autofreieorte.com:
Der Markt in der Nische

Peter Sennhauser, 12. August 2009 08:00 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Die Website autofreieorte.com ist zunächst ein Nebenwerwerb zweier Enthusiasten – und ein Beispiel für Projekte mit Nischenmarketing im Internet.

Christian Röthlisberger, fleissigen Internetnutzern und Blogosphären-Surfern auch bekannt als Bugsierer, hat einige Erfahrung mit Blogs und dem Publizieren im Netz – und sehr wenig mit Marketing, wie er selber sagt.

Trotzdem hat er zusammen mit Webdesigner und Webmaster David Worni eine Art Mini-Webstartup gegründet: Die Tourismussite Autofreie Orte. Die Idee kam ihm, als er sich über entsprechende Feriendestinationen informieren wollte und feststellte, dass es keine zentrale Anlaufstelle gibt. Dabei haben diese Ortschaften, ob sie sich nun dem Tourismus explizit verschrieben haben oder (noch) nicht, einen einzigartigen gemeinsamen Wert im modernen Tourismusgeschäft:


“Wo Autos fehlen, wird alles andere völlig anders: Die Architektur, die Aussicht, die Düfte, die Bewegungsfreiheit, der Sound, der Rhythmus, die Natur, das Licht, der Himmel, die Zeit und die Kommunikation unter den Menschen.”

stellt Texter Röthlisberger auf der Site fest. Und diese Qualität müsste so vermarktet werden, dass sie von entsprechend ausgerichteten Reisewilligen auch gefunden werden.

Dabei stellt sich ein Problem für das Marketing der Site: Das Geschäftsmodell besteht einerseits in Werbung. Andrerseits sind die Ortschaften selber wohl die besten Werbekunden. Aber die Website soll ja auch als Dienstleistung für die Touristen ein vollständiges Verzeichnis sein, also kann autofreieorte.com nicht nur die Ortschaften zum Zug kommen lassen, die für das Porträt bezahlen.

Die Lösung ist gemäss Christian ein zweigeteiltes Werbeangebot. Zur Bannerwerbung auf den Textseiten, die von jeglichem Unternehmen aus dem Tourismussektor gebucht werden kann, gibt es für jeden gelisteten Ort eine Porträtseite, auf der wiederum die Anbieter des Ortes selber zu sehr günstigen Konditionen “lokalisierte” Werbung schalten können – für ihr Hotel, ihr Restaurant oder ihren sonstigen Service. Zugleich werden aber die Ortschaften selber zu potentiellen Kunden:

“Die Destinationen können ihr kostenloses BasicPorträt zu einem bezahlten PremiumPorträt upgraden – also eine Art Freemiummodell. Die Preispolitik wird hier sein, dass grössere Orte mehr zahlen als kleinere; sehr kleine Destinationen (bis ca. 100 Gästebetten) erhalten das PremiumPorträt gratis.”

Damit hoffen die Betreiber der Site eine Balance zu finden zwischen Inhalten und Werbekunden, obwohl in diesem Fall beides eng verbandelt ist – und auch sein soll. Die Chancen für das Konzept sieht Christian Röthlisberger darin, dass sein Projekt einerseits eine Marktnische füllt und den von vielen der gelisteten Orten völlig vernachlässigten USP “autofrei” ins Zentrum stellt, damit selber zu einem einzigartigen Angebot unter den Tourismus-Websites wird und zugleich sehr viel preiswerter sein wird als so manches der vielen Internetverzeichnisse, die faktisch für einen Link in einer nicht sehr attraktiven Site schon horrende Preise verlangen:

“Unsere Seite ist nicht – wie fast alle anderen Touristikportale – mit GoogleAds etc. vollgepappt. Und: Der Hiddenseer Hotelier kann auf einem Portal werben, das ausschliesslich auf sein bestes Alleinstellungsmerkmal fokussiert – die Abwesenheit von Autos. Er kann seine Werbung innerhalb dieses Portals auf einer Seite schalten, die sich ausschliesslich mit “seinem” Ort befasst. Fokussierter und zielgruppengenauer geht fast nicht mehr.”

Derzeit listet das Portal 44 autofreie Orte in Europa – und die ersten Hinweise auf weitere fliessen bereits aus der Leserschaft ins Site-eigene Blog ein.

Sollte sich das Geschäftsmodell als tragfähig erweisen und Christian und seinem Geschäftspartner David Worni mehr als ein Zubrot bieten, ist für den Winter 9/10 zunächst eine englischsprachige Version der Site vorgesehen. Als weitere Ausbauschritte sei die Ausweitung der Site über Europa hinaus denkbar; ferner könnte ein Buchprojekt ins Spiel kommen.

Das alles soll zwar einer möglichen Konkurrenz immer voraus bleiben, aber erfordert nach Angaben von Christian Röthlisberger keine weiteren Investitionen ausser Zeit.

Genau das ist das Spannende an der Idee, die auch nach einem Jahrzehnt Internet beweisen könnte, dass publizistische Nischenangebote in diesem Medium eine noch immer unterschätzte Marktchance haben.

autofreieorte.com

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1 Kommentar

  1. bugsierer
    schrieb am 12. August 2009 um 14:27 Uhr (#)

    merci für den artikel. sehr treffend finde ich den letzten satz. manchmal dünkt es mich, die nischen liegen nur so auf der strasse rum und keiner sieht sie.

    eine kleine richtigstellung noch: keine ahnung, wo ich gesagt haben sollte, ich hätte mit marketing sehr wenig erfahrung. das gegenteil ist der fall. als werbetexter, der vorwiegend kleine firmen bedient, ist marketing fast immer ein thema. und ohne diese erfahrungen hätte ich es nicht gewagt, das projekt zu starten, denn nur mit diesem hintergrund konnte ich das potential “meiner” nische überhaupt entdecken.

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