Urbanfarmers:
Cleantech-Agronomie fürs Hausdach

Das Startup Urbanfarmers präsentiert derzeit seinen Prototypen und seine Vision nachhaltiger Lebensmittelproduktion. Ein Augenschein.

Das Cleantech-Startup Urbanfarmers tourt zurzeit mit einem umgebauten Schiffscontainer durch die Lande, darin untergebracht: eine Minifarm. Nachdem die Urbanfarmers-Box schon in Berlin und im Juni am Zürcher Mythenquai zu besichtigen war, steht das moderne Gewächshaus nun vor dem Coworking Space Hub Zürich.

Die Gründer markieren damit Präsenz und rühren die Werbetrommel für ihre Cleantech-Vision: Stadtfarmen für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion. Dabei kann sich das Startup zurzeit wirklich nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen. Die grüne Ausrichtung und ungewöhnliche Idee haben die Mainstream-Medien mit einem regelrechten Hype beantwortet: Unter anderem haben NZZ, Spiegel und Sonntagszeitung bereits über die Urbanfarmers berichtet.

Die Urbanfarmers-Box
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Die Idee der Dachfarmen zielt auf das steigende Bedürfnis, umweltgerecht zu produzieren. Grün eingestellte Stadtbewohner sollen mit auf ihren Hausdächern montierten Gewächshäusern dereinst zu teilweisen Selbstversorgern werden. Technisch funktioniert das Urbanfarming mittels Aquaponik. Ein geschlossener Wasserkreislauf verbindet einen Fischtank mit der Bewässerung von angebautem Gemüse, beispielsweise Tomaten. Der Kreislauf ist der Clou: Die Fische düngen mit ihren Ausscheidungen die Pflanzen, das Wasser fliesst gereinigt wieder ins Fischbecken zurück. Eine Box, wie sie die Urbanfarmers zurzeit als Showcase präsentieren, produziert so pro Jahr ungefähr 200 Kilogramm Gemüse und 60 KG Fische. Der Aufwand zur Bewirtschaftung beträgt ein bis zwei Stunden pro Tag.

Stadtfarm statt Schrebergarten? Die Idee trifft einen Nerv – Öko liegt im Trend. Aber wie sieht der Markt aus? Solche Anlagen haben preislich und vom Betriebsaufwand her eine ziemliche Schwelle – und schliessen darum die meisten Hobbygärtner als Kunden aus. Den Urbanfarmers schweben darum spezielle Kundensegmente vor. Primär sind es zwei: Zum einen grün gesinnte Genossenschaften und Hausgemeinschaften. Diese hätten zusammengenommen die Mittel, so eine Anlage zu kaufen und in Arbeitsteilung zu betreiben. Daneben denken die Gründer an Restaurants und Firmenkantinen, die mit selbst angebauten Nahrungsmitteln ihren Kunden etwas Ungewöhnliches bieten möchten. Es ist aber klar: Zu kompetitiven Preisen lässt sich so nicht produzieren. Für die Kunden muss der Öko-Aspekt wirklich im Vordergrund stehen.

Am ersten StartupWeekend in Zürich im Mai 2010 hatte Urbanfarmers-Gründer Roman Gaus seine Idee gepitcht, damals noch unter dem Namen Aquafarm. Hier lernte er gleich seine späteren Mitgründer kennen, darunter Christian Bärtsch, der mir bei einem Rundgang den Prototypen und die Geschäftsidee des Startups erklärt. Die Gründer haben inzwischen in der ZHAW einen Forschungspartner. Die Urbanfarmers-Box hat nun vor allem die Aufgabe, zu zeigen wie gross die Marktchancen eines solchen Produkts sind. Die Technik wird zwar noch weiterentwickelt, so wollen die Gründer noch am Energiehaushalt des Systems feilen. Trotzdem entschied sich das Team, nicht länger im stillen Kämmerchen weiterzuwerkeln, sondern möglichst schnell mit einem Demo-Case nach Draussen zu gehen.

Derzeit suchen die Urbanfarmers Kontakte zu Baupartnern, Immobilienentwicklern und möglichen Investoren. Vermarkten will man die Idee mittels Partnern. Die Anlagen werden von Baupartnern realisiert, die Urbanfarmers kümmern sich um die Inbetriebnahme und leiten den Kunden im Gebrauch an.

Die Realisierung eines ersten richtigen Demo-Cases läuft. In Basel soll Mitte 2012 die erste Dachfarm ihren Betrieb aufnehmen. Geht alles nach Plan, will man gleich eine deutlich grössere Anlage realisieren, die mehrere Tonnen Gemüse pro Jahr produziert. Hier ist man mit einer Genossenschaft im Gespräch.

Wer sich einen eigenen Eindruck des Projekts verschaffen möchte: die Urbanfarmers-Box ist noch bis auf weiteres beim Hub Zürich zu besichtigen. Am 2. September finden ab 18:00 stündlich Führungen statt.

 

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