Möchtegern-Mini-Weisheiten:
5 Punkte gegen 5-Punkte-Listen

Merksätze in Listenform sind höchst beliebt und überall, gerade in den Startupmedien. Weshalb sie nichts taugen – in Listenform.

    Die Frage nach der Beliebtheit dieser Ein-Satz-Weisheiten ist leicht zu beantworten. Wer eine Firma gründet, betritt immer Neuland, das ist eine Binsenweisheit. Alles andere, was es beim Starten einer Unternehmung zu lernen gibt nicht – schliesslich ist jeder Fall ein bisschen anders. Woran soll man sich also halten?

    Die Vermittlung von Wissen und Erfahrungswerten in der Startupszene und den angeschlossene Medien hat darum einen grossen Bedarf nach Daumenregeln und best-pratice-Beispielen. Und am einfachsten lassen sich diese halt nunmal in einzelnen Merksätzen formulieren, wie zum Beispiel den Folgenden (nicht von mir erfunden, sondern alle von einschlägigen Webseiten!):

  • Starte immer mit: “Was ist das Problem?”
  • Folge nie Deinem ersten Instinkt.
  • Setze enge Deadlines, konzentriere Dich auf die simplen Probleme.
  • Sich verlassen auf das Erprobte und Bewährte kann schiefgehen.
  • Behandle unterschiedliche Kunden unterschiedlich.
  • “Viral” schlägt teures, traditionelles Marketing.
  • Erster sein hilft kurzfristig, langfristig braucht es mehr.

Und so weiter. Es lassen sich mühelos hunderte dieser Möchtegern-Weisheiten für Startups im Web finden. Auch wenn ihre Beliebtheit in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Bei welcher wichtigen, strategischen Entscheidung sollten die abgedroschenen Sätze auch helfen – ich kann mir keine nächtliche Krisensitzung vorstellen, die der Satz “Make sure you understand the problem” auf magische Weise zum glücklichen Abschluss bringt.

Das gleiche gilt für die anscheinend unvermeidlichen Präsentationen, die als Startup-Einführungen ganz oft anzutreffen sind. Auch hier ist selten Nützliches oder Originelles dabei und die meisten könnten von Captain Obvious persönlich stammen. Das ganze wird angereichert von den ewig gleichen müden Clipart-Klischees. Hier ein Negativbeispiel, das vom prominenten US-VC und früheren Unternehmer Mark Suster stammt, der eigentlich besseres zustande bringen müsste.

Als parodistischer Protest hier darum fünf Gründe, warum diese Merksätze niemand etwas nützen – in Listenform.

  1. Wer seine Erfahrungswerte auf einen Satz zusammendampft, verliert dabei vielleicht das Wichtigste.
  2. Das Offensichtliche zu formulieren hat noch nie einen Denkprozess gestartet.
  3. Ohne Kontext ist der beste Rat komplett wertlos.
  4. Der Wert von ein-Satz-Weisheiten lässt sich ziemlich genau am Aufwand messen, eine zu produzieren.
  5. Zu jeder Ein-Satz-Weisheit gibt es eine mögliche Situation, in der das genaue Gegenteil wahr ist.

Mein Wunsch drum: Wer sich überlegt, ganze Seiten mit solchen Twitter-freundlichen Miniweisheiten zu füllen – lieber stattdessen eine davon nehmen und ausformulieren. Das gibt mehr her.

 

Mehr lesen

«Vorbilder sind nicht so mein Ding»: 9 Fragen an Samuel Mäder  von Gonnado

21.5.2013, 0 Kommentare«Vorbilder sind nicht so mein Ding»:
9 Fragen an Samuel Mäder von Gonnado

Question Time: Regelmässig stellt sich ein Startupper unserer Fragerunde. Diesmal Samuel Mäder, Mitgründer der Freizeitplattform Gonnado.

Durch dick und dünn: Freundschaft und Gründung – gute Idee oder tickende Zeitbombe?

4.3.2013, 0 KommentareDurch dick und dünn:
Freundschaft und Gründung – gute Idee oder tickende Zeitbombe?

Startup-Gründung mit Freunden: Gute Idee oder potentielles Disaster? Unsere Gastautoren haben es gewagt und wissen, wo die Risiken liegen.

«Der Staat fördert zu wenig»: 9 Fragen an Mike Schwede von cooala

7.12.2012, 0 Kommentare«Der Staat fördert zu wenig»:
9 Fragen an Mike Schwede von cooala

Kurze Fragen, kurze Antworten: Regelmässig stellt sich ein Startupper unserer Fragerunde. Diesmal der Gründer der Marketing-App cooala.

Es geht auch ohne mich: Vom Loslassen als Gründer

18.3.2013, 1 KommentareEs geht auch ohne mich:
Vom Loslassen als Gründer

Das Klischee sagt, dass ein Startup-Gründer rund um die Uhr für seine Firma verfügbar sein muss. Unser Gastautor erklärt, weshalb er damit nicht einverstanden ist und wie er als Gründer loszulassen versucht.

Kein «one size fits all»: Personalisierte Pitches bringen mehr

3.1.2013, 2 KommentareKein «one size fits all»:
Personalisierte Pitches bringen mehr

Im aktuellen Startup-Diary schreibt unser Gastautor über die Erkenntnis, dass jede Pitchgelegenheit Gold wert ist und die Erklärung des eigenen Startups stets zum Gegenüber passen sollte. Den einen, idealen Pitch gibt es nicht.

