Papernow:
E-Publishing und soziales Netzwerk

Ein Schweizerisch-Indisches Startup will mit einer Onlineplattform für Printmedien die Verlagsbranche retten.

Florian und Abraham von Papernow
Florian und Abraham von Papernow

Papernow hat sich einiges vorgenommen. “Wir wollen Paid Content salonfähig machen” sagt Florian, CEO des jungen Unternehmens Touchweb, das hinter dem Startup steht. Die Gründer möchten das Internet zu einem besseren Vertriebskanal für die taumelnden Printverlage machen als bisher. Auf einer Online-Plattform will Papernow Inhalte von Printmedien aus aller Welt zusammen bringen und personalisierbar machen. Das Ziel ist ein Nachrichtenangebot, zugeschnitten auf den jeweiligen Leser, der sich auf einem persönliche Dashboard seine Wunschzeitung zusammenstellen kann.

Hinter Papernow stehen Florian Menevis und Abraham Daniel, der die Entwicklung der Plattform im indischen Bangalore leitet, wo ein 20-köpfiges Team für Programmierung der Plattform zuständig ist.

Für Florian sind die jetzigen Internetauftritte von Printmedien ein Unfall, der sich aus dem plötzlichen Relevanz der Internets ergeben hat und noch einiges an “Evolution nötig hat”. Die Möglichkeiten seien dabei noch lange nicht ausgeschöpft. Gerade mit der Funktion für den Leser, einzelne Themen abonnieren zu können, will Papernow einen Vorteil von Online auspielen. Dafür werdend die Artikel einerseits automatisch kategorisiert, gleichzeitig versuche man er aber auch mit einer menschlichen Redaktion, die die Zuordndung verbessere. Für Florian ist das einer der Vorteile des Standorts Bangalore. Im für Data-Entry-Outsourcing bekannte Zentrum sei das nämlich bezahlbar.

Personalisierte Werbung

Dass sich aus den durch die User selbst zusammen gestellten Inhalte deren Interessenprofile erstellen lassen, will Papernow für die angezeigte Werbung einsetzen. Werbethemen sollen dynamisch auf die Interessen des einzelnen Lesers zugeschnitten werden und so ertragreicher werden als konventionelle Werbebanner. Von den Werbeinnahmen gehen im Gegenzug 3 bis 10 Prozent an Papernow, die Höhe der Kommission ist degressiv. Gleichzeitig sieht das Startup mit einem integrierten E-Commerce-System auch das Anbieten von Bezahlinhalten vor. Werbefreie, bezahlte Sektionen sind genauso möglich wie Zwischenformen.

Webvorteile ausspielen

Mit den versprochenen Werbevorteilen und flexibel einsetzbaren Paywalls sollen Verlage ertragsseitig gewonnen werden. Gleichzeitig möchte das Startup in der Präsentation neue Wege gehen. Die Nachteile des Zeitunglesens online sollen in der Papernow-Oberfläche wegfallen, die Artikel und News übersichtlicher und besser lesbar sein. Damit verfolgt das Startup eine Strategie, die schon einzelne Verlage ins Feld führen, um für Onlineinhalte Geld verlangen zu können. Die New York Times experimentiert zurzeit etwa mit ihrem Timesreader, einer plattformübergreifenden Applikation, die sich für eine monatliche Gebühr von 15 Dollar abonnieren lässt. Die Entwicklung einer ähnlichen Lösung wollen Florian und Abraham also den Verlagshäusern abnehmen.

Ob und für welche Geräte die Gründer Papernow verfügbar sein wird, ist noch offen. Eine Ankündigung für für das Apple-Ipad ist prominent platziert auf der Webseite, aber Florian sieht noch Schwierigkeiten dabei, Appstore-Möglichkeiten und Bezahlmechanismus für Abomodelle zusammen zu bringen. Gegenwärtig versuchen die Gründer, verschiedene Verlagshäuser von ihrer ambitionierten Idee zu überzeugen.

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3 Kommentare

  1. Andi
    schrieb am 6. März 2010 um 10:04 Uhr (#)

    Bietet nicht die Schweizer Post genau diesen Service schon an bzw. wird ihn anbieten? Falls ja: wie unterscheidet sich Papernow vom Service der Post?

  2. Schreibt hier auf dem Blog Jan Rothenberger
    schrieb am 8. März 2010 um 09:05 Uhr (#)

    Danke für den Hinweis! Personalnews geht tatsächlich in eine ähnliche Richtung. Jedoch hat Personalnews keine Ambitionen in Richtung Web2.0 und stellt die Zeitung nach ganzen Seiten der Zeitungsrubriken zusammen, wie diese im Printlayout aussehen – quasi als PDF-Copy-Paste. Papernow muss man sich dagegen (voraussichtlich) vorstellen wie eine personalisierte Webseite, auf der sich interaktive Elemente finden (wie Kommentare) und alles als Modul daher kommt. Dabei lassen sich laut den Gründern auch thematische Suchen einbauen – beispielsweise in der Art: “War, Afghanistan”, “in New York Times & Washington Post”, wogegen bei Personalnews nur möglich wäre, die Auslandteile der jeweiligen Zeitungen zu abonnieren.

  3. epagee
    schrieb am 1. November 2010 um 12:41 Uhr (#)

    Papernow hat den PaidContent Ansatz sehr gut gelöst, wir sind gepspannt, wie es mit dem Projekt weitergeht!

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