Dienstleistungsbusiness:
Neues auf alten Mauern

Peter Sennhauser, 12. Juni 2009 13:23 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Informationstechnologie lässt alte Geschäftsmodelle einbrechen und schafft völlig neue. Damit stehen Spezialisten auch viele Wege zu Dienstleistungsangeboten offen.

Vom Profi-Produzent zum Dienstleister: Wie die Senkung der Einstiegsschwelle in Profi-Berufe von denen genutzt werden kann, zeigt dieses Beispiel aus meinem privaten Umfeld.

Dreissig Jahre lang hat Stuart Schwartz sein Geld mit professioneller Fotografie verdient – viele Jahre lang in Zürich in der Werbebranche, danach in seiner Heimat in Kalifornien vor allem mit Manager-Porträts für Corporate-Kunden.

Stuart hat miterlebt, wie das Profi-Fotobusiness durch die Digitalisierung langsam zu einem Gewerbe mit tiefer Schwelle, vielen Einstiegswilligen und sinkender Honorare wurde.

Heute hat Stuart in Mill Valley, einem noblen Vorort von San Francisco, ein völlig neues Business:

Einen Druck- und Beratungsshop für Kunstfotografen. Anders gesagt – Stuart hat aus der Not eine Tugend gemacht: Heute verdient er sein Geld mit den vermögenden Hobbyfotografen, die ihre Bilder in Profi-Qualität gedruckt haben möchten, aber weder Zeit noch Infrastruktur dazu besitzen.

“Die Idee kam mir, weil viele der Manager, die ich ablichten musste, sich als Foto-Enthusiasten entpuppten.” Diese Leute besitzen die teuerste Digitalkamera-Ausrüstung, die es gibt, “aber jeder einzelne von ihnen zeigte mir seine Bilder am Bildschirm im Büro.”

Auf die Frage, warum keines der teilweise hochwertigen Bilder in gedruckter Form vorliege, kriegte Stuart immer die gleichen Antworten: Die vielbeschäftigten Manager haben keine Zeit, sich in die Geheimnisse des richtig guten Drucks einzuarbeiten, auch wenn sie sich die entsprechende (Zusatz-) Ausrüstung problemlos leisten könnten; und bei den zahllosen Online-Belichtungsdiensten kommt niemals die Qualität heraus, die jemand haben will, der mit einer mehreren zehntausend Franken teuren Ausrüstung operiert.

In dieser Marktlücke hat Stuart zusammen mit einem jungen Fotografen und Software-Zauberer sein Druck- und Beratungsunternehmen “Imageflow” in Mill Valley gesetzt: “Natürlich kosten wir deutlich mehr als die Online-Druckdienste. aber wir setzen uns für jedes Bild mit dem Kunden zusammen, nehmen Feinretuschen vor oder bilden die Leute in Einzellektionen so aus, dass sie uns perfekte Druckvorlagen liefern können.”

Zumindest in der vermögenden Nachbarschaft des Shops hat das Angebot eine dankbare Kundschaft: Die Digitaltechnik hat den Kunden Möglichkeiten gegeben, die sie zuvor nicht hatten.

Gleichzeitig ist ein neues Bedürfnis nach einer Dienstleistung entstanden, das von den Profis aus diesen Bereichen angeboten werden kann.

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