flickr/BlatantWorld.com, CC BY 2.0)  Twittern Flattr.flattr{margin-top:0px [...]

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