Businessplan umbenennen:
Planen bedeutet raten

Unsicherheiten gehören für Startups zum Alltag, damit auch die ständige Ungewissheit des Künftigen. Ein Plädoyer fürs Planen ohne Businessplan.

Pläne (Bild: istockphoto)

Pläne (Bild: istockphoto)

Viele Startups beginnen ihre Existenz mit dem Aufsetzen eines Businessplans. Aus meiner Erfahrung als Teilzeit-Juror bei einem recht bedeutenden Businessplan-Wettbewerb weiß ich, dass diese Businesspläne dann manchmal bis zu 80 Seiten lang werden.

Was ich seitdem ganz offen sage (und auch schreibe): Ich halte Businesspläne generell für falsch. Planen ist nicht mehr als raten.

Was Businesspläne nicht können

“Was nicht auf einer einzigen Manuskriptseite zusammengefaßt werden kann, ist weder durchdacht noch entscheidungsreif.” – Dwight D. Eisenhower

Die Geschicke Deines Startups für drei Jahre vorhersagen, wie das in vielen Businessplänen oft geschieht, halte ich bestenfalls für Zeitverschwendung. Es gibt einfach zu viele Sachen, die Du nicht genau genug vorhersagen kannst, die Dein Startup aber ganz stark beeinflussen:

  • Markt-Bedingungen
  • Verhalten des Wettbewerbs
  • Verhalten Deiner Kunden
  • makro-ökonomische Randbedingungen
[Businesspläne] sind zu bürokratisch, da geht es um Details wie Ausgaben für Strom im zweiten Quartal im dritten Geschäftsjahr.” – Sven Ripsas, Professor für Entrepreneurship an der Hochschule für Wirtschaft und Recht
Wenn Du einen Businessplan schreibst, in dem Du Dein Startup für 3 Jahre im Voraus planst, gibt Dir das ein Sicherheitsgefühl, für die nächste Zukunft gewappnet zu sein. Da Du aber nicht weisst – und nicht wissen kannst – wie die nächste Zukunft aussieht, ist dieses Gefühl der Kontrolle trügerisch. Dein Plan ist kein Plan, es ist ein mögliches Szenario. Bestenfalls ist es eine Schätzung, schlimmstenfalls blindes Raten.

“Kein Plan überlebt den ersten Feindkontakt.” – Helmut von Moltke

In diesem Sinne sollten wir Businesspläne umbenennen, finden Jason Fried und David Hansen in ihrem Buch Rework (Affiliate-Link): Wir sollten sie Vermutungen nennen. Deine Geschäftsplanungen sind Geschäfts-Vermutungen, Deine Finanzplanungen sind Finanz-Vermutungen, Dein strategischer Plan ist eine strategische Vermutung. Das bedeutet mithin, dass Du Dir auch weniger Sorgen darum machen musst: es sind nur Vermutungen.

Pläne haben folgende Nachteile:

  • ihre Daten kommen aus der Vergangenheit (was ist, wenn die Zukunft anders aussieht?)
  • Dich an den Plan halten heisst, wenig Spielraum für Improvisation zu haben
  • die meisten Informationen hast Du, wenn Du etwas tust – NICHT, wenn Du planst, es zu tun
Wenn schon kein Businessplan, was dann?
Natürlich ist Planen nicht völlig umsonst. Es hilft Dir, Gedanken über mögliche Szenarien zu machen. Nehmen wir an, ein Szenario wäre, dass Du in einem Jahr 500 Tonnen irgendeines Materials pro Monat ausliefern willst, weil von Deinen Kunden eine entsprechende Nachfrage besteht. Dann solltest Du jetzt nicht anfangen, LKWs zu kaufen – Du solltest Dir überlegen, wie viel LKWs Du brauchst, um diese 500 Tonnen zu liefern. Und wo Du sie herkriegst, und wann Du sie beschaffen musst, und ab welchem Meilenstein Du Dir selber sagst: “Es ist soweit, ich muss mir einen LKW kaufen”.

“Ein Plan ist nichts. Planung ist alles.” – Dwight D. Eisenhower

Wichtig ist dabei, dass die Planung nicht überhand nimmt. Mehr als ein paar Seiten solltest Du nicht aufschreiben für Deine Business-Vermutung. Alles was länger ist, landet am Ende nur in irgendeinem Verzeichnis und verstaubt. Und an die Stelle des Businessplans selber sollte das treten, was Guy Kawasaki vorschlägt: der 10-20-30-Plan. Der ist auch viel besser geeignet, Deine Startup-Idee zu kommunizieren und Deine Zuhörer bei Laune und Spannung zu halten.

 

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