«Ohne Allgemeinplätze, ohne Bullshit»:
Doodle-Gründer Myke Näf
im Interview zu Zeeder

Geld für Web-Startups in der Frühphase: Welche Pläne das Investorennetzwerk Zeeder hat, verrät uns Doodle-CEO Michael «Myke» Näf im Interview.

Vier Internetunternehmer haben in Zürich ein Investorennetzwerk gegründet. Zeeder zielt auf Frühphasen-Finanzierung für Web-Startups. Mit von der Partie sind Doodle-CEO Myke Näf, Thomas Dübendorfer (Entwickler bei Google), Luzius Meisser (Mitgründer bei Wuala) und Eric Schmid von Elevate Partners. Wir haben Myke nach der Idee hinter Zeeder gefragt.

Myke, ihr wollt mit Zeeder nur Frühphasen-Investments machen. Warum?
Wir glauben, dass es im Frühphasenbereich – konzentriert auf ICT – in der Schweiz noch Bedarf gibt. In der Frühphase können wir unsere Erfahrungen besonders gut einbringen. Und es macht uns Spass, früh zu unterstützen und mitzuhelfen, starke Produkte und Unternehmen zu entwickeln.

Gibt es nicht schon genug Angebote, die auf die Anfangsphase zielen? (mit Coaching, Wettbewerben, Schulungsprogrammen, etc.) 
Wir sehen unsere Differenzierung vor allem in drei Punkten: Erstens der Fokus auf die ganz frühe Phase. Zweitens die Konzentration auf Internet-getriebene Projekte. Viele andere Angebote decken mehrere Industrien ab, mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen. Drittens ein Team, das ausgewiesene Erfahrung und ein starkes Netzwerk mitbringt.

Ihr wollt bei der Beurteilung der Cases schnell sein, was heisst das?
Wir peilen an, eine erste Indikation innert Tagen und einen Investment-Entscheid innert weniger Wochen abgeben zu können.

Wie gross soll eine durchschnittliche Finanzierung sein?
Qualitativ soll die Finanzierung dem Team die Möglichkeit geben, sich drei bis sechs Monate lang auf die Entwicklung eines Produkts oder Prototypen zu konzentrieren. Quantitativ wird sich eine typische Finanzierung im tieferen fünfstelligen Bereich bewegen. Nach dieser Phase helfen wir im Erfolgsfall, die Nachfolgefinanzierung sicherzustellen.

Was bekommt ihr dafür von den Startups?
Dafür kriegen wir Anteile am betreffenden Unternehmen, wobei die genaue Höhe vom Einzelfall abhängig ist.

In welchem Range wird die Beteiligung sein, 5 – 10 Prozent wie bei anderen Seed-Initiativen?
Die genaue Höhe der Beteiligung legen wir in jedem Fall einzeln fest — zusammen mit den betreffenden Unternehmern und so, dass es für beide Seiten Sinn macht.

Ihr deklariert euch ja als Investorennetzwerk – holt ihr auch andere Investoren für die Seedfinanzierung herein oder werdet es in dieser Stufe ausschliesslich ihr vier sein?
Wir haben da keine strikten Vorgaben. Ich gehe davon aus, dass es in der Regel die Zeeder-Partner sind, die investieren. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass auch mal weitere Investoren mitmachen.

Investiert ihr später auch nach bei einer ersten Runde oder bleibt es beim Seedmoney?
In der Regel wird es vermutlich bei der Frühphaseninvestition bleiben, weil wir hierauf den Fokus setzen wollen. Aber wir unterstützen die Teams bei der Suche nach Investoren für die weitere Finanzierung.

Ihr wollt neben dem Geld auch Hilfestellung bieten, wie muss man sich das vorstellen?
Wir wollen unsere Cases eng begleiten und den Teams helfen, ihr Produkt und das Geschäftsmodell zu entwickeln. Wir glauben, dass wir mit unserer Erfahrung einiges zum Gelingen beitragen können. Ausserdem können wir dabei unterstützen, Investoren für nachfolgende Finanzierungsrunden zu finden.

Seht ihr den amerikanischen yCombinator als Vorbild?
Nein, yCombinator hat ein hoch operationalisiertes und synchronisiertes Modell. Zeeder hingegen kann jederzeit mit Projekten starten. Aber natürlich gibt es Gemeinsamkeiten: Wir sind ebenfalls auf Internet-getriebene Cases und auf die sehr frühe Phase fokussiert.

Sucht ihr derzeit aktiv nach Kandidaten oder wartet ihr auf Bewerbungen?
Beides. Dank einiger Medienberichte melden sich Interessenten automatisch bei uns. Wir gehen aber auch aktiv raus und berichten an Veranstaltungen von Zeeder oder sprechen manche Unternehmer direkt an.

Wie muss man sich bewerben, um euch zu überzeugen?
Präzise, prägnant, konkret, klar, ehrlich, direkt, technisch kompetent, ohne Allgemeinplätze, ohne Bullshit. Und natürlich mit einem interessanten Case, also mit einer originellen, umsetzbaren Idee, die einen relevanten Markt adressiert und mit der man auch Geld verdienen kann.

Heisst «originell» auch «innovativ»? Also keine Copycats?
Sehr gerne originell und innovativ. Doch das sind alles Begriffe mit einem grossen Interpretationsspielraum. Die meisten Innovationen bauen auf Bestehendem auf. Aber reine Copycats im klassischen Sinn stehen für uns sicher nicht im Vordergrund.

Was motiviert dich persönlich, auf der Investorenseite aktiv zu werden?
Mich motiviert es, einen Beitrag zur Startup-Szene Schweiz zu leisten, spannende Projekte aufbauen zu helfen und mich mit talentierten, intelligenten Unternehmern und Mitinvestoren auseinanderzusetzen. Und natürlich sollen die Investitionen auch finanziell Sinn machen.

Wenn du mal kurz den Blick schweifen lässt: Was fehlt der Startup-Szene in der Schweiz für mehr (Web-)Startups, die auch den Sprung über die Grenzen hinaus schaffen?
Vorbilder, an denen man sich orientieren kann und die mit viel Erfahrung unterstützen können. Eine Kultur, die sich nicht nur auf die Risiken konzentriert sondern vermehrt auch die Chancen ins Zentrum stellt. Und da und dort noch zum richtigen Zeitpunkt die richtige Menge Geld.

Bewegt sich da Deiner Ansicht nach schon etwas oder was ist nötig, damit es hier vorwärtsgeht?
Ich finde, da ist in den letzten Jahren einiges in Bewegung gekommen. Und ich bin zuversichtlich, dass die Entwicklung positiv weitergehen wird.

 

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