Routerank-Gründer Jochen Mundinger:
“Beinahe Banker geworden”

Gastautor, 14. Mai 2009 11:23 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Der Gründer des EPFL-Spinoffs Routerank, Jochen Mundinger, wollte nach sieben Jahren Studium in Cambridge noch was anderes sehen – und kam so nach Lausanne.

Von Mathias Vettiger

“Spannend” findet Jochen Mundinger das Startup-Leben. Sicherlich spannender als das Umfeld eines Bankers: Das war eine seiner Optionen, über die er intensiv nachgedacht und die er dann “zum Glück” habe fallenlassen.

“Letzten Endes schien mir Routerank am spannendesten”.

Routerank ist ein Online-Dienstleister, der die beste und umweltfreundlichste Verbindung zwischen zwei Orten in Europa findet – und zwar auf der Strasse, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und auf Flugrouten. Berechnet nach Reisezeit und CO2-Footprint, neutral bezüglich der Verkehrsmittel, aber ideal sowohl für den Reisenden als auch für die Umwelt.

Die Idee für Routerank kam Mundinger, als er für einen Professor der EPF Lausanne und sich eine eine Reise nach Polen buchen wollte: Alles, was es für die ideale Reisreroute und die besten Reisemittel braucht, sei im Internet zu finden, sagt Mundinger heute. Aber es dauert Stunden, die Verbindungen zu finden. Also setzte sich Mathematiker Mundinger hin und suchte eine automatisierte Lösung – Routerank war geboren.

Mundinger hatte sich Wissen über das Gründerleben beschafft: Er hat die Venture Challenge absolviert, einen 14-teiligen Kurs für Jungunternehmer. Dort erfuhr er von Venture Leaders, dem Programm, an dem er sich 2007 beteiligte und mit 19 anderen die Gelegenheit zu einer Informationstour nach Boston erhielt. “Das war sehr eindrücklich, weil ich dort Unternehmer und ihre Philosophie, aber auch die anderen Schweizer Teilnehmer näher kennen lernen konnte.” Mit seiner Idee für Routerank schrieb er sich beim Programm Venture Kick des IfJ ein und kam zum Zug.

Management-Erfahrung hatte er bis zu diesem Zeitpunkt lediglich aus dem Zivildienst, wo er in einem Krankenhaus im Management und in der IT-Abteilung arbeitete. Darüberhinaus hatte er seine Karriere im Studium und danach an der EPFL mit Senior Research verbracht. “Mittlerweile ist Routerank drei Jahre alt – da stellt sich schon die eine oder andere Erfahrung ein.”

Zuallererst natürlich die, dass das Startup-Leben sehr intensiv ist und harte Arbeit verlangt. “Eine interessante Erkenntnis für mich ist die Langfristigkeit: Am Anfang denkt man, nach sechs Monaten sei klar, obs klappt oder nicht – und wenn nicht, macht man halt was anderes.” Die Realität sei völlig anders. Sich auf ein Startup einzulassen, sei kein kurzfristiges Engagement.

Allerdings hatte sich Mundinger auch nicht auf eine akademische Karriere eingestellt. “Ich habe mein ganzes Studium in England gemacht, war fast sieben Jahre in Cambridge. Eine super Stadt, allerdings auch etwas klein.”

Er wollte auch noch etwas anderes sehen, und nachdem er auf einer Konferenz einen einen Professor und zwei Studenten der EPFL kennen lernte, die an ähnlichen Problemen arbeiteten, wurde er für ein halbes Jahr an die EPFL eingeladen. “Das war 2004, mein erster längerer Aufenthalt in der Schweiz. Nach dem halben Jahr bin ich wieder nach England und habe meine Promotion fertig gemacht. Danach schob ich eine Weltreise ein – und nahm eine Stelle an der EPFL an.”

In Lausanne kam ihm die Idee für routerank, und zugleich spürte Mundinger die Startup-Förderung in der Westschweiz: “Es gibt da zum Beispiel die Innogrants, die macht Hervé Lebret, der vorher bei Index war (einer Venture Capital Firma). Seine Expertise war mir wichtig: Dass nicht irgendein Akademiker sagt: ‘Ok, hier hast du den Innogrant, mach mal irgendwas’, sondern dass jemand mit Lebrets Expertise und Erfahrung an mein Projekt glaubt.”

Mundinger hat allgemein einen guten Eindruck von der Startup-Atmosphäre in der Schweiz. Ausserdem bot die EPFL ein ideales Informatik-Umfeld – viele der aktuellen Routerank-Mitarbeiter sind irgendwie mit der Lausanner Hochschule verbunden.

Die Westschweizer Stadt sei aber nicht nur wegen des Recruitings ein guter Standort. “Wir haben zumindest auf der Consumer-Seite den Fokus auf Europa, wo das Verkehrsnetz sehr gut ausgebaut ist. Wir können hier noch mehr Wert hinzufügen, als das vielleicht in den USA und anderswo der Fall wäre. Die Schweiz liegt ausserdem sehr zentral in Europa. Und Lausanne passt auch von den Werten ganz gut: Die Schweiz hat den Ruf für Exaktheit und Präzision, um die auch wir uns bemühen. Zudem sind wir wie die Schweiz unabhängig und neutral. Wir bevorzugen nicht das Flugzeug oder das Auto oder die Bahn, sondern streben einen objektiven Vergleich an. Das alles passt zusammen.