Von der Flirtplattform zur Plauderecke: Spocals Evolution anhand von Zahlen

7.8.2012, 0 KommentareVon der Flirtplattform zur Plauderecke:
Spocals Evolution anhand von Zahlen

Unser Gastautor gibt einen Einblick in die Kernzahlen des Webstartups Spocal und erklärt, wie die Gründer Designentscheidungen anhand auf der Basis von Daten treffen.

Es geht auch ohne mich: Vom Loslassen als Gründer

18.3.2013, 1 KommentareEs geht auch ohne mich:
Vom Loslassen als Gründer

Das Klischee sagt, dass ein Startup-Gründer rund um die Uhr für seine Firma verfügbar sein muss. Unser Gastautor erklärt, weshalb er damit nicht einverstanden ist und wie er als Gründer loszulassen versucht.

Kein «one size fits all»: Personalisierte Pitches bringen mehr

3.1.2013, 2 KommentareKein «one size fits all»:
Personalisierte Pitches bringen mehr

Im aktuellen Startup-Diary schreibt unser Gastautor über die Erkenntnis, dass jede Pitchgelegenheit Gold wert ist und die Erklärung des eigenen Startups stets zum Gegenüber passen sollte. Den einen, idealen Pitch gibt es nicht.

Fehler, Erfolge, Widerstände: Lessons learned von mySwissChocolate

9.1.2012, 1 KommentareFehler, Erfolge, Widerstände:
Lessons learned von mySwissChocolate

Unser Gastautor schreibt über seine grössten Fehler, Erfolge, und welche Steine die Konkurrenz seinem Startup in den Weg legt.

cabtus: Kursänderung und grosse Pläne

29.5.2012, 1 Kommentarecabtus:
Kursänderung und grosse Pläne

CEO David Brunner zur Neuausrichtung von cabtus und einem Stealth-Projekt, das in den nächsten Wochen lanciert werden soll.

Assetinum: Ein Comparis für die Vermögensverwaltung

28.10.2011, 0 KommentareAssetinum:
Ein Comparis für die Vermögensverwaltung

Mit einem Vergleichstool für Vermögensverwaltung wollen die Assetinum-Gründer einen wenig web-affinen Markt fürs Internet begeistern.

Investment für Jobplattform-Entwickler: HR Matching AG schliesst Finanzierungsrunde ab

10.5.2011, 0 KommentareInvestment für Jobplattform-Entwickler:
HR Matching AG schliesst Finanzierungsrunde ab

Die Gründer der HR Matching AG sichern sich rund eine halbe Million Franken für ihre neue Gesellschaft, einen IT-Dienstleister mit Fokus auf Matching- und Recommendation.

«Lass deine Kunden das Business finanzieren»: 9 Fragen an David Brunner von cabtus

6.7.2012, 0 Kommentare«Lass deine Kunden das Business finanzieren»:
9 Fragen an David Brunner von cabtus

Kurze Fragen, kurze Antworten – regelmässig stellt sich ein Startupper unserer Fragerunde. Diesmal mit dem CEO des Mobilitäts-Startups cabtus.

Startups und das «Minimal Viable Product»: Die Schwierigkeit des minimal notwendigen Funktionsumfangs

5.4.2012, 0 KommentareStartups und das «Minimal Viable Product»:
Die Schwierigkeit des minimal notwendigen Funktionsumfangs

Einen neuen Onlinedienst lediglich mit minimaler Kernfunktionalität auszustatten, um damit Early Adopter anzusprechen, ist eine beliebte Strategie vieler junger Gründerteams. Doch für das sogenannte «Minimal Viable Product» die richtige Balance zu finden, kann schwierig sein.

venture leaders: Zum Startup-Coaching in die USA

21.2.2012, 0 Kommentareventure leaders:
Zum Startup-Coaching in die USA

Startup-Botschafter gesucht: Noch bis zum 1. März 2012 läuft die Bewerbungsfrist für den aktuellen venture-leaders-Wettbewerb.

5 Kommentare

  1. Danke, danke, danke…
    Gerne häufiger so schön scharfe Artikel hier :-)

  2. Es gibt im Marketing eine “uralte” Weisheit: “nur einmal werben ist weggeworfenes Geld”. Das lässt sich zwar jetzt nicht 1 : 1 auf die “Möchtegern-Weisheiten für Startups” in den Mini-Weisheiten übertragen, trifft aber doch den Kern: Handeln ist wichtiger als Weisheiten !! Was nützt der beste Slogan, wenn keine entsprechende Handlung dahinter steht. Und so könnte man die Marketing-Weisheit wie folgt umformulieren: “tue gutes und berichte darüber, aber so, dass es jeder versteht”.

  3. Viele dieser Sätze versteht man erst mit der Erfahrung ;-)
    (Zumindest geht es mir so)

Ein Pingback

  1. [...] den Originalbeitrag weiterlesen: Möchtegern-Mini-Weisheiten: 5 Punkte gegen 5-Punkte-Listen … Tags:chst-beliebt, sie-nichts, listenform, Medien Verwandte [...]

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder