Get-together für Gründer und Unternehmer:
Das StartupCamp Switzerland 2011

Gute Themenauswahl, gute Atmosphäre und Sessions, die etwas im Allgemeinen blieben: Rückblick auf das StartupCamp 2011.

StartupCamp 2011 (Michael Schmid, X-Foto.ch)

StartupCamp 2011 (Michael Schmid, X-Foto.ch)

Barcamps passen zum bekannten Filmzitat mit der Pralinenschachtel: Man weiss nie, was man bekommt. Das StartupCamp 2011, das wiederum an der Basler FHNW stattfand, war da nicht anders.

20 Sessions standen zur Auswahl, jeweils vier davon fanden parallel statt. Was ganz generell zu beobachten war: Aktuelle Trends im Aufbau von Jungunternehmen haben in der Schweiz Fuss gefasst. So ist etwa das Buzzword Lean Startup, im vorigen Jahr noch kaum etabliert, aus der US-amerikanischen Startup-Szene eingewandert.

Mein persönlicher Eindruck: Einige der Sessions hätten etwas konkretere Inhalte vertragen. Während Brainstorming-Sessions zwar auch ihren Reiz haben – Einblicke ins Tagesgeschäft anderer Startups und frische Perspektiven – tiefer gehende Learnings oder Anregungen schauen kaum heraus. Entsprechend waren es eher die Referate, die Denkanstösse und best pratices vermittelten.

Im folgenden eine Auswahl der Sessions:

Matthias Sala, der auch zu den Organisatoren gehörte, leitete eine Gruppendiskussion zu Guerilla-Marketing. Es ging in einem offenen Brainstorming um selber beobachtete Beispiele witziger oder frecher Aktionen, fehlgeschlagene eigene Versuche und Grundzüge erfolgreicher Kampagnen.

Schlanke Startups

Netnode-Gründer Lukas Fischers Vortrag war eine der Sessions, die sich mit Lean Startups befassten: Eric Ries’ und Steve Blanks Konzept besonders agilen und marktorientierten Gründens für Webstartups. Das Grundkonzept besteht darin, angelehnt die Philosophie des agile development, Produktnutzen und Zahlungsbereitschaft des Kunden bereits während der Entwicklung immer wieder zu testen und das Geschäftsmodell stetig anzupassen. Schnelle Iteration bei der Entwicklung und eine Ausrichtung auf das minimalste durchführbare Produkt sollen dabei helfen. Ausserdem gehört zum schlanken Gründen das Credo, von Tag eins an vom Kunden Geld zu verlangen – das soll dazu zwingen, wirklich einen bezifferbaren Mehrwert bereit zu stellen.

Als Beispiel für ein solches Startup gilt etwa Dropbox, das noch deutlich vor dem dem Launch und der Fertigstellung seiner Plattform bereits das Interesse des Marktes überprüft und miteinbezogen hatte, was entscheidend dabei half, die Konkurrenz auszustechen. Lukas hat eine Präsentation seiner Einführung auf dem Netnode-Blog verfügbar gemacht.

Tricks und Hacks

Eine weitere Session dreht sich um Hacks und Tricks für Startups, Ideen wie diese: Suche Dir eine Spass-Facebookgruppe, die irgendeinen zumindest entfernten Bezug zu Deinem Unternehmen hat. Gemeint sind Gruppen, die mit halbwitzigen, manchmal aktualitätbezogenen Pointen zehntausende User gewinnen konnten. Kauf dem Besitzer die Gruppe ab und verwende sie als Marketingkanal. Aber Achtung: Dieses Vorgehen ist nicht unbedingt in Einklang mit den Nutzungsbedingungen der Seite.

Growing Pains bei Startups

Das Wachstum nicht nur Ziel, sondern auch Knacknuss ist, war Thema einer Paneldiskussion. Dania Gerhardt von Amazee, Myke Näf von Doodle, Amir Suissa von Deindeal.ch, Amiando-Mitgründer Marc P. Bernegger und Dominik Grolimund von Wuala unterhielten sich über den Ausbau von Teams. Konkrete Tipps gab es dabei keine zu hören, die Session blieb eine Bestandesaufnahme typischer Probleme. Interessant war aber der Einblick in den Alltag von Deindeal.ch: Beim Extrembeispiel eines Wachstumsunternehmens ist für die Gründer Hiring ein konstantes Thema. Der Groupon-Klon muss sein Sales-Team konstant vergrössern um den Markt möglichst schnell breit zu besetzen, so ist die Belegschaft bereits auf 50 Personen angestiegen, Tendenz steigend. In der Schweiz dieser Bedarf mit passenden Leuten zu decken, sei eine konstante Herausforderung.

Was dabei oft unter den Tisch falle, seien die Umwälzungen im Jobprofil, die das Firmenwachstum an die ursprünglichen Gründer stelle. Mit dem Ausbau eines Jungunternehmens verändere sich meist auch das Aufgabenfeld des anfänglichen Teams. Dessen müsse man sich bewusst sein und Möglichkeiten schaffen, den Job innerhalb der Firma zu wechseln – sonst komme es leicht dazu, dass nicht jeder auf einem gleich motivierenden Posten lande und Spannungen seien vorprogrammiert.

Mathias Möller vom Amazee-Team gab eine eher elementare, dafür aber treffende und gut gemachte Präsentation zur Nutzung von Social Media für Unternehmen. Als Take-Away-Punkte gab es in erster Linie best pratices, hier eine willkürliche Auswahl:

  • erwarte keinen direkten Return on Investment, Social Media ist Beziehungsarbeit
  • orientiere Dich an guten Beispielen (St. Gallen, Railservice)
  • Social Media ist nichts, was man an den neuen Praktikanten auslagern sollte, gute Produktkenntnisse sind zentral
  • schnelles Reagieren ist Pflichten: 24 Stunden als Antwort-Frist
  • sei grosszügig, geduldig, stets freundlich und bereit, einzustecken
  • achte auf Community Guideslines und Nutzungsbedindungen und setze diese durch
  • Kräche lassen sich am besten hinter den Kulissen schlichten

Auch empfehlenswert: Die Memonic-Gründer Dorian Selz und Toni Birrer erweiterten ihre 2010 begonnene Tipps-Reihe (22 random Hints for Startups) um weitere Ratschläge (Verlinkung folgt).

Und schliesslich gab es eine Vorschau auf eine neue Förderinstitution, die in den kommenden Monaten an den Start gehen will. Die Startup Academy bietet als gemeinnütziger Verein Coaching für angehende Basler Jungunternehmen an, inklusive Raumangebot für Startups in der Frühphase in Form eines Coworking Space.

 

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