Social Entrepreneurship IV/IV:
Schweizer Sozialunternehmer

Im vierten und letzten Teil unserer Serie zu Social Entrepreneurship fragen wir nach den “Changemakern“ in der Schweiz und danach wie Projekte gefördert werden?

Von Jan Rothenberger

In unseren startwerk.ch-Serien behandeln wir Themen, die unseres Erachtens mehr Platz verdienen, als sie in einem einzelnen Post bekommen. Die einzelnen Posts können zwar für sich alleine stehen, bilden in ihrer Summe das behandelte Thema aber nuancierter ab.
Um inspirierende Beispiele von Sozialunternehmen zu finden, muss man nicht zwangsläufig nur in Schwellen- und Entwicklungsländern suchen. Eine Schweizer Erfolgsgeschichte ist die Stiftung Intégration pour tous (IPT). Sie fördert die Reintegration von gesundheitlich beeinträchtigten Menschen in die Arbeitswelt. Dafür kooperiert sie mit öffentlichen Beratungsstellen, RAVs, Versicherungen und über 9000 Unternehmen in der ganzen Schweiz.
Die Organisation Equal Salary untersucht die Lohnstruktur von Firmen und zertifiziert diejenigen, in welchen hundertprozentige Lohngleichheit zwischen Mann und Frau nachweisbar ist. Damit schafft sie Transparenz, fördert Gleichberechtigung und betreibt Marketing für die entsprechenden Firmen.
Weitere, anders ausgerichtete Beispiele sind das bereits in diesem Blog vorgestellte Unternehmen Aiducation International.

Die wichtigsten Förderer

Erste Anlaufstelle für Startups ist in der Schweiz bekanntlich das IFJ. Hier und bei Venturekick finden sich bereits einige Sozialunternehmer auf der Liste der unterstützten Projekte. Inzwischen gibt es jedoch spezifisch ausgerichtete Starthilfe. Die international tätige NGO Ashoka wurde 1981 von einem ehemaligen McKinsey-Consultant gegründet. Sie gilt als grösstes etabliertes Netzwerk für Social Entrepreneurship. Seit einem halben Jahr unterhält Ashoka ein Büro in Zürich. Die Organisation setzt einen starken Fokus auf die Schweiz als neuen “Hub” für ihre internationalen Aktivitäten. Ideenförderung bei Ashoka funktioniert ähnlich wie etwa die Unterstützung von Startups durch das IFJ, geht aber noch weiter, da Ashoka die Projekte längerfristig begleitet. In einem ausgedehnten Assessment werden die Ideen zunächst geprüft. “Den angenommenen ‘Fellows’ werden dann Stipendien zur Verfügung gestellt, die erlauben, sich vollzeitmässig mit der Umsetzung zu beschäftigen,” erklärt Meike Boehnke, Repräsentantin von Ashoka Deutschschweiz. Dafür gibt die Organisation dem Sozialunternehmern vorerst drei Jahre Zeit. Gleichzeitig stellt Ashoka ihrer Fellows mit Rat und Tat zur Seite, vermittelt Kontakte, stellt Know-How aus bisherigen Erfahrungen zur Verfügung und fördert die Vernetzung mit Wirtschaft und Universitäten, die beratend zur Seite stehen. Zurzeit läuft hierzulande zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit der HSG.
Weiter gibt es die Schwab Stiftung für Social Entrepreneurship. Diese ist eine Kooperation von WEF-Gründer Klaus Schwab mit privaten Unternehmen, unter der Boston Consulting Group. Die Stiftung führt jedes Jahr einen Wettbewerb durch, in dem Sozialunternehmer prämiert werden. Die Gewinner können mit einem erhöhten Medieninteresse und einer besseren Sichtbarkeit für Investoren rechnen.

Was bringt die Zukunft?

Zum Abschluss unserer Social-Entrepreneurship-Reihe noch einige skeptische Überlegungen. Haben wir in Social Entrepreneurship wirklich das Allheilmittel für Umwelt- und Globalisierungsprobleme vor uns?

Während das Phänomen des gemeinnützigen Wirtschaften nichts neues ist, sind es die Strategien des jetzt gerade boomenden Sozialunternehmersektors. Die Zielsetzung ist eine andere, aber Auftritt, Marketing und Vorgehensweise haben bisweilen Züge der vergangenen New Economy. Und stets ist ein Hype-Verdacht unterschwellig präsent. Die Buzzwords Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und Change sind schliesslich schnell in Anschlag gebracht, der tatsächliche Impact ist oft schwer einzuschätzen – es handelt sich ja nicht um unmittelbar monetäre Grössen.

Das Problem: Es fehlt das ökonometrische Rüstzeug, um den Nutzen, den Sozialunternehmer stiften, wirklich zu messen und zu beziffern. Konzepte wie social return on investment (SROI) sehen vielversprechend aus, stecken aber noch in den Kinderschuhen. Doch solche Messinstrumente sind früher oder später nötig, um Transparenz zu schaffen und die qualitativ spürbaren Erfolge von Sozialunternehmern auch quantitativ nachzuweisen.

Und während es die Bestrebung vieler S.E.-Vordenker ist, Möglichkeiten für Kapitalinvestitionen im grossen Stil an den Finanzmärkten zu schaffen, um so den “civic sector” zu stärken, darf man doch kritisch sein bei solchen Plänen – die nächste Blase wartet schon. Zielführender und vernünftiger anstatt intransparenten Fonds und schwer zu dotierenden Aktienwerten dürften weiterhin selektive, projektbezogene Investitionen sein, die einen engen Kontakt zwischen Geldgebern und den Social Entrepreneurs beinhalten. Denn mit dem nötigen Augenmass betrachtet sind Sozialunternehmer tatsächlich ein Gewinn für die ganze Gesellschaft.

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