Bitboard.ch:
Customization-Produkt
für Pixelfreunde

Wie aus einer Idee ein Startup-Projekte entsteht. Am Beispiel von Bitboard, einem selbst designbaren Schneidbrett.

Sam mit Bitboard-Prototyp (zvg)Customization als Prinzip: Kunden können bei Bitboard.ch ihr persönliches Küchenbrett gestalten. Ein Bitboard besteht aus 13 mal 10 Klötzen, zur Wahl stehen dunkles und helles Holz. Das Muster gestaltet der Käufer selbst auf der Website oder wählt es aus einer Galerie von Vorschlägen aus.

Vor einigen Tagen hat nach der Betaphase der reguläre Verkauf begonnen. In der Schweiz wohnhafte Pixelfreunde können die Bretter nun bestellen.

Vom Designer zum Gründer

Bitboard ist eine One-Man-Show: Hinter dem Startup steht Samuel Raymann. Der 36-Jährige hat vorher bei Zeix gearbeitet, seit 2010 gehört er zum Team von Amazee Labs. Seine Steckenpferde sind Web- und Interaction Design. Bitboard ist ein Freizeitprojekt, dass sich nach und nach zur eigenen Mini-Firma entwickelt hat.

Die Idee entstand Mitte 2010, als Samuel ein Küchenbrett mit Space-Invaders-Sujet in einem amerikanischen Onlineshop kaufen wollte. Als das nicht klappte, beschloss Samuel, für sich ein solches Brett von einem Schreiner anfertigen zu lassen. Da sich auch jede Menge andere Muster anboten, hatte Samuel die Idee eines Shops mit der Möglichkeit zum Selber-Designen. Begeistertes Feedback von Freunden und Bekannten sorgte dafür, dass er die Idee weiterverfolgte. Im Juni 2011 erstellte er die ersten Wireframes für eine Website und begann mit der Suche nach einem Hersteller für die Bretter.

Von der Idee zum Prototypen

Das Finden eines geeigneten Schreiners bedeutete auch eine Menge Nachforschungen zur Holzverarbeitung. Und neben akzeptablen Herstellungskosten gab es zusätzliche Anforderungen: Um die Skalierbarkeit zu gewährleisten, sollte der Hersteller auch gleich den Versand übernehmen. Und von Anfang an war für Samuel klar, dass die Bretter kein Billigprodukt sein durften und sozial verträglich hergestellt werden mussten. Fündig wurde Samuel bei den sozialen Einrichtungen und Betrieben der Stadt Zürich.

Um zu sehen, ob die Herstellung klappen würde und sich die angedachten Pixelbretter auch als Schneidunterlage eignen würden, liess Samuel – sozusagen als Alpha-Test – einige Prototypen anfertigen.

Blick in die Werkstatt (zvg)

Nach ein paar Nachbesserungen waren die Bitboards reif für eine Betaphase. Diese startete Ende November. Über den inzwischen fertig gestellten Shopbereich auf der Website konnten 100 Bitboards zu einem reduzierten Preis bestellt werden – mit der Bitte an die Käufer, über ihre Zufriedenheit mit dem Produkt zu berichten. Das Ziel war Feedback für die Weiterentwicklung der Bitboards:

Wie zufrieden waren die Kunden mit der Haptik, der Verarbeitung, mit dem Beipackzettel und anderen Aspekten? Ausserdem fragte Samuel die Zahlungsbereitschaft ab, um Anhaltspunkte fürs definitive Pricing zu erhalten.

Der nerdige Charm der Idee sorgte schon während des Betaphase für einige Medienpräsenz und bescherte der Bitboard-Idee unter anderem eine Erwähnung auf Spiegel Online und einen Artikel bei 20 Minuten.

Im Lauf des Jahres plant Samuel einige Verbesserungen und Erweiterungen von Shop und Produkt:

  • Nutzer sollen Geschenk-Gutscheine kaufen können
  • weitere Bezahloptionen sollen im Shop hinzukommen
  • zusätzlichen Grössen für die Bitboards
  • eine Bestellmöglichkeit aus dem Ausland

Die Erkenntnisse bisher?

  1. Alles dauert ein bisschen länger als geplant: Die Entwicklung, die Suche nach einem Hersteller, Website-Redesigns und so weiter – man komme nie so schnell voran wie geplant. Darum heisse es: dranbleiben.
  2. Make or Buy: Es ist wichtig, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man kann und die Spass machen. So hat Samuel zum Beispiel die Buchhaltung extern gegeben, um den Kopf frei zu haben für Wichtigeres.
  3. Soziale Medien sind grossartig: Am Anfang der Medienaufmerksamkeit stand ein simpler Google-Plus-Post.
  4. Organisation: Jetzt mehr es zu tun gibt, desto wichtiger ist, Prozesse schlank zu halten und sich gut zu organisieren.
  5. Kundenpflege braucht Zeit: Obwohl er einen Hauptteil seiner Zeit für das Sammeln von Feedback und das Beantworten von Kundenanfragen aufwendet – Samuel kommt kaum dazu, so viel Kundenkontakt zu pflegen wie er gern möchte. So würde er gern noch mehr Zeit in Social Media stecken und häufiger bloggen, erzählt er.

Ausserdem: Die Resonanz seines Umfelds und aus der Startup-Szene hat Samuel von Anfang an positiv erlebt, die Hilfsbereitschaft war gross. Bei der Programmierung der Shop-Lösung halfen Freunde, ebenso bei Fragen rund um Rechtliches und Organisatorisches. Und nicht zuletzt war das Feedback wichtig für die Motivation: “Mach einfach, versuch’s!”, so der Tenor.

Wer einen direkten Augenschein nehmen möchte: Samuel wird die Bitboards am StartupCamp 2012 in Basel vorstellen.

 

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Ein Pingback

  1. [...] wissen möchte, wie es von der Idee zum Startup kam, empfehle ich den Blogpost auf Startwerk von Jan [...]

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