RouteRank

Offenlegung: routeRANK ist Kunde der Blogwerk AG, die startwerk.ch betreibt.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Venture Kick: Insphero und Labseed erhalten Fördergelder

3.9.2009, 0 KommentareVenture Kick:
Insphero und Labseed erhalten Fördergelder

Ende August 2009 haben die beiden Medizinaltechnologie Startups Insphero und Labseed die Jury des Venture Kick in der dritten und letzten Runde von sich überzeugen können.

Suisse Emex 09: \

27.8.2009, 1 KommentareSuisse Emex 09:
"Bühne frei" für Jungunternehmer

Was hat ein Messeauftritt einem Startup zu bieten, und ist der direkte Kundenkontakt Standgebühren und Zeitaufwand auch wert? Ein Augenschein an der Suisse Emex.

Pearltec: Styroporkügelchen für die Medizin

23.7.2009, 0 KommentarePearltec:
Styroporkügelchen für die Medizin

Das ETH-Spinn-off Pearltec stellt Kissen her, mit deren Hilfe die Qualität von CRT- und MRT-Scans verbessert werden kann. Die Lösung besticht durch ihre Einfachheit.

Der Traum vom grossen Erfolg: Consulting, PhD, UBS oder Start-up?

2.3.2010, 0 KommentareDer Traum vom grossen Erfolg:
Consulting, PhD, UBS oder Start-up?

Warum ziehen Unternehmer die oft mühsame Selbständigkeit einem bequemeren Angestelltenleben vor? Was Unternehmertum ausmacht.

100. Venture Pitch: Die Quadratur des Dreiecks

11.12.2009, 0 Kommentare100. Venture Pitch:
Die Quadratur des Dreiecks

Mit Hilfe von Venture Kick will Kantonsschüler Kay Gürber ein faltbares Geodreieck in den Handel bringen.

venture kick: Streamforge und Aiducation  erhalten je 130\'000 Franken

20.10.2009, 0 Kommentareventure kick:
Streamforge und Aiducation erhalten je 130'000 Franken

Die Initiative "venture kick" unterstützt Aiducation International und StreamForge mit dem vollen Förderbeitrag von 130'000 Franken.

TechCrunch: Schweizer gut im Rennen

7.7.2009, 0 KommentareTechCrunch:
Schweizer gut im Rennen

TechCrunch Europe kürt am 9. Juli die besten Startups Europas. Gestern wurden die Nominierungen bekannt, die Schweiz ist gut vertreten.

3.3.2010, 0 KommentareParship.ch:
Die Neuerfindung der Partnersuche

Online-Partnervermittlung: PARSHIP.ch setzt auf einen wissenschaftlich fundierten Persönlichkeitstest mit innovativem Prinzip.

Red Herring Global: Schweiz ist gut im Rennen

28.12.2009, 1 KommentareRed Herring Global:
Schweiz ist gut im Rennen

12 Schweizer Startups sind Teil der Finalisten-Auswahl von 200 Firmen für den Red Herring Global Award.

Gryps Offertenplattform: Ein Angebots-Broker für KMUs

17.12.2009, 2 KommentareGryps Offertenplattform:
Ein Angebots-Broker für KMUs

Ein Online-Vermittler für Services und Güter an KMUs: Die Beschaffungsplattform Gryps will ein bewährtes Geschäftsmodell für die Schweiz adaptieren.

100. Venture Pitch: Die Quadratur des Dreiecks

11.12.2009, 0 Kommentare100. Venture Pitch:
Die Quadratur des Dreiecks

Mit Hilfe von Venture Kick will Kantonsschüler Kay Gürber ein faltbares Geodreieck in den Handel bringen.

Kultur-Startups III/IV: Markt der Künste?

20.11.2009, 1 KommentareKultur-Startups III/IV:
Markt der Künste?

Im dritten Teil dieser Serie gehe ich auf die kommerziell nicht oder ungenügend verwertbare Kunst ein.

Kultur-Startups II/IV: Zwischen Selbständigkeit und Subventionsabhängigkeit

13.11.2009, 0 KommentareKultur-Startups II/IV:
Zwischen Selbständigkeit und Subventionsabhängigkeit

Es gibt kommerziell erfolgreiche Künstler und solche die Unterstützung benötigen. Wo kann man die Trennlinie ziehen zwischen kommerziell verwertbaren Projekten und subventionsabhängigen?

3 Kommentare

  1. Joseph Barber
    schrieb am 16. Mai 2009 um 04:35 Uhr (#)

    Danke für die spannenden Artikel auf startwerk.ch.

    Mühsam finde ich, dass Ihr mit Links zu den Portraitierten Firmen extrem sparsam umgeht – am Ende jedes Artikels (und vielleicht noch im MIttelteil) soll man doch das Unternehmen anklicken können – ohne lange zu googlen.

    Danke!

    J

  2. Mathias Vettiger
    schrieb am 26. Mai 2009 um 15:38 Uhr (#)

    Hallo Joseph

    Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Artikel um zwei Links ergänzt.

  3. Joseph Barber
    schrieb am 27. Mai 2009 um 22:55 Uhr (#)

    Hallo Mathias
    Sehr aufmerksam, danke! Merke, dass auch die anderen Artikel schön vernetzt sind… Bin weiterhin fleissiger Leser.
    Beste Grüsse,
    J

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